Mittwoch, 6. Februar 2019

Der Pechvogel des Jahres

Vor 3 Wochen wurde im Zoo Salzburg der Gänsegeier Gypsi ausgewildert, nachdem er über ein Jahr lang in der Eulen- und Greifvogelstation Haringsee (EGS Haringsee) nach einer Bleivergiftung aufgepäppelt worden war. In der Nähe des Salzburger Zoos leben seit den 60er-Jahren wilde Gänsegeier, die sich gerne das für sie im Zoo ausgelegte Aas schmecken lassen. Mit diesen wilden Geiern sollte Gypsi ein fröhliches Leben in freier Natur genießen können.
(c) Barbara Maria Aichner
Jetzt schaffte es der 6 Jahre junge Gypsi erneut in die Nachrichten, aber leider auf tragische Weise: Er landete am Samstag im Jaguargehege des Salzburger Zoos und überlebte das Aufeinandertreffen mit der kräftigen Raubkatze nicht :-(
Vermutlich wurde der Pechvogel von einer starken Windböe erfasst und suchte sich daraufhin den falschen Landeplatz aus. Der Jaguar ließ ihm anschließend leider keine Chance.
Einfach nur traurig, wenn ich bedenke, was der Arme in seinem viel zu kurzen Leben bisher alles durchgemacht hat. Eine kleine Zusammenfassung findet ihr hier.

Montag, 4. Februar 2019

Geiermassenvergiftung in Kenia

Traurige Nachricht aus Nairobi, Kenia:
Am Morgen des 27.01.2019 entdeckte ein Wildlife Ranger auf einer Routinekontrolle entlang der nördlichen Grenze der Maasai Mara, als er eine Gruppe Geier entdeckte, die offensichtlich Probleme hatten sich in der Luft zu halten. Alarmiert folgte er ihnen und entdeckte schon bald 20 tote Geier in unmittelbarer Nähe eines Hyänen-Kadavers, allesamt stark bedrohte Ohrengeier und Sperbergeier. Außerdem entdeckte er sechs weitere Geier, die sich in einem kritischen Zustand befanden.
Der Ranger behielt trotz dieser Tragödie einen kühlen Kopf und handelte sofort. Dank eines Aktionsplanes zum Umgang mit Giftvorfällen, der im vergangenen Jahr in einer Zusammenarbeit von BirdLife-Partnern und anderen Kenianischen Naturschutzorganisationen erstellt worden war ("Kenya's Rapid Response Poisoning Protocol"), wusste er genau, was zu tun war, um weitere Geier-Giftopfer zu verhindern. Umgehend forderte er Unterstützung des Kenya Wildlife Services und des Kenya Bird of Prey Trusts an, die am Unglücksort erschienen, um die verletzten Geier und forensische Proben einzusammeln. Sie wurden unterstützt von Einheimischen, die ebenfalls in dem Aktionsplan unterrichtet waren.
Da die Hyäne noch nicht vollständig gefressen war, hätten viele weitere Geier und andere Tiere von dem kontaminierten Fleisch fressen können, wenn sie nicht zeitnah entdeckt und entsorgt worden wäre. Um die Gegend zu dekontaminieren, wurden die Hyäne sowie alle vergifteten Geier verbrannt. Von den sechs erkrankten Geiern konnten vier bereits aufgepäppelt und wieder freigelassen werden. Die beiden anderen stehen weiterhin unter Beobachtung durch Tierärzte des Kenya Wildlife Service.
Der Direktor des Kenya Bird of Prey Trusts ist sich sicher, dass leicht über 100 Geier gestorben wären, wenn die Massenvergiftung nicht entdeckt worden wäre. Der Aktionsplan und dessen Training konnten erfolgreich angewendet werden, um eine noch größere Tragödie zu vermeiden.
Ursache für das Geiersterben war vermutlich eine alt bekannte Wechselwirkung: Farmer hatten offenbar illegale Giftköder ausgelegt, um ihre Nutztiere vor Raubtieren zu schützen. Vielleicht hatten sie auch die Hyäne selber getötet und anschließend vergiftet, um weitere Raubkatzen zu erwischen. Leider passiert es immer wieder, dass hungrige Geier von den Giftködern fressen und dann unschuldige Opfer werden. Um den Farmern diese Wechselwirkung zu erklären, gibt es viele Aufklärungskampagnen in Kenya. Auch das Kenya Rapid Response Poisoning Protocol wurde flächendeckend unterrichtet, damit möglichst viele Ranger, Naturschützer und Farmer bei einem Giftvorfall möglichst schnell helfen können.
Der aktuelle traurige Vorfall zeigt, dass die Ursache zwar noch nicht von der Bildfläche verschwunden ist, aber immerhin verbessert sich die Reaktionszeit zum Vorteil der möglichen Geieropfer. Am besten wäre es allerdings, wenn gar kein Gift mehr verwendet werden würde!

