Mittwoch, 17. August 2011

Geier-Wochenend-Safari in Belgien

Nach langem Entzug hat mich die Geier-Sehnsucht am Wochenende spontan nach Belgien verschlagen, um mir die viel angepriesenen Mönchsgeier in den beiden Zoos in Antwerpen und Planckendael (Mechelen) anzusehen.
Im Antwerpener Zoo direkt neben dem Hauptbahnhof lebt ein süßes, verliebtes Mönchsgeier-Paar in einer schönen, von Efeu überwachsenen Voliere, in unmittelbarer Nähe zu Andenkondoren, Kappengeiern, Truthahngeiern und Greifvögeln sowie Eulen aller Art. Die beiden Mönchsgeier sind wirklich schön anzusehen, vor allem ihre interessante Blaufärbung um den Schnabel herum. Nach kurzer Beobachtung wird deutlich, dass in dieser Voliere ganz klar das Powerweibchen das Sagen hat! Er sitzt nur andächtig neben ihr, bietet ihr die schönsten Stöckchen zum Nestbau an und lässt sich ratzfatz vom Aas vertreiben. Und wie dankt sie es ihm? Mit kräftigen Bissen in den Flügel oder Aas-Raub ;-) Was sich liebt, das neckt sich eben!
Eine Voliere weiter lebt ein imposantes Andenkondor-Paar, dessen riesige Flügelspannweite immer wieder beeindruckend ist. Sie versteckten sich die meiste Zeit in ihrem Nistplatz in der Wand oder stolzierten gemütlich über die Holz-Querbalken in luftiger Höhe. Samstagvormittag zur Fütterung wollten sich beide das Festmahl aus dicken weißen Ratten und kleinen Mäusen und Küken nicht entgehen lassen. Voller Erwartung flatterten sie runter auf den Boden der Voliere und schlichen gierig durchs Gras, immer Ausschau nach der Futter-Schubkarre haltend. Und kaum hat das Aas, das von den Pflegern durchs Gitter geworfen wurde, den Boden berührt, da hackten schon gierige Riesenschnäbel zu!
Die Mönchsgeier waren hingegen etwas zurückhaltender. Appetitlicher Anblick, wenn einer der Geier mit weißer Riesenratte im Schnabel durch die Voliere gelaufen ist ;-)Ein nettes Video zu einer früheren Geier-Fütterung in Antwerpen gibt es auf youtube.
Eher selten in Zoos anzutreffen (jedenfalls in den Zoos, die ich normalerweise besuche) sind die beiden Kappengeier, die eher an kleine, graubeige Raben erinnern. Sie haben mickerige dünne Schnäbel und je nach Kopfhaltung sehen sie direkt hochschnäbelig aus. Oberhalb einer hoch gelegenen Nistmöglichkeit ist ein Spiegel montiert, durch den die Besucher einen Blick ins Nest erhaschen können. Dadurch wäre ein Beobachten von Brut- und Kükenaufzucht-Phase möglich. Fragt sich nur, ob sich die Geier durch den Spiegel nicht erst recht gestört und bedroht fühlen – schließlich sehen sie somit immer ein oder zwei große Vögel in unmittelbarer Nestnähe!?
In einer weiteren, leider sehr kleinen Voliere befinden sich noch zwei Truthahngeier, die jedoch ziemlich apathisch wirken. Einer ließ sich kaum Blicken, der andere lief unruhig und gleichzeitig verwirrt durch die Voliere und flatterte hin und wieder hektisch mit den Flügeln. Irgendwie sah diese Voliere sehr trostlos, kahl und traurig aus, im Vergleich zu den doch recht schönen, begrünten großen Volieren der anderen Geier ;-(

Insgesamt ist der Antwerpener Zoo sehr schön angelegt und trotz Dauerregen seinen Besuch wert gewesen. Vor allem war es eine riesige Bereicherung so viele Informationen über den dortigen Geierschutz (vor allem der stark bedrohten Mönchsgeier) zu erfahren und zu sehen, dass es immer wieder gezielte Forschungsgruppen gibt, die sich auch mit dem Schutz und dem Erhalt einzelner „Randgruppen-Tierarten“ befassen. Geier allgemein sind ja leider noch immer nicht so sehr im Fokus des öffentlichen Interesses, wie sie es verdienen. Umso wichtiger die Erkenntnis von Zoos, Universitäten und Forschern, dass auch diese Tiere schützenswert sind!!!Ein Zoo allein würde die Geier-Safari noch nicht abrunden. Daher ging es am Sonntag direkt weiter ins 30 km von Antwerpen entfernte Mechelen in den Tierpark Planckendael. Beide Zoos arbeiten eng zusammen und es herrscht ein reger Tieraustausch untereinander.


