Freitag, 4. Januar 2019

Liebe geht durch den Magen

Natürlich bekamen heute auch die Ohrengeier und Wollkopfgeier von VulPro ihren Anteil vom Aas. Allerdings wurde der beste Platz am Aas ordentlich umkämpft. Faszinierend, wie der deutlich kleinere Wollkopfgeier (rechts) auf den großen Ohrengeier (links) losging.
Erstmal erwischte ich den Ohrengeier beim genüsslichen Aas hack und Hautfetzen reiß.
Wenig später war der Wollkopfgeier an der Reihe, der lieber am Aas herumknabberte, statt die Haut zu reißen.
Als sich der Ohrengeier von hinten näherte, gab es wieder einen kleinen Kampf.
Danach suchte der Ohrengeier lieber das Weite und gönnte sich ein paar kräftige Schlucke Wasser.
Der Wollkopfgeier fraß indes weiter.
Irgendwann machte er dann den Abflug...
… und rieb sich den Schnabel an einem Sitzast sauber.
Sonnenbaden mit vollem Kropf.
Diese Gelegenheit ließ sich der Ohrengeier nicht nehmen und eilte schnell zurück zum Aas.
Nebenbei beobachtete ich auch das verliebte Ohrengeier-Pärchen in der Voliere nebenan.
Zunächst war nur ein Geier am Fressen, während der andere Flugübungen machte.
Wie bezirzen sich Geier am Besten? Natürlich mit dem Heranschleppen von Nistmaterial.
Dieser Trick klappt immer und schon bald flogen die Funken zwischen den beiden Verliebten. Ohrengeier drehen beim Flirten halb den Hals sowie die Schnäbel umeinander, so dass es aussieht als würden sie sich schräg von der Seite anhimmeln. Total niedlich!
Schnabelküsschen.
"Meine Liebe, nimm du das saftige Fleischbröckchen!" "Nein, Schatz, nimm du es!" "Ach nein, bitte, es gehört dir!" Liebe geht durch den Magen... oder besser gesagt durch den Kropf.
Bei diesem Anblick werde ich richtig neidisch! ;-)
Die beiden Ohrengeier sind einfach das knuffigste Geierpaar von allen hier!


Nach einem langen Tag und in Aussicht auf den nahenden Abschied, genossen Kerri und ich heute bei wunderschönem Abendlicht die Geiervolieren ganz stilecht mit einem Gläschen Amarula. Es ist einfach herrlich, wenn nach Feierabend der Trubel vorbei ist, Ruhe in den Volieren einkehrt und bei schönem Licht die ganze Landschaft richtig friedlich erscheint. Dazu ein paar witzige Geiermomente und Anekdoten über die bisherigen 11 Besuche bei VulPro... ein toller Ausklang eines spannenden Tages!!!

Endlich wieder eine Ration Aas

Der heutige Tag bei VulPro begann mit einer ausführlichen Untersuchung der vielen Neuzugänge von gestern. Weil die sieben Kapgeier und der junge Weißrückengeier erst recht spät bei VulPro eingetroffen waren, hatten wir sie abends nur flüchtig beringt, grob auf äußere Verletzungen gecheckt und mit Puder gegen die Parasiten im Gefieder versorgt. Außerdem bekamen sie Wasser eingetrichtert und hufenweise Aasfetzen. Heute früh bewerteten wir nun von jedem Geier den Gesamtzustand und versorgten die Geier erneut mit Flüssigkeit und Aas.
Als wir morgens eine neue Kuh geliefert bekamen, wollten wir weitere Tiefkühlboxen mit frischen Fleisch für die vielen Patientengeier füllen. Überraschenderweise war richtig viel Fleisch an dem recht kleinen Tier vorhanden, so dass schon bald alle Boxen gefüllt waren. In jedes der drei Hospital Camps mit den verletzten Geiern ging ein Bein. Den Rest der Kuh teilten wir zwischen der Großvoliere (Kopf) und offener Voliere (Körper) auf.
In der offenen Voliere zögerten die Geier überraschend lang, bevor sie mit dem Fressen anfingen. So lange konnte ich leider nicht warten.
In der Großvoliere fielen die Geier sofort gierig über den Kuhkopf her. Eigentlich war nur noch ein Riesenhaufen Geier zu sehen, aber nicht das Objekt der Begierde.
Gierig wurde der Kopf kreuz und quer durch die Voliere gezerrt und dutzende Geier rannten fleißig hinterher.
Hier will doch nicht etwa jemand dem Bartgeier Konkurrenz machen?
Kurze Zeit später wurde eine große Ladung Schweine-Aas in allen Größen vorbeigebracht. Weil die Kühlkammer noch immer nicht funktioniert, teilten wir alles fair über die Volieren auf. Arme Geier, sie fraßen so gierig, als hätten sie seit Wochen Hunger leiden müssen - was natürlich totaler Quatsch ist. Die Weißrückengeier bekamen direkt zwei große Schweine serviert.
Interessanterweise wollten sich die meisten Geier nach dem Gaumenschmauß gar nicht das Gefieder bzw. den Kopf waschen, wie sie es normalerweise machen. Auch Stunden später hatten einige Geier noch einen blutverschmierten Kopf.
Andere hingegen gönnten sich ein Bad...
… und sahen schon bald wieder sauber und gepflegt aus.
Wir hatten vor lauter Arbeit mal wieder kaum eine Verschnaufpause, aber irgendwann konnte ich mich 15 Minuten ins Beobachtungshaus für das Geierrestaurant abseilen. Zwischendurch hatten nach knapp zwei Wochen wieder gut 100 Geier dort gefressen, aber durch das Füttern der Volieren waren sie zwischenzeitlich aufgeschreckt worden. Als ich kurz vor der Mittagspause hingegangen bin, waren ca. 50 wilde Geier am Fressen und bestimmt nochmal genauso viele saßen weiter hinten auf der Wiese.
Geier mit Flügelmarkierung oder Ring um die Kralle konnte ich kaum ausfindig machen.
Ich bin ja schon froh, dass ich vor meiner Abreise überhaupt noch Geier im Geierrestaurant habe fressen sehen.
Süßer Laaanghals.
Angriffspose.
Leider wurden auch diesmal die Geier durch irgendetwas aufgeschreckt und kamen danach nur noch vereinzelt wieder. Aber besser 15 Minuten als gar nichts!
Der Andenkondor-Mann schlängelte nach seinem Mittagssnack seinen Langen Hals durch das Gras. Dabei drehte er den Kopf in alle Richtungen. Auf diese Art und Weise reinigen sich Geier nach einem blutigen Futter Hals und Kopf.
Alles wieder schön sauber bei Herrn Andenkondor.
Königsgeier.
Rabengeier.
Kappengeier.
Palmgeier.