Donnerstag, 3. September 2020

Diclofenac und andere NSAIDs in Süd-Asien noch immer erhältlich

Es ist hinreichend bekannt, dass der Einsatz von Diclofenac in der Tiermedizin zu der größten Geierausrottung aller Zeiten geführt hat. In Süd-Asien starben in den 90er-Jahren über 40 Millionen Geier unterschiedlicher Arten, nachdem sie Kadaver  von Tieren gefressen hatten, die vorher mit Diclofenac behandelt worden waren. Geier können diesen vom Menschen erschaffenen Wirkstoff nicht vertragen und sterben elendig an Leber- und Nierenversagen.

Mit über 95 % Verlusten besonders stark betroffen waren die Dünnschnabelgeier (Slender-billed Vultures) und die Indiengeier (Indian Vultures). Am schlimmsten traf es allerdings den Bengalgeier (White-rumped Vultures), der zu 99,9 % ausgerottet wurde. 99,9 % bedeutet, dass nur noch ein Geier von 1.000 überlebte – in gerade einmal 10 Jahren. Einfach schrecklich!

Nachdem Diclofenac als Ursache für das Geiermassensterben identifiziert worden war, wurde es 2006 in Indien, Nepal und Pakistan sowie 2010 in Bangladesch verboten. Diclofenac zählt zu den NSAIDs (non-steroidal anti-inflammatory drug), von denen die meisten tödlich für Geier sind. Bisher konnte nur das NSAID Meloxicam als geierfreundlicher Entzündungshemmer identifiziert werden.

Während einer Studie wurden zwischen 2012 und 2018 viele Apotheken in Indien, Nepal und Bangladesch aufgesucht. Die Forscher gaben sich als Farmer aus, die dringend Schmerzmittel und Entzündungshemmer für ihr Nutzvieh benötigen. Dabei sollte getestet werden, wie viel Diclofenac trotz Verbotes noch immer im Umlauf ist oder ob die Apotheker bereits das harmlose Meloxicam anbieten.

In Nepal und Bangladesch ist Diclofenac fast vollständig aus den Apotheken verschwunden und die vielen Aufklärungskampagnen scheinen Wirkung zu zeigen. In Nepal wurde sogar in 89,9 % der Fälle direkt auf Meloxicam verwiesen. In Indien wurden je nach Region leider in 10-46 % der Fälle noch immer Diclofenac angeboten, was eine große Bedrohung für die Geier-Population des großen Landes ist. In Bangladesch ist Meloxicam leider noch nicht weit verbreitet. Statt Diclofenac wurde meist auf das NSAID Ketoprofen verwiesen, das leider ebenfalls tödlich für Geier und in Bangladesch eigentlich seit 2016 verboten ist.

Die Studie zeigt ganz klar auf, dass die Auswirkungen der meisten NSAIDs auf die Umwelt vor allem in Indien noch immer nicht in den Köpfen der Apotheker angekommen sind und sogar offizielle Verbote nicht vom Verkauf abschrecken. Hier muss die geierfreundliche Alternative Meloxicam zwingend mehr kommuniziert und beworben werden. In Nepal scheinen die Aufklärungskampagnen am positivsten gewirkt und zu einem Umdenken in der Bevölkerung geführt haben.

Quelle: Trends in the availability of the vulture-toxic drug, diclofenac, and other NSAIDs in South Asia, as revealed by covert pharmacy surveys © Toby H. Galligan et al. 2020. Published by Cambridge University Press on behalf of BirdLife International DOI: https://doi.org/10.1017/S0959270920000477

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