Sonntag, 14. Oktober 2018

Hungerattacke nach dem Regen

Als der Regen heute endlich nachließ, konnte ich die Geier von VulPro nochmal in Ruhe betrachten, wie sie ihre riesigen Schwingen zum Trocknen ausbreiteten. Hier auf den Bildern die vielen Kapgeier in der Großvoliere.
Der Schreiseeadler schien nach dem Regen noch immer nicht genug vom Wasser zu haben, denn er gönnte sich erstmal ein schönes Bad.
Die beiden Weißrückengeier-Zwillinge wirkten ziemlich betröppelt und hungrig.
Glubsch.
Insgesamt schien der starke Regen den Geiern gut auf den Magen geschlagen zu sein, denn in jeder Voliere schienen die Geier fast zu verhungern. Dabei sind sie wohl genährt und fast schon zu fett! Dennoch knabberten die Ohrengeier & Co an jedem Rest-Knöchelchen in der Voliere herum und suchten verzweifelt nach kleinen Häppchen.
Andere Geier ruhten sich erstmal aus.
Die Wollkopfgeier durchsuchten ihre Voliere synchron nach Aasfetzen, wurden aber kaum fündig.
Sogar die Palmgeier konnte ich mit kleinen Knochen im Schnabel entdecken, die sie gierig zu zerlegen versuchten.
Das Weißrückengeier-Küken in der Brutvoliere hatte sich in einer ziemlich merkwürdigen Pose ins Nest gebeugt und versuchte gleichzeitig etwas Aasbrei zu erbeuten.
So sehr sich der Elterngeier mit dem Hochwürgen auch bemühte, es kam nicht mehr viel Aasbrei raus für das Küken.
Am späten Nachmittag zeigte Kerri sich einsichtig und gab das Aas für die beiden Brutvolieren sowie die offenen Voliere frei.
Die Weißrückengeier konnten ihr Glück kaum fassen und fielen gierig über die Schweine her.
Die Kapgeier in der Großvoliere schnatterten freudig-aufgeregt, als sie unsere Schubkarre hörten. Leider mussten wir ihnen das Herz brechen und an ihnen vorbei zur offenen Voliere fahren. Morgen früh kommt ein Filmteam vorbei, das einige Aufnahmen vom Fressverhalten von Geiern machen möchte. Daher müssen einzelne Volieren hungrig bleiben, um möglichst gute Filmaufnahmen zu bieten.
Die Geier in der offenen Voliere waren hingegen ganz entzückt, als wir eine Schubkarre mit einer Ziege in ihre Voliere fuhren.
Kurz abwarten, bis die Haut der Ziege von Livingston aufgeschnitten wurde...
...und rein mit dem Schnabel ins Aas!
Tauziehen mit den Innereien.
Genüssliches Aas hack!
Die Zwillingen wirkten etwas verschüchtert, als ihre Ziehmutter zum Aas rannte, um sich den Kropf vollzuschlingen.
Aber schnell kam sie zurück und fütterte beide hungrigen Schnäbel gleichzeitig mit lecker Aasbrei!
Ich hatte bisher noch nie gesehen, wie eine Geierfütterungen von Zwillingen aussieht. Beide Geierküken schnäbelten gleichzeitig in Muttergeiers Schnabel mit dem Aasbrei herum. Ich hatte ja irgendwie gedacht, dass sie eher ein Küken nach dem nächsten füttern würde. Ein wirklich intimer, schöner Anblick!
So nötig wir den Regen hier auch haben, ich würde mich sehr über ein paar sonnige Tage freuen. Schließlich bricht morgen bereits meine letzte Woche an.

