Dienstag, 29. Januar 2013

Ein Geier möchte um die Welt reisen VIII

Nach vielen Wochen in eisiger Kälte freute sich Gänsegeier Travis, der Geier, der um die Welt reisen möchte, umso mehr, dass er sich auf Hawaii aufwärmen konnte. Damit er seinen schönen, neuen Halsschmuck, den roten Weihnachtsschal, nicht zu sehr vermisst, war meine allererste Mission in Waikiki: Eine Blumenkette für Travis suchen. Auf einem Touristen-Markt zwischen tausenden von Kitsch-Buden fand ich einen Laden, der sich auf künstlichen Blumenschmuck spezialisiert hat. Also nicht lange suchen, sondern fragen. Und zwar nicht nach einer Blumenkette für mich, sondern für Travis. Keine Ahnung, warum die Frau mich so verwirrt angeschaut hat. Aber nachdem ich ihr Travis gezeigt habe, war sie sofort begeistert hat und eifrig mitgeholfen eine schöne Blumenkette für Travis zu finden. Die Entscheidung war schnell getroffen und vielleicht erlaubt mir Travis später ja mal seine Kette als Armband zu nutzen.
Am zweiten Tag hatten wir eine Bustour über die Insel Oahu gebucht und sind dabei nach Pearl Harbor gekommen. Mit geknicktem Hals flatterte Travis über die Gedenkstätte und war richtig schweigsam. Von wegen Geier lauern nur in Kriegsgebieten, um sich den Wanst vollfressen zu können. Sie sind auch sensibel!
In einem Buddha-Tempel flatterte er mit Volldampf gegen einen Gong. Allerdings war dieser viel zu groß und zu schwer für Travis, so dass sein Hals anschließend wie eine Ziehharmonika aussah, aber der Gong keinen Ton von sich gab.
Also doch lieber mit den Springbrunnen spielen und sich ein wenig erfrischen.
Auf Big Island konnte Travis in einer glasklaren, türkisen Lagune mit Meeresschildkröten spielen und auf ihnen durchs Wasser reiten. Gänsegeier können ja leider nicht ganz so gut schwimmen...
Aloha-Feeling pur!
Auch in den Volcano National Park begleitete Travis mich, wo er beeindruckt den Kilauea Iki Crater bewunderte. Nach einem Rundflug um den Krater herum war er aber ziemlich müde und ließ sich daraufhin tragen.
Als wir anschließend zur viel größeren Kilauea Caldera kamen, konnte er sich zu keinem weiteren Flug mehr aufraffen. Außerdem hätte der aufsteigende Qualm nur seine Federn verklebt.
Am nächsten Tag ging es mit "Blue Hawaiian Helicopters" zu der Stelle, wo Lava über- und unterirdisch ins Meer fließt.
Herrlich, nicht selber fliegen zu müssen. Wäre auch viel zu gefährlich für einen kleinen Gänsegeier, da er sich nur zu leicht die Federn ansengen könnte.
Da ich den besten Platz im Heli bekommen hatte, konnte Travis super die Aussicht genießen. Ich musste aber gut auf ihn aufpassen, damit er nicht in die Rotorblätter gerät.
Was für eine herrliche Aussicht! Hin und wieder konnten wir rote Rinnsale glühender Lava entdecken, aber das meiste spielte sich unter dem Meeresspiegel ab. Oder es war tagsüber einfach zu hell, um die rote Lava besser erkennen zu können.
In jedem Fall ein toller Ausflug, den Travis sehr genossen hat.
Anschließend ging es noch ein wenig über die Insel, wo Travis den tosenden Wellen...
...und wunderschönen Wasserfällen zuschaute.
Und zum Abschluss des Tages ein wenig Abhängen am Strand. Mit solch warmem Sand macht man sich doch gerne das Gefieder schmutzig!
Auf Maui durfte Travis mit auf den 12-Miles-Hike zum Haleakala. Für ihn war es natürlich wesentlich weniger anstrenged als für mich, da er viel schneller fliegen als ich laufen konnte.
Kleine Pause in einer "Kugelpflanze". Aber warum müssen die Stacheln so pieksen?
Egal, hauptsache kurze Verschnaufpause.