Das Highlight im Tierpark Planckendael ist ganz klar die Geier-Dating-Voliere!!! ;-)In diese Voliere werden sämtliche Single-Geier der Umgebung gesteckt, in der Hoffnung, dass sich dort beim Geier-Dating neue Pärchen bilden. Zur Zeit befinden sich insgesamt sechs Mönchsgeier und drei Gänsegeier in der riesigen Voliere, die guten Flugplatz und einen schönen „Geier-Baum“ bietet. Findet sich ein Pärchen, so wird dieses Paar von den anderen Single-Geiern getrennt und zieht in eine Einzel-Voliere um, damit das Brutgeschehen möglichst ungestört ablaufen kann.Da die Mönchsgeier ganz klar in der Überzahl sind wird gemunkelt, dass die Gänsegeier ziemlich unterdrückt werden… arme Tierchen ;-)


Bei unserem Eintreffen nach durchregneter Nacht boten die Geier einen eher jämmerlichen Anblick. Patschnass und bedröppelt saßen sie auf den Geier-Baum und hutzelten sich in ihre Flügel ein. Nur hin und wieder ein skeptischer Blick mit gerümpftem Schnabel, dann direkt wieder Starre und weiter Regen aussitzen. Erst im Laufe des Tages, als nach weiteren kleineren Schauern die Wolkendecke endlich aufbrach und einzelne Sonnenstrahlen in die Voliere drangen, erwachten die Geier zu neuem Leben! Mit weit ausgebreiteten Flügeln hockten sie sich auf die Äste oder in den Schlamm und begannen mit der Reinigung jeder einzelnen Feder. Später waren sie dann immerhin sogar in der Lage quer durch die Voliere zu flattern und sich gegenseitig zu necken. Sehr, sehr schöne Tiere!!! Da wünsche ich doch von ganzem Herzen alles Gute bei der Partnersuche!!! Und ein kleiner Tipp an die männlichen Geier: Mit ein paar netten Stöckchen fürs Nest und frischem Filet vom Aas kriegt ihr eure Auserwählte ganz bestimmt rum! ;-)


Nebenan gibt es noch eine kleine Voliere mit einem weiteren Mönchsgeier-Paar, das allerdings die meiste Zeit nur faul im Regen saß…


Während einer Erkundungstour durch den Rest des Zoos entdeckten wir zwei Volieren mit Sekretären. Ein Pärchen lebte versteckt hinter einem Freigehege für wilde Störche und ein weiterer Sekretär lebte zusammen mit Pfauen-ähnlichem Federvieh. Etwas Fotoscheu der Gute, hat sich die ganze Zeit hinterm Gestrüpp versteckt. Dabei hat er das mit einem so hübschen Gesicht doch gar nicht nötig. Oder hatte er einfach nur Angst, dass ich ihn mit in mein Büro nehme???


In dem großen Giraffengehege wurde das winzige Giraffen-Baby von fetten, verblödeten Perlhühnern genervt, die überall hektisch und hinkend herumrannten… ein Anblick, der fast schon weh tat! Umso netter dann die Abwechslung, als wir in einer weiteren Voliere zwei prächtige, stilvolle Geierperlhühner antrafen, die mit ihren strahlend blauen Mustern im Gefieder immer wieder ein hübscher Anblick sind…


Der Tierpark Planckendael ist so praktisch angelegt, dass man rein zufällig immer wieder an der Geier-Dating-Voliere vorbeigeleitet wird. Kann nicht gerade behaupten, dass mich diese Tatsache sonderlich gestört hat ;-)


Liebe Katja, vielen Dank für deine Zeit und die vielen ausführlichen Erklärungen!!! Und ganz liebe Grüße an „deine“ Mönche!!!