Samstag, 19. Januar 2019

Wo sind die ausquartierten Gänsegeier?

Bin ich tatsächlich seit dem Artenschutztag Ende August 2018 nicht mehr im Zoo Duisburg gewesen? Wow, das ist lang!
Am Gänsegeier-Gehege angekommen, hielten sich Papageier (rechts) und seine Dame (links)  nahe ihres Nestes auf. Mamageier machte einige Stretch-Übungen und flatterte kurz danach auf einen Baumstamm.
Während ich die Geier beobachtete, drängte sich ein toller Marabu mit flatternden Flügeln ins Bild.
Papageier hatten einen prall gefüllten Kropf und hockte sich eine Weile ins Gras.
Nachdem ich eine kurze Runde zu den Koalas gedreht hatte, kam ich genau in dem Moment zurück zu den Geiern, als Mamageier den Baumstamm verlassen hatte und Richtung Nest lief.
Gemeinsam rückten beide Geier ein paar Stöckchen zurecht und bauten ihr Nest weiter aus.
Marabus bei der Gefiederpflege.
Ein paar nervige Perlhühner in Reih' und Glied...
...und irgendwie recht sympathisch.
Angeber.
Von der anderen Seite des Geheges aus konnte ich beobachten, wie Mamageier liebevoll an der Halskrause von Papageier knabberte.
Die ganze Zeit hatte er dabei diesen verliebten Blick im Gesicht, so dass klar war, das er jeden Moment seine Liebste begatten würde.
Ich behielt Recht, denn wenige Augenblicke später hüpfte er auf den Rücken seiner Partnerin und kopulierte mit ihr.
Hoffentlich legen die beiden bald ein Ei - dann werden meine Besuche bestimmt auch wieder häufiger.
Eine traurige Überraschung erwartete mich am Gehege der Ausquartierten. Ein neues Schild besagte, dass die Anlage wegen Umgestaltungsmaßnahmen vorübergehend nicht besetzt ist.
Da auf dem neuen Schild ein nistender Gänsegeier abgebildet war, dachte ich erst die Geier seien vielleicht nur kurzzeitig hinter den Kulissen. Allerdings würde dies mitten in der Brutsaison keinen Sinn machen, da die Geier dann vielleicht ein Ei in ihrer Übergangsunterkunft legen, wie damals im Vogelgrippe-Winter. Der Verdacht lag also nahe, dass die beiden Gänsegeier den Zoo verlassen haben, was mir eine nette Zoo-Mitarbeiterin kurze Zeit später bestätigte.
Ein Bekannter teilte mir mit, dass die beiden Gänsegeier an den Opel-Zoo in Konberg im Taunus abgegeben worden sind. Ende 2017 bin ich dort einmal gewesen und hatte zwei Marabus entdeckt, aber keine Geier. Auf der Webseite des Zoos entdeckte ich einen ausführlichen Bericht, dass Ende Dezember 2018 zwei fluginvalide Gänsegeier dort eingezogen sind, die ursprünglich aus einer spanischen Auffangstation stammen. Das klingt sehr deutlich nach den beiden Gänsegeiern aus dem Zoo Duisburg, auch wenn mir der Opel-Zoo dies leider auf meine Anfrage hin noch nicht bestätigt hat. Vielleicht bekomme ich ja noch eine Antwort. Ich kann mir auch vorstellen die beiden einfach mal besuchen zu gehen, vielleicht erkenne ich sie wieder.
In jedem Fall finde ich den Hinweis auf der Webseite klasse, dass bei erfolgreicher Zucht die Junggeier an Auswilderungsprogramme abgegeben werden können. Das ist in jedem Fall besser, als sie einfach nur an andere Zoos weiterzureichen!

