Samstag, 30. April 2022

Einblick in VulPros Arbeit im April

Zusammenfassung der tollen Arbeit des Geierschutzprojektes VulPro in Südafrika im April:

Der April begann leider mit einer traurigen Nachricht: Ein Kapgeier-Jungtier aus 2021, dass erfolgreich bei VulPro aufgepäppelt und vor zwei Monaten ausgewildert wurde, wurde nun tot im Northern Cape aufgefunden. Die Todesursache ist bisher unklar.

Und direkt die nächsten Hiobsbotschaften, als am 04.04. zwei tote Kapgeier gefunden wurden. Todesursache: Stromschlag durch Stromleitungen. So sehr sich Südafrika über den einsetzenden Regen gefreut hat, so tödlich war er offenbar für die beiden Pechvögel, die während des Regens auf den Strommasten rasten wollten. Das wäre aber trotzdem alles kein Problem, wenn die Stromleitungen und -masten in Südafrika vernünftig konstruiert und isoliert wären.

Das Eastern Cape kann sich hingegen über Neuzuwachs freuen, denn Kate Webster vom Partnerprojekt im Eastern Cape wilderte drei 2021 bei VulPro geborene Junggeier aus. Hoffentlich leben sie sich schnell in ihrer neuen Heimat ein und genießen ihre Freiheit.

Nur wenige Tage später gab es die nächste Rettungsmission: Neels, ein VulPro-Freund aus Lichtenberg, entdeckte einen Kapgeier, der mit ausgebreiteten Flügeln an einem Zaun aufgehangen war. Als das Tier gerettet wurde, wurde schnell das schreckliche Ausmaß sichtbar. Offenbar hatte der Geier tagelang in dieser qualvollen Haltung verbracht, war vollkommen geschwächt, dehydriert und verwundet. Wie abartig können Menschen eigentlich sein??? Klar, sie werden teilweise gejagt und getötet, um ihre Körperteile im Rahmen von Muti illegal zu verkaufen, aber eher selten werden Exemplare gefangen und öffentlich zur Schau gestellt. Wie kommt man nur auf die Idee ein Lebewesen an einen Zaun zu fesseln und es bewusst in einen qualvollen Tod zu schicken??? Ich bin einfach nur entsetzt und erschüttert! Zum Glück ist der arme Kerl jetzt in den allerbesten Händen und wird sein schreckliches Erlebnis hoffentlich verarbeiten.

Wooohoooo, das erste Ei der Brutsaison 2022 ist da!!!  Startschuss ist also der 09.04.! Mögen noch Dutzende Geier-Eier folgen!

Südafrika wird gerade von ungewöhnlich starken Regenfällen heimgesucht und ganze Landstriche stehen unter Wasser. So ein Wetter trifft leider auch die Geier ganz besonders hart. Bei Regen können sie nicht fliegen und suchen daher immer wieder auf Strommasten Zuflucht für eine Rast. Dabei kommt es immer wieder zu schweren Verletzungen und Todesfällen. In nichtmal einer Woche wurden VulPro bereits 12 solcher traurigen Fälle gemeldet. Bei diesem Wetter ist ganz besonders wichtig nach geschwächten oder verletzten Geiern Ausschau zu halten!

Einen herzlichen Dank an Brits Pole für die Spende zahlreicher Holzpfeiler, die für die Konstruktion neuer Geiervolieren dringend benötigt wurden!!! Je bekannter VulPro wird, desto mehr verletzte Geier werden gemeldet und in die Auffangstation gebracht. Da viele Geier aufgrund der Schwere ihrer Verletzungen nicht mehr freigelassen werden können, geht irgendwann der Platz in den Volieren aus. Außerdem leben bei VulPro verschiedene Geierarten, die im Idealfall eigene Brutvolieren brauchen. Seit meinem ersten Besuch in 2012 hat sich VulPro gefühlt verdoppelt und wird immer weiter ausgebaut. Umso wichtiger, dass das Projekt von netten einheimischen Firmen, Projektpartner und freiwilligen Helfern unterstützt wird. Brits Pole, ihr seid super!!!