Patschnasses Federvieh

Nachdem es die ganze Nacht durchgeregnet hatte, wollte es auch heute früh einfach nicht aufhören. Außerdem war es richtig kalt geworden. Auf dem Weg zum Bad versank ich halb in den Riesenpfützen, freute mich aber riesig über das Wiedersehen mit Stefan! Ihn und seine damalige Freundin Ulla hatte ich 2012 bei meinem ersten Besuch bei VulPro kennengelernt. Seitdem hatten wir zwar sporadisch Facebook-Kontakt, aber ein Wiedersehen bei VulPro ist natürlich viel, viel besser! Leider ist Stefan aber nur eine Nacht geblieben und heute früh direkt weiter Richtung Botswana gefahren.
Nach einer kurzen Runde durch den Regen zu den Geiern, wollten wir uns bei einer Tasse Kaffee in der Volunteer-Küche aufwärmen. Leider kam genau in dem Moment ein heftiger Platzregen runter, so dass wir hoffnungslos in der Küche festhingen. Wir mussten mit ansehen, wie das Wasser vor der Tür höher und höher stieg und langsam über die Schwelle in die Küche lief. Wir hatten schon John eine Nachricht nach nebenan geschickt, ob er uns mit einem Boot abholt - aber praktischerweise rannte Walter durch den Regen und zog den verstopften Deckel aus dem Abfluss neben der Küche. In wenigen Augenblicken war das Wasser abgelaufen und wir konnten uns schnell ins Haus retten.


Bei dem Regen konnten wir bei den Geiern nicht viel aushelfen, auch die Gartenarbeit fiel natürlich aus. Jen und ich halfen kurz in den Ställen mit und räumten die doch recht ordentliche Garage auf. Aber danach war entspannen angesagt. Weil in der Vergangenheit jedoch hin und wieder unschöne Geierprobleme bei solchen Unwettern aufgetaucht sind, drehte ich in jeder Regenpause schnell eine Runde um die Geiervolieren, nur um dann doch wieder mitten im Regen zu stehen.
Die Ohrengeier und Wollkopfgeier sahen nicht anders aus, als erwartet: Patschnass mit gerümpftem Schnabel.
Immer, wenn das Gefieder halbwegs trocken geflattert war, kam der nächste Schauer runter. Sowas macht keinen Spaß!
Wie gut, dass die Wunde unseres Ohrengeier-Patienten gut verheilt ist und der Regen nicht mehr schaden kann.
Dieser zerfurchte Schnabel hat schon viel erlebt. Da macht ein bisschen Regen sicherlich nicht viel aus.
Ohrengeier mit ausgebreiteten Flügeln. Auch bei nassem Gefieder ein toller Anblick!
Das Kapgeierküken in der Brutvoliere wirkte ziemlich hutzelig. In einer Felsnische oder unter einem Überhang wäre es trockener geblieben.
Das ganze Gelände von VulPro kann sich nicht über zu wenig Wasser beklagen. Einige Volieren sind sogar halb abgesoffen.
Missmutige Geier warten auf die Sonne. Oder zumindest auf eine Regenpause.
Auf der Jagd nach einem schönen Portrait eines nassen Geiers hatte ich keine Ahnung, dass dieser Hübsche hier jeden Moment seinen Schnabel aufreißen würde. Eindeutig eines meiner besten Geierbilder aller Zeiten!!!
Bei manchen Bildern weiß man einfach sofort, dass sie unvergessen bleiben werden!!!
Sorry, Ohrengeier, da kannst du leider nicht ganz mithalten. Trotzdem bist du ein sehr hübscher!
Die Palmgeier sind unter ihrem Schattennetz nur dürftig vor dem Regen geschützt und hatten sich auf ihren Baum zurückgezogen.
Die Kapgeier und Weißrückengeier in der offenen Voliere kauerten dicht beieinander und warteten den Regen ab.
Auch der Königsgeier breitete immer wieder seine herrlichen Flügel aus, um den Regen im Wind  oder durch Flügelschlagen aus seinen Federn abperlen zu lassen.
Später hockte er sich wie ein beleidigtes, nasses Huhn auf eine Sitzstange.
Der kleine Rabengeier hingegen ignorierte den Regen völlig und wollte spielen.
Als es so schien, als würde die Sonne jeden Moment durch die dicken Wolken brechen, breiteten alle Geier in der Weißrückengeier-Brutvoliere ihre Flügel aus. Allerdings ließ sich die Sonne nicht mehr blicken.
Das Küken schien wenig begeistert und kauerte am Rande seines großen Nestes.
Flügeltrocknen ist ebenfalls angesagt bei den Geiern im Hospital Camp.