Mittwoch, 16. Januar 2019

Zurück in die Freiheit

Im November 2017 wurde der Gänsegeier Gypsi geschwächt in Slowenien gefunden und von einem Mitarbeiter der Eulen- und Greifvogelstation Haringsee (EGS Haringsee) nach Österreich gebracht, nachdem er vermutlich von einem Kadaver mit Bleifragmenten gefuttert hatte. Weil Geier dies nicht vertragen, litt der Arme unter einer Bleivergiftung und hätte dies alleine nicht mehr überlebt. Zuvor war der Geier bereits in Deutschland in menschlicher Obhut gewesen und dort mit einem GPS-Sender ausgestattet wieder ausgewildert worden.
Nach über einem Jahr toller Pflege verließ Gypsi nun die EGS Haringsee und trat seine Reise zum Zoo Salzburg an, wo er nun endlich wieder freigelassen werden sollte. In den Felsen rund um den Salzburger Zoo leben seit vielen Jahren einige wilde Gänsegeier, die im Zoo zusätzlich mit Futter versorgt werden. Um die wilden Geier mit eigenen Augen zu sehen, war ich im August 2012 extra dort hingefahren und wirklich begeistert.
Heute begleitete meine Bekannte und tolle Unterstützerin der EGS Haringsee, Barbara Maria Aichner, die Auswilderung von Gypsi und stellte mir netterweise die folgenden schönen Fotos zur Verfügung.
Nachdem der Geier in seiner Voliere in Haringsee eingefangen wurde, ging es in einer Transportbox nach Salzburg, wo er im Zoo freigelassen wurde.
Der erste Schritt in die Freiheit.
Zur Motivation waren ihm einige saftige Aasbrocken hingelegt worden, damit er sich nach der Anreise stärken konnte.
In einem Bericht las ich, dass er 6 Jahre alt ist. Seine Halskrause ist noch immer schön braun und federig. Wenn der Geier älter wird, färbt sich die Halskrause weiß und wird ganz flauschig.
Offenbar ist die Freiheit besser als das Aas, denn er lief sofort einige Schritte an den Fleischbrocken vorbei.
Kurze Kräftigung der Flügel...
...und schon schwang er sich glücklich in die Lüfte.
Die erste Landung in Freiheit verlief etwas unsanft, als es ihm nicht gelang schnell an Höhe zu gewinnen.
Er schaffte es einen Weg aus dem Dickicht zu finden und setzte seinen Flug fort.
Als er schließlich Höhe gewann und einige Runden über dem Zo drehte, wurde er von einer Eskorte begleitet bzw. neugierig begrüßt.
Bald schloss sich ihm ein zweiter wilder Geier an und gemeinsam segelten sie von dannen.
Pass gut auf dich auf, du wunderschönes Tier!!!
alle Bilder © Barbara Maria Aichner, 2019

Mittwoch, 9. Januar 2019

Manche mögen Grillfleisch lieber roh

Heute früh überraschte mich ein witziger Zeitungsartikel auf meinem Schreibtisch:
In einem Vorort von Santiago de Chile sind zwei prachtvolle Andenkondore im Garten einer Familie gelandet, um spontan eine Grillparty zu crashen. Die Familie hatte ihr Grillfleisch zum Auftauen in den Garten gelegt und die hungrigen Andenkondore interpretierten dies vermutlich als Einladung. Sie segelten herab und machten sich gierig über das Grillfleisch her. Hierbei bevorzugen Andenkondore das Fleisch natürlich roh statt gegrillt. Ein Video der ungebetenen Gäste findet ihr hier.
Mit gut 3,50 m Spannweite und bis zu 15 kg Gewicht sind Andenkondore die größten flugfähigen Vögel der Welt. Der Albatross ist mit knapp 3,70 m Spannweite zwar etwas größer, wiegt aber deutlich weniger.

