Mittwoch, 26. Juli 2017

Ein ganz normaler Tag...

Eigentlich war heute ein ganz normaler Tag bei VulPro. Vögel füttern, Aas fitzeln, wilde Geier im Geierrestaurant beobachten, bei den Küken nach dem Rechten sehen, Patientengeier versorgen und Geierpools schrubben. Das Leben kann so hart sein ;-) Jeder Moment ist etwas Besonders und es gibt immer wieder etwas Neues zu entdecken. Wir zum Beispiel dieser Weißrückengeier, der früh morgens selig vor dem ausgelegten, abgenagte Kuhbein von gestern saß, als hätte er die ganze Nacht durchgefuttert - was nicht der Fall war, da sein Kropf ziemlich leer ist.
Heute wurden die beiden "bumble foot" Kapgeier erneut versorgt. Dafür legte Kerri allerhand Medikamente und Hilfsmittel parat, damit die eingespielte Prozedur für die Geier möglichst schnell vonstatten geht.
Zunächst muss der Geier natürlich eingefangen werden.
Danach wird seine geschundene Kralle mit dem Desinfektionsmittel "F10" eingesprüht und mit einer Zahnbürste geschrubbt. Ziel ist es die wunde Kralle möglichst sauber zu bürsten und gleichzeitig "aufzurauen", damit das Desinfektionsmittel besser in die Haut eindringen kann. Anschließend kommt noch eine Wundsalbe auf die Kralle...
...bevor die Kralle mit Watte gestützt und mit elastischem Klebeband fixiert wird.
So sieht die eingepackte Geierkralle hinterher aus. Auf diese Weise kann sie hoffentlich etwas entlastet und dem Geier einige Schmerzen erspart bleiben.
Auf Geier Nr.2, der besonders schlimm betroffen ist, wurde heute erstmalig versorgt.
Hier ist nochmal ganz deutlich die fette Schwellung an der Kralle zu erkennen, die einem großen Tumor ähnelt.
Auch hier gab es die gleiche Behandlung wie bei seinem Kollegen.
Alle Hoffnungen ruhen nun auf dem Tierarzt, der die beiden Geier Ende Juli behandeln wird. Hoffentlich kann er ihnen helfen.
Mit dem Reinigen der Geierpools gehen die Geier unterschiedlich um. In der Gemeinschaftsvoliere flatterten die Ohrengeier...
...und die Palmgeier in luftige Höhe auf ihren Baum und beobachteten das Geschehen aus sicherer Höhe.
Die Weißrückengeier waren ganz entspannt, hielten jedoch Abstand. So konnte ich hin und wieder das süße Küken in seinem Nest beobachten und feststellen, dass die Geiereltern heute einen richtig guten Job in Sachen Füttern machten!
Erst beim Auffüllen des Geierpools mit frischem Wasser kam ein vorwitziger Geier näher und wollte sich durch den Zaun mein Putzzeug schnappen.
Zu den Andenkondoren traue ich mich selber nicht rein, weil das Männchen seit Jahren sehr aggressiv ist. Bei Obert verhalten sie sich jedoch eher wie handzahme Wellensittiche und halten respektvoll Abstand.
Der Andenkondor-Mann genehmigte sich einen Snack vom Stinkeferkel...
...und Madame sonnte sich auf dem Geierfelsen.
Nebenan bei den Black Eagles passiert normalerweise nicht sonderlich viel. So pfeifen und schreien höchstens mal aufgeregt herum, wenn ihnen irgendetwas nicht geheuer erscheint.
Ich mag die neue Weißrückengeier-Voliere sehr, weil diese Geierart hier richtig gut zur Geltung kommt. Früher waren sie mit den Kapgeiern vermischt und obwohl ich den Unterschied leicht erkenne, haben sich meistens die Kapgeier durch besonderes Verhalten auf die Fotos gedrängt. Hier habe ich aber nun Gelegenheit ihr Verhalten ohne Ablenkung durch andere zu studieren.
Beim Sonnenbaden wird sehr schnell klar, woher die Weißrückengeier ihren Namen haben. Natürlich von dem hier sehr gut sichtbaren weißen Rücken. Beim Sitzen oder im Flug ist dieser nicht zu sehen.
Leider darf man nicht vergessen, dass in dieser Voliere auch Krüppelgeier leben, die nur einen Flügel oder sonstige Verletzungen haben, die eine Auswilderung unmöglich machen. Ein Geier mit nur einem Flügel ist ein trauriger Anblick. Vor allem, wenn der Geier vergisst, dass er nur noch einen Flügel hat, und losfliegen möchte. Nicht selten legen die Geier dabei eine unsanfte Bruchlandung hin und überschlagen sich, bevor sie das Gleichgewicht mühsam wiederfinden.
