Donnerstag, 30. Juni 2022

Einblick in VulPros Arbeit im Juni

Der Juni bei VulPro startete mit einem ganz besonderen Ereignis: Die Wollkopfgeier haben ein Ei gelegt!!!


Damit steigt die diesjährige Eier-Beute auf 41, von denen das erste Kapgeier-Küken kurz vorm Schlupf steht. Das Küken hat begonnen im Ei zu fiepen, so dass das Knacken der harten Eierschale kurz bevor steht. Auf Facebook wurde sogar ein Video geteilt, bei dem man dieses entzückende Geräusch hören kann!

Wenige Tage später war es dann so weit und ein wunderschönes Miniküken erblickte das Licht der Welt!

Momente wie diese treiben uns Geierfreunden immer Freudentränen in die Augen, da sie ein wundervolles Geschenk für die harte und teils traurige Arbeit im Artenschutz ist. Dieses kleine Küken hat nun die Chance eines Tages in die freie Natur entlassen zu werden und den Himmel über Südafrika zu erkunden. Und seinen fluginvaliden Eltern gibt es eine tolle Lebenserfahrung und die Gewissheit, dass sie trotz ihrer Verletzungen tolle Eltern sein können. Da sämtliche Geiereltern von VulPro aufgrund ihrer Verletzungen nicht mehr in freier Natur überleben könnten, ist klar: Ohne VulPro wären sie nicht mehr am Leben und sie könnten keinen gesunden, flugfähigen Küken das Leben schenken! Knuffige Geierküken in einer Auffangstation sind der beste Beweis, dass sich der Kampf und jedes einzelne Geierleben lohnt!!!

Einige Tage später wurde das Küken seinen Eltern übergeben, die es glücklich in Empfang nahmen und sich sofort liebevoll um ihre kleines Schätzchen kümmerten.

Auch Küken Nummer 2 pellte sich in der ersten Junihälfte aus dem Ei und verlangte gierig seinen Aasbrei.


Jede dritte Nacht werden die Geier-Eier im Inkubator mittels „candle test“ durchleuchtet und gewogen. Dadurch lässt sich leicht feststellen, ob die Eier befruchtet sind. Außerdem weist ein Gewichtsverlust darauf hin, dass die Luftfeuchtigkeit im Inkubator angepasst werden muss. Das Ei im folgenden Bild ist zwei Wochen alt. Das sichtbare „Spinnennetz“ weist eindeutig auf eine Befruchtung des Eies hin und die Entwicklung sieht sehr gut aus!

Während der Brutsaison werden die wilden Weißrückengeier- und Kapgeier-Kolonien besucht und die aktiven Nester gezählt. Anfang Juni war ein Team bei der Weißrückengeier-Kolonie in der Dwaalboom Region, wo 83 aktive Brutpaare ihre Baumnester bewohnen. Im vergangenen Jahr wurden dort 76 Paare gezählt, also ein kleiner Lichtblick.

Mitte Juni besuchte ein Team die Kapgeier-Kolonie in Hoedspruit. Auch hier, in dieser wunderschönen Landschaft, stieg die Anzahl der Brutpaare im Vergleich zum Vorjahr von 674 auf 728 Paare.

Natürlich hat VulPro eine umfangreiche Webseite und ist in den sozialen Medien vertreten. Dennoch ist Werbung auf möglichst vielen Kanälen wichtig, um auf das tolle Projekt und die wichtige Arbeit hinzuweisen. In dem Geier-Magazin „Vulture News“ wurde daher ein umfangreicher Artikel veröffentlicht mit dem Titel „VulPro: an overview of Africa’s vulture conservation centre“. Sehr lesenswert!

Am 13.06. bekam VulPro überraschenden Besuch von vier wilden Ohrengeiern! Während meiner vielen Besuche bei VulPro hatte ich nur wenige Male das Glück einen wilden Ohrengeier im Geierrestaurant zu sehen. Dass gleich vier gesichtet wurden, ist Rekord. Während das Brutpaar im Überflug war, landet ein Jungtier am Futterplatz und checkte die Speisekarte.

Mitte Juni kam dann der traurige Oberhammer, der die Abgründe der Menschheit wieder deutlich vor Augen führt. VulPro erhielt einen Anruf: „Hallo, kauft ihr Geier? Ich habe einen Geier im Limpopo gefangen und verkaufe ihn für R20k!“ Das entspricht etwa 1.200 €. Wie blöde und/oder dreist können Wilderer eigentlich sein, dass sie ausgerechnet ein Geierschutzprojekt anrufen, um einen illegal gefangenen Geier zu verkaufen!?!? Mit Hilfe von LEDET, dem Limpopo Department of Economic Development, Environment and Tourism, startete VulPro eine Undercoveraktion und konnte das gesunde, erwachsene Kapgeier-Männchen retten. Gegen die Wilderer wurde Anklage erhoben und sie werden vor Gericht erscheinen müssen.


Nachdem schließlich auch das erste Weißrückengeier-Küken der Saison geschlüpft ist, hier ein kleines Geierküken-Quiz zwischendurch: Wie unterscheiden sich Kapgeier-Küken und Weißrückengeier-Küken?

Das Weißrückengeier-Küken hat ein fast schwarzes Gesicht, während das Gesicht des Kapgeier-Kükens eher graubläulich ist. Diese Färbung hilf auch später, neben der Körpergröße, die erwachsenen Geier zu unterscheiden.

In den ersten Tagen nach dem Schlupf, werden die Geierküken bei VulPro mit lecker Aasbrei gefüttert. Wenn sie gesund sind und sich gut entwickeln, werden sie nach wenigen Tagen an ihre Eltern übergeben.

Geierküken brauchen aber nicht nur Futter, sondern auch Vitamin D. Daher werden sie regelmäßig nach draußen gebracht und dürfen einige Minuten Sonnenbaden. In freier Natur bzw. in den Brutvolieren stehen die Geiereltern hierfür im Nest auf und lassen das Küken ebenfalls an die Sonne.


Um das engagierte Geierteam von VulPro vorzustellen, wird jetzt jeden Mittwoch ein Teammitglied porträtiert. Beginnend mit Obert Gayesi Phiri, Operations Manager und langjährigstes Teammitglied von VulPro. Ich kenne ihn bereits seit meinem ersten Besuch bei VulPro vor zehn Jahren und habe ihn nie schlecht gelaunt erlebt. Sein Lachen ist ansteckend, er ist fleißig und immer hilfsbereit. Seine Hauptaufgaben sind die Verantwortung rund um die Geiervolieren, die Betreuung und Zusammenarbeit mit den freiwilligen Helfern, Führungen durch das Projekt und die Beobachtungen der wilden Geierkolonien.

Esther Mapope arbeitet seit 6 Jahren bei VulPro und kümmert sich hauptsächlich um die Hausarbeiten, darunter das Reinigen des Beobachtungshauses am Geierrestaurant, des Inkubator-Raumes, der Picknick-Zone und der Wohnbereiche. Auch sie hat immer ein nettes Lächeln parat und ich freue mich sehr auf ein Wiedersehen!

Im Juli werden dann vier weiteren Teammitglieder vorgestellt und natürlich berichte ich auch wieder über viele spannende Ereignisse rund um VulPro.

Alle Bilder © VulPro, Facebook

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