Flügeltrocknen nach dem Regenschauer. Hier die Weißrückengeier-Brutvoliere von VulPro.

Mitte April fanden zwei neue Geier ihren Weg nach VulPro, deren Herkunft nicht wirklich klar ist. Dem weiblichen Kapgeier geht es soweit gut, aber es muss noch getestet werden, ob die Dame zu sehr auf den Menschen geprägt ist, um ausgewildert zu werden. Der männliche Weißrückengeier hat mit 10 kg starkes Übergewicht (normal wären rund 5 kg). Er muss sich nun mit seinesgleichen um das Futter streiten und lernen, sich wie ein richtiger Geier zu verhalten. Dabei wird er hoffentlich etwas an Gewicht verlieren, ohne abzumagern.

Nicht häufig aber hin und wieder kommt es vor, dass sich wilde Ohrengeier am Futterplatz von VulPro blicken lassen. Diesmal gelang es dem Team einen wilden Ohrengeier einzufangen und mit einem GPS-Sender auszustatten. Ohrengeier sind in Südafrika kaum erforscht, so dass die nun übermittelten Daten Aufschluss über sein Flugverhalten, bevorzugte Rastplätze und eventuelle Brutgebiete geben werden.

Bis Ostern wurden nun drei Eier in der Brutvoliere gelegt, gegen Dummy-Eier ausgetauscht und in den Inkubator übergeben. Sicher werden aber noch viele weitere Eier folgen, denn es konnten bisher 17 Kapgeier-Paare in der Brutvoliere, 8 weitere Paare in der offenen Voliere und 5 Paare in der Weißrückengeier-Brutvoliere identifiziert werden. Außerdem gibt es je ein Pärchen von Ohrengeiern, Wollkopfgeiern, Kappengeiern und Palmgeiern.

Kleine Lehrstunde: Der Kropf vom Geier ist ein spezieller Muskel der Speiseröhre und dient als Futterlager. Ist der Kropf also wie in dem nächsten Bild kugelrund, so hat der Geier ausgiebig gespeist. Der Kropf ist sehr hilfreich, da Geier manchmal tagelang nach ihrem nächsten Aas suchen müssen. In der Zwischenzeit wird er durch die Speisereste im Kropf versorgt.

Ende April wurde das neue Logo von VulPro veröffentlicht. Der Abschied vom alten fällt mir zwar schwer, aber ich werde mich dran gewöhnen.

Pünktlich zum Freedom Day wurden im Eastern Cape die nächsten 5 VulPro-Nachzuchten und ein einheimischer genesener Geier erfolgreich ausgewildert. Was für ein perfektes Timing, um diese schönen Kreaturen in die Freiheit zu entlassen!

Und um den Monat abzurunden, wurden zusätzlich zu den mittlerweile sieben Kapgeier-Eiern auch zwei Weißrückengeier-Eier gelegt. Keine schlechte Quote!!!

Alle Bilder © VulPro, Facebook

Freitag, 29. April 2022

Zwei Andenkondore in Argentinien ausgewildert

Nach über dreimonatiger Genesung konnten heute zwei weibliche Andenkondore im argentinischen San Juan ausgewildert werden. Die beiden Geier wurden im Januar mit schweren Vergiftungserscheinungen von Anwohnern in Las Flores gefunden und anschließend in einer Auffangstation gesund gepflegt.

Zu Ehren der heutigen Freilassung wurden viele Geierfreunde aus Umweltschutz, Politik und traditionellen Völkern eingeladen und gemeinsam eine besondere Befreiungszeremonie durchgeführt.










Alle Fotos © Programa Conservación Cóndor Andino, Facebook

Donnerstag, 28. April 2022

Ergebnis der Bartgeierbrutsaison 21/22

Wie viele Bartgeierküken schlüpften dieses Jahr im Zuchtprogramm?