Gänsegeierküken: 4 Monate alt

Auf meine gestrige Anfrage kam heute schon eine sehr nette Antwort aus dem Duisburger Zoo: Das Anfang April geborene Gänsegeierküken erfreut sich bester Gesundheit!
Ich bin ja leider lange nicht mehr dort gewesen, um genauer zu sagen seit das Gänsegeierküken in die Handaufzucht abgegeben wurde und ich es nicht mehr jeden Tag bewundern konnte. Das Gänsegeierküken 2010 wurde, wie bereits berichtet, im August letzten Jahres in den Tiergarten Straubing abgegeben. Im Gegensatz zu seinen Duisburger Gänsegeiereltern kam es schließlich mit kräftigen, flugfähigen Flügeln zu Welt und würde aus dem offenen Gehege im Duisburger Zoo sicherlich ausbüchsen. Auch das Gänsegeierküken 2011 ist flugfähig, so dass es bald in einen anderen Zoo abgegeben wird. In welchen Zoo ist zur Zeit allerdings noch nicht bekannt. Vielleicht schaffe ich es ja diesmal mich gebührend von dem kleinen Krummschnäbelchen zu verabschieden? Nix wie in den Zoo!

Samstag, 2. Juli 2011

Wildes Wohnzimmer

Ist schon komisch, genau wie am Tag vor meinem Kroatienurlaub, habe ich auch heute morgen am Tag vor meinem Sommerurlaub wieder eher zufällig "Wildes Wohnzimmer" auf VOX geschaut. Und auch heute wurde wieder über den Biologie-Lehrer berichtet, der in seinem Wohnzimmer den jungen Truthahngeier Carlos aufzieht (siehe Blog-Artikel Ende Mai 2011, allerdings hat der Geier seit dem seinen Namen geändert). Der junge Truthahngeier hat mittlerweile seinen Küken-Flaum gegen schwarzes Gefieder getauscht und beherrscht das Fliegen. Dennoch ging es zusammen mit seinem Trainer auf einen Modellflugplatz, um seine Flugkünste zu verfeinern. Der Flattermann wurde nämlich von der "Geier-Flugstaffel" des Weltvogelpark Walsrode auserwählt, um am Leichenspürgeier-Projekt der niedersächsischen Kriminalpolizei teilzunehmen. (Dieses Projekt habe ich in meinem Blog bereits vorgestellt, daher am besten unter diesem Artikel auf das Label "Truthahngeier" oder "Weltvogelpark Walsrode" klicken, damit alle verwandten Artikel aufgelistet werden.)
Nach dem Flugtraining wurde der Truthahngeier auf Leichenteile trainiert und zeigte reges Interesse. Kurz darauf hieß es für Biologielehrer und Geier schließlich Abschied nehmen, weil der Flattermann in die Obhut und Quarantäne des Weltvogelpark Walsrode übergeben wurde. Dort wird er zusammen mit den beiden Truthahngeiern Sherlock und Miss Marple von Geier-Trainer German Alonso zum Leichenspürgeier ausgebildet. Zunächst gibt es 6 - 8 Wochen Einzeltraining und erst nach etwa einem dreiviertel Jahr wären die Geier einsatzbereit. Dies wird wahrscheinlich schon 2012 der Fall sein, denn mittlerweile fragen immer mehr Polizei-Reviere die Geier-Flugstaffel an!!!
Auf der Homepage von "Wildes Wohnzimmer" gibt es übrigens viele lustige Videosequenzen aus der Serie und eine Abstimmung darüber, ob sich die Leute einen Geier als Haustier wünschen würden ;-)
Ergebnis:
66 % Warum nicht? Mal etwas anderes!
34 % Um Himmels willen, nein!
Wer hätte das gedacht!? ;-)

Eko-Centar im TV

Vor kurzem schrieb mir Neuseeländerin Kim, dass ein kroatisches Fernsehtema das Eko-Centar Caput Insulae Beli besucht hatte, um einen Bericht über die Arbeit des Centers rund um die Gänsegeier und Ohrengeier Torgos zu drehen. Dabei wurden viele liebe Freunde wie Kim, Sanja, Dea und natürlich Chef Goran Susic interviewt. Natürlich ist der Bericht auf Kroatisch, aber die vielen Interviews mit Kim sind gut verständlich auf Englisch! Reinsehen lohnt sich allerdings schon allein wegen der tollen Aufnahmen rund um das Center und die Geier-Klippen!!!
Auf der Nachrichten-Homepage sind mehrere Videos über die Gänsegeier und das Center. Mein Favouriten-Video befindet sich etwas weiter unten, unter dem ersten Video und dem Text "supovi na litici Cresa", was wohl so viel heißt wie "Geier auf den Klippen von Cres"!? und dann auf das Video "Bjeloglavi supovi iznad Cresa" ("Weißrückengeier über Cres", wie die Gänsegeier auch bezeichnet werden). Leider kann ich es nicht direkt verlinken, ich hoffe ihr findet es!