Sonntag, 6. Januar 2019

Und wieder ein Abschied von VulPro

Nach dem gestrigen Highlight, als wir drei Kapgeier in die Freiheit entlassen konnten, fiel mir der Abschied von VulPro ein klein wenig leichter. Es ist immer schön mit einem Erfolgserlebnis zu gehen, statt sich unvollständig zu fühlen.
Leider sind aber noch viele Kapgeier und Weißrückengeier in den Hospital Camps, die auch weiterhin gepflegt werden müssen. Und weitere Patienten sind auf dem Weg zu VulPro.
Heute startete Kerri einen Aufruf auf Facebook, dass sie dringend Unterstützung von Tierärzten und erfahrenen Tierpflegern der Umgebung braucht, weil die vielen verletzten Geier viel mehr Zeit und Pflege brauchen, als wir alle zusammen stemmen können. Hoffentlich melden sich viele freiwillige Helfer!
Der Abschied von meinem kleinen Kappengeier-Schützling fällt mir sehr schwer. Mittlerweile wurde das Nest aus seiner Box entfernt und nach draußen gelegt, so dass er wieder einen trockenen Ort hat, an den er sich problemlos zurückziehen kann.
Ich drücke ihm die Daumen, dass er auch weiterhin fleißig trainiert und bald wieder topfit auf den Beinen ist.
Wilder Kapgeier im Überflug.
Abschied vom Rabengeier...
...und Königsgeier!
Natürlich nicht, ohne dem Königsgeier heute am Tag der "Heiligen drei Könige" ausgiebig zu huldigen! ;-)
Die Ohrengeier-Pärchen werden mir alle sehr fehlen und ich freue mich schon darauf sie hoffentlich dieses Jahr noch einmal wieder zu sehen.
Die Palmgeier mögen offenbar keine Abschiede und versteckten sich im Schatten ihres Baumes.
Machts gut, Krüppelgeier. Ich hoffe es finden sich ein paar weitere Paare unter den Fluginvaliden, bevor die Brutsaison in einigen Monaten startet.
 Die Andenkondore nahmen ebenfalls keine große Notiz von mir, als ich auf meiner Abschiedsrunde an ihrer Voliere vorbeischaute. Vermutlich wissen sie ganz genau, dass wir uns sowieso wiedersehen werden. Außerdem bleibt es am Abschiedstag selten bei einer einzigen Abschiedsrunde!
Heute bekam ein weiterer Patient seine letzte Behandlung und wurde anschließend auf dem Gelände von VulPro freigelassen.
Viel Erfolg, schönes Tier!
Behandlung eines Ohrengeiers.
Fütterung eines unserer Neuzugänge des Tages.
Schwer verletzte Patienten im Ruheraum.
Ein letztes Mal Aas-Reste aus den Volieren entfernen. Ich werde sogar den Aasgeruch vermissen!
Mittagspause unterm Baume.
Abkühlung im Geierpool.
Wie mir die vielen Geier fehlen werden!!!
"Aaaaaaauf Wiedersehen!"
Abschiedsrunde vom Wollkopfgeier.
Hoffentlich starten alle Kapgeier-Brutpaare in eine erfolgreiche Brutsaison und setzen fleißig Küken in die Welt.
Ein Abschied von VulPro ist niemals leicht und ich weiß jetzt schon, dass mir die ersten Wochen zurück in der Heimat sehr schwerfallen werden: Geierentzug, kein Arbeiten unter freiem Himmel mehr und meine Freunde fast 9000 km entfernt. Aber ich bin sehr dankbar für wunderbare Momente und Erfolgserlebnisse unter Geiern und dass ich viel Zeit mit tollen Menschen verbringen konnte! Danke, VulPro!!!