Freitag, 22. Mai 2020

Berlebecks Kappengeier & Co

Während ich den Tag in der Adlerwarte Berlebeck verbrachte, fanden zwei Flugshows statt. Neben anderen Greifvögeln nahmen auch Geier dran teil. Jetzt bin ich definitiv kein Freund davon Vögel welcher Art auch immer für Flugshows zu dressieren, sondern schaue mir lieber das Verhalten der Vögel in freier Natur an. Aber dennoch sah ich mir die Flugshows an, bei denen viele interessante Fakten über die einzelnen Tiere erklärt wurden. Den Besuchern ist eindeutig anzusehen, dass sie solche Informationen viel eher aufnehmen, wenn sie die Tiere vor sich in Aktion erleben, als wenn sie nur auf einer Sitzstange im Gehege hocken. Daher hoffe ich, dass die Flugshows wirklich zur Aufklärungsarbeit über bedrohte Tierarten beitragen.
Stars der Flugshow waren eindeutig die drei süßen Kappengeier, die kreuz und quer durch die Leute flatterten, auf Köpfen landeten oder zwischen den Beinen der Besucher rumflitzten.
Den Anblick dieser Geierart genoss ich umso mehr, nachdem ich in den letzten Monaten die schrecklichen Ereignisse im westafrikanischen Guinea-Bissau verfolgt hatte, wo zwischen Dezember und März über 2.000 Kappengeier gestorben sind. Die Ursache wird derzeit noch untersucht, aber gezielte Vergiftung liegt nahe. Vielen Geiern fehlten der Kopf oder andere Körperteile, was auf illegalen Handel im Rahmen traditioneller Medizin hindeutet. Mehr traurige Details dazu findet ihr natürlich hier im Geierblog.
Falkner Christian Weigert, der mich auch den Rabengeierküken vorgestellt hatte.
An der Flugshow nahm auch ein Gelbkopfgeier teil. Gelbkopfgeier leben in Mittel- und Südamerika und ich habe bisher nur sehr selten mal ein Exemplar in einem Zoo gesehen. Dieser hier hatte offenbar keine Lust auf die Flugshow, denn er hielt sich nur im Hintergrund auf und flog schnell wieder in sein Gehege zurück.
Auch ein Palmgeier drehte ein paar Runden für die Zuschauer. Palmgeier ernähren sich vorwiegend vegetarisch und gehören damit zu den Exoten unter den Geiern.
Er hat sogar ein richtig lautes Stimmorgan, das er stolz vorführte.

Weitere Geier in der Adlerwarte Berlebeck

Neben den flauschigen Rabengeierküken besuchte ich natürlich auch die anderen Geier, die in der Adlerwarte Berlebeck leben.
Da ist zum einen ein süßer Wollkopfgeier, der vor Kurzem große Probleme mit seinem Gefieder hatte und derzeit nicht fliegen kann. Daher kann er noch eine Weile frei auf einer Wiese herumlaufen, ohne dass Gefahr eines Fluchtversuches besteht.
In einer Voliere entdeckte ich einen fluffigen Mönchsgeier, der sich allerdings die ganze Zeit im hinteren Teil der Voliere hinter eine Holzwand versteckte.
Es gab zwei Schmutzgeier mit tollen Haarfrisuren, die so typisch für diese Geierart sind.
In einem weiteren Gehege leben ein Sperbergeier (links) und ein Weißrückengeier (rechts) zusammen. Die beiden mögen sich so sehr, dass sie bereits ein Ei gelegt haben. Das Ei war sogar befruchtet. Ob es den beiden wohl in der nächsten Saison gelingt ein gemeinsames Ei auszubrüten und erstmalig ein Küken großzuziehen?
Es sieht zwar nach Brüten aus, aber für diese beiden ist die Brutsaison 2020 vorbei.
Sperbergeier unterscheiden sich von ähnlichen Geierarten durch das tolle gescheckte Muster im Gefieder. Sie halten übrigens den Höhenflugrekord im Tierreich, nachdem ein Exemplar im Luftraum über der Elfenbeinküste in über 11.000 m Höhe mit einem Flugzeug kollidiert war. So hoch ist nachweislich noch kein anderer Vogel geflogen!
Ein männlicher Andenkondor, leicht zu erkennen am fleischigen Kamm auf dem Kopf.
Ein Weibchen gab es zwar auch, aber es hielt sich im Dunkeln der Voliere auf, so dass ich nur Fotos von ihrem männlichen Partner machen konnte. Er ist aber auch eine stattliche Erscheinung!
Zwar kein Geier, aber immer wieder ein gern gesehener Ehrengast in meinem Geierblog: Ein Sekretär.
An der Flugshow nahmen zudem noch ein Gelbkopfgeier, ein Palmgeier und drei Kappengeier teil.