Im Herbst 2021 begann die Bartgeierbrutsaison mit dem Nestbau und den Kopulationen der ersten Bartgeierpaare. Nachdem am 11.04.’22 das letzte Bartgeierküken des Zuchtprogramms in der EGS Haringsee (Richard Faust Centre, Österreich) geschlüpft ist,…

Das letzte Küken der Saison © EGS Haringsee

…kann die Vulture Conservation Foundation (VCF) nun mit Stolz den Erfolg der Brutsaison 21/22 verkünden:

Zum ersten Mal haben alle neu verpaarten Brutpaare ein Küken großgezogen und viele weitere erfahrene Brutpaare ebenfalls. Insgesamt legten 46 Brutpaare 72 Eier, von den 45 befruchtet waren. Aus diesen Eiern schlüpften 34 Küken, von denen 27 überlebten (13 in Zoos und Auffangstationen, 14 in spezialisierten Brutzentren).

Küken und Ammengeier © EGS Haringsee

1978 fassten die VCF und Partner den Entschloss den dort ausgestorbenen Bartgeier in den Alpen wiederanzusiedeln. Hierzu wurden Brutzentren gegründet und 1986 die erste Nachzucht in Hohen Tauern, Österreich, ausgewildert. Da Bartgeier erst im Alter von 7-10 Jahren geschlechtsreif werden, dauerte es bis 1997, bis der erste wilde Bartgeier in den Alpen schlüpfte. Seitdem kann das Wiederansiedlungsprojekt als eines der größten Erfolgsgeschichten weltweit bezeichnet werden!!! Das Wiederansiedlungsprojekte wurde auf Frankreich und Spanien ausgeweitet und findet immer mehr Partner und Unterstützer – aktuell über 40. Bis Ende 2021 konnten insgesamt 344 Nachzuchten ausgewildert werden. Ich bin gespannt, wie viele der 27 aktuellen Küken dieses Jahr hinzukommen.

Montag, 25. April 2022

Königsgeierküken ist ein Männchen und heißt Viktor

Endlich wieder neue Bilder von dem wunderschönen, knuffigen Königsgeierküken aus dem Zoo Dortmund und spannende Informationen von Marcel Stawinoga/Der Zoolotse.

Mittlerweile ist das Geschlecht des jungen Königsgeiers bekannt. Da das Geschlecht von Königsgeiern äußerlich nicht zu erkennen ist, wurde es durch eine DNA-Analyse anhand der Eischale bestimmt, die der Junggeier am 28. Februar durchbrochen hatte. Das Ergebnis: Der Königsgeier ist ein Männchen. Die zuständigen Tierpfleger gaben dem Küken daraufhin den Namen Viktor.

Königsgeierküken Viktor (c) Marcel Stawinoga/Der Zoolotse

Viktor macht sich gut und auf dem Foto anbei ist er bei einem seiner regelmäßigen Ausflüge an die frische Luft zu sehen, wo er unter Aufsicht ein wenig natürliches Sonnenlicht abbekommt, was für eine gesunde Entwicklung wichtig ist. Ansonsten ist Viktor in einem Gehege hinter den Kulissen untergebracht, wo Tierpfleger den Neuweltgeier derzeit großziehen.
Da das Königsgeier-Paar in der Vergangenheit mehrfach sein Gelege selbst beschädigt hatte, entschloss sich der Zoo das am 9. Januar gelegte Ei in einer Brutmaschine auszubrüten und anschließend das 50 Tage später geschlüpfte Küken selbst aufzuziehen. 

(c) Stella Gehrmann

So sah Viktor übrigens am fünften Tag nach seinem Schlupf aus:

(c) Tim Fischer

Natürlich kann ich es kaum erwarten noch viel mehr Bilder und Infos von dem süßen Schätzchen zu erhalten! Die Facebookseite des Zoo Dortmund habe ich schon lange abonniert und kann sie euch nur bestens empfehlend!!!