Trotzdem bekommen sie hier die Möglichkeit sich zu verlieben und ein möglichst Geier-würdiges Leben zu führen. Was wir für sie tun können, machen wir ohne zu zögern, denn nur glückliche Geier zeugen Nachwuchs, der für den Erhalt ihrer Art ausgewildert werden kann. In freier Natur wären all diese Krüppelgeier längst gestorben und hätten nie die Chance gehabt Nachwuchs großzuziehen.
In der Großvoliere sind die Geier beim Poolschrubben so niedlich-aufdringlich, dass ich meine Kamera besser nicht mit reinnehmen kann. Würde ich sie irgendwo abliegen, hätte direkt der erste Geier reingehackt, während die anderen Tauziehen mit dem Tragegurt spielen würden. Diesen Geierpool genieße ich ganz besonders, weil man hier Dutzende Geier hautnah um sich hat und mit ihnen herumplanschen kann. Man sollte nur immer ein paar Ersatz-Utensilien dabeihaben, mit denen man die Geier ablenken kann. Sie klauen nämlich gerne den Schrubber oder setzen sich auf den Besen, so dass ein Weiterarbeiten erstmal nicht möglich ist.
Noch während der Pool mit Frischwasser aufgefüllt wird, genehmigen sich die ersten Geier einen kühlen Schluck oder springen direkt ins Wasser rein, so dass es schon bald wieder genauso ranzig aussieht wie vorher.
Die Wollkopfgeier sind leider sehr scheu, so dass ich nicht viel Zeit mit ihnen verbringen kann. Ich würde ihnen gerne mehr Aufmerksamkeit schenken, weil sei wunderschöne Tiere sind. Aber ich befürchte das würde sie zu sehr stressen. Daher bin ich froh, wenn ich ab und zu mal bei ihnen vorbeischauen kann.
Ich habe mir von Kerri jetzt noch einmal den Unterschied erklären lassen. Das Weibchen ist hier auf dem Bild unten auf dem Boden. Es ist leicht an den weißen Enden der Schwungfedern zu erkennen. Das Männchen sitzt auf dem Ast und hat schwarze Federn. Es wurde früher in Tansania aus der Wildnis gefangen und lebte anschließend im Zoo von Johannesburg. Als seine Partnerin starb, wurde VulPro gebeten den Vogel aufzunehmen. Kerri suchte daraufhin ein Weibchen für ihn, damit die beiden vielleicht eines Tages brüten. Sie ist eine Handaufzucht, aber dennoch sehr schreckhaft.
Ohrengeier beim Spiel mit einer ausgefallenen Feder.
Die beiden Ohrengeier und beiden Wollkopfgeier scheinen sich halbwegs zu verstehen. Um die Chancen auf einen Bruterfolg zu erhöhen, möchte Kerri jedoch nach der diesjährigen Brutsaison eine andere Voliere erweitern und die beiden Geierarten trennen. Das geht jedoch während der Brutsaison nicht, weil der Baulärm zu stressig für die Geierküken und Geiereltern wäre.
Ich glaube das ist das beste Bild, was mir je von einem Wollkopfgeier gelungen ist. Mit lecker Seiber im Schnabel.
Das bereits jetzt separierte Ohrengeierpaar hat sich heute mal wieder herzhaft gestritten, getreten und angequiekt. Einen Moment später schienen sie wieder innig vereint zu sein. Ein komisches Paar. Leider hat es bei ihnen noch nicht mit einem Geiernachwuchs geklappt, obwohl sie mittlerweile schon die zweite oder dritte Brutsaison vereint sind.
In der offenen Voliere saß der hutzelige Weißrückengeier wieder auf seinem Lieblingsplatz im Baum. Ich wüsste zu gerne, was in ihm vorgeht. Ob er irgendwie Angst vor seinen Artgenossen auf dem Boden der Voliere hat und sich im Baum in Sicherheit bringt? Oder genießt er einfach nur die Aussicht? Ein sehr merkwürdiges Verhalten für einen Flügelamputierten.
Nachmittags wurden uns zwei Schildkröten in Obhut gegeben. Bereits Freitag ziehen sie aber weiter.
In der Brutvoliere genossen die Kapgeier ebenfalls das frische Wasser und nahmen direkt ein Bad.
Außerdem wurden die Küken fleißig von ihren Eltern umsorgt.
Kann es eigentlich sein, dass ein Geierküken jeden Tag niedlicher wird, obwohl es bereits am ersten Tag unschlagbar süß ist???
Diese langen, dünnen Geierkükenhälse sind einfach entzückend. Im Nacken ist bereits eine Minihalskrause zu erkennen.
Happy Family.

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