Während der drei Meilen bergauf wollte der liebe Travis mir helfen und versuchte die obere Lasche meines Rucksackes in seine kleinen Krallen zu nehmen, damit ich nicht so schwer tragen muss. Aber leider sind Geierkrallen nicht zum Greigen und Tragen schwerer Dinge gemacht. Daher musste ich selber sehen, wie ich meinen Kram und mich selber den Berg hochschleppen konnte.
Oben angekommen wurden alle Strapazen mit einem schönen Sonnenuntergang oberhalb der Wolkendecke belohnt. Traumhaft.
Am nächsten Tag ging es auf Maui mal wieder auf ein Schiff, Whale Watching. Sowohl Travis als auch ich überstanden die zweistündige Tour ohne Seekrankheit und konnten die vielen Buckelwale in der großen Bucht bewundern. Nicht selten sprangen sie aus dem Wasser heraus, oft Baby-Wale, aber auch ausgewachsene Riesen. Was für ein Anblick, wenn sich diese bis zu 15 m langen und bis zu 30 t schweren Riesen in die Luft wuchten, senkrecht oder sogar waagerecht in der Luft liegen und dann mit voller Wucht aufs Wasser platschen. Die riesigen Fontänen, die daraufhin in alle Richtungen spritzten, kann sich sicherlich jeder vorstellen! Wahnsinn!!!
In dem schönen Ort Lahaina entdeckte Travis schließlich sogar einen Pottwal, den er gerne seinem Freund, dem Marabu, nach Hause geschickt hätte. Endlich mal ein Pottwal in Schnabel-gerechter Größe!
Zurück auf Oahu wollte Travis endlich seine Verwandten besuchen, die Geier vom Honolulu Zoo. Er hatte nämlich im Internet gelesen, dass es dort die prachtvollen, bunten Königsgeier und Kappengeier gibt. Den Wunsch konnte ich ihm natürlich nicht ausschlagen, denn wer sieht schon lebende Geier auf Hawaii!?!?
Travis vor der Königsgeier-Voliere. Der Königsgeier versteckt sich oben links auf dem Ast.
Wilde Hunde und Hyänen mag Travis nicht so gerne. Sie fressen ihm viel zu häufig sein Lieblings-Aas weg: Frisches Gnu!
Auch die kleineren Kappengeier begrüßte Travis und plauderte ein wenig mit ihnen, bevor der Rundflug durch den Zoo weiterging. Wenn nur der kleine Geier-Magen nicht so schrecklich knurren würde...
Hinter einer Glasscheibe kam ein riesiges Nilpferd neugierig auf Travis zugeschwommen und wollte mit ihm spielen. Nilpferde und Geier arbeiten in Afrika teils Hand in Hand. Während der großen Tierwanderungen treiben Unmengen toter Tiere in den Flüssen herum. Nilpferde haben Angst vor Verunreinigung ihres Lebensraumes, daher ziehen sie die Tierkadaver aus dem Hauptfluss in kleinere Nebenflüsse oder sogar an Land. Dort können sich die Geier anschließend die Bäuche vollstopfen und der Fluss bleibt sauber!
Völlig verzückt schnupperte Travis an einer tollen Hibiskusblüte. Das wäre genau die richtige Blüte für Sheggy, seine Geierschwester zuhause.
Nach dem Besuch im Zoo flatterten Travis, Conny Condor und der Riesen-Geier gemeinsam zur nächsten Post-Filiale. Traurig aber wahr, ich kann sie einfach nicht die ganze Zeit mitschleppen, da mein Koffer sowieso schon platzt. Glücklicherweise sind der Riesen-Geier und Conny leicht genug, so dass sie in einem großen, wesentlich günstigeren Umschlag auf weite Reise gehen können. Oje, hoffentlich geht das gut!
Bei so viel Zeit draußen unter praller Sonne war Travis' Schnabel ganz schön am Glühen. Umso praktischer, dass wir tatsächlich zwei Coldstone-Filialen hier in Waikiki entdeckt haben! Nicht nur ich liebe dieses Eis, sondern auch Travis tauchte zischend seinen glühenden Schnabel ins Eis und mampfte sich voll. Wenn das mal kein schöner Ausklang von Hawaii ist...
...jetzt kann Travis' Reise um die Welt weitergehen!

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