Cheggy in Kroatien

Hier ein kleiner Nachtrag aus dem Geier-Paradies Beli:
Im Juni war ich nicht allein in Kroatien, denn auch die kleine Cheggy wollte das Eko-Centar Caput Insulae Beli auf eigene Kralle erkunden. Sie hattte nämlich bereits schon von vielen Artgenossen gehört, dass das kleine Örtchen Beli auf der kroatischen Insel Cres ein Paradies für Gänsegeier wie sie ist!
Kaum in Beli angekommen, war sie sofort von der wunderschönen Landschaft begeistert und konnte gleich verstehen, warum sich Gänsegeier hier so wohl fühlen. Es gibt grüne Wälder, hohe Klippen und perfekte Winde, auf denen Geier durch die Lüfte gleiten können...Kaum flatterte die kleine Cheggy los und wurde sie gleich der Star im Eko-Centar: Schnabelstreicheleinheiten aus allen Richtungen und bewundernde Komplimente ;-)
Das Wegeleitsystem in Form von Geier-Krallen-Abdrücken fand sie besonders toll. Ob ihre Krallen wohl auch eines Tages sooooo groß werden???
Gut gelaunt hopste und flatterte sie den Krallen-Abdrücken hinterher in die Geier-Ausstellung. Als sie das große Geiernest entdeckte, hätte sie sich am liebsten kurz ausgeruht und ein Nickerchen gehalten. Aber das Geiernest war bereits mit Ei und Geierfeder belegt. Ja, Cheggy, genau aus so einem Ei bist auch du vor Kurzem geschlüpft!!! Das wird in etwa so ausgesehen habe:In der großen Geier-Voliere angekommen staunte sie nicht schlecht: So viele riesige Gänsegeier! Und so saftiges Aas! Sie hatte nämlich ganz vergessen, wie hungrig sie nach der langen Anreise geworden war... Keine zehn Minuten später hatte sie den großen Geiern das saftige Aas vor dem Schnabel weggehackt und betrachtete kugelrund und vollgefressen die abgenagten Knochen ;-)Kurz darauf machte sie es sich dann doch im großen Geiernest bequem und fiel in einen glücklichen Schlaf.
Am nächsten Morgen ging es ganz früh raus nach Kruna, dorthin, wo ihre Artgenossen auf den Klippen nisten. Sie war noch immer vom Vorabend zu vollgefressen, um zu fliegen. Daher beobachtete sie ihre Artgenossen lieber durch das Teleskop, statt selber hinzufliegen.Zurück im Eko-Centar fielen ihr schließlich die vielen dicken, pelzigen Raupen auf, die überall herumschnickten. Ob man die wohl essen kann??? Eher nicht, denn schon bald beklagte sich Cheggy über fieses Kratzen im Hals. Doch anstatt, dass ihr das eine Lehre ist, gab sie das Raupen-Aas-Fressen für den Rest der Reise nicht mehr auf... und das Kratzen wurde immer unangenehmer. Wohl gemerkt, Cheggy ist eine echte Geierin, sie frisst also nur tote Raupen! Mit den lebenden Raupen hingegen spielte sie tagsüber und flatterte neben ihnen her.Angespornt durch die vielen großen Gänsegeier wollte auch Cheggy möglichst schnell groß und stark werden, so dass sie fleißig an der Boxbirne trainierte.Während einer Wanderung zum großen Labyrinth freundete sich die kleine Cheggy sogar mit einer Eidechse an. Wirklich süß, wie nett sich die beiden unterhielten und sogar eine Raupe mit in ihre lustige Runde aufnahmen. Hoffentlich hat diese Raupe nicht mitbekommen, dass Cheggy und die Eidechse später gemeinsam auf Raupen-Aas-Suche gingen ;-)
Total begeistert von ihrer ersten großen Reise kann Cheggy es nun kaum noch erwarten bald endlich wieder im Flieger zu sitzen und diesmal zusammen mit ihrem Lieblingsbruder Checher Chuck neue Orte zu erkunden!!!