Dienstag, 14. Juni 2022

Rund um den Königssee und St. Bartgeierlomä

In diesem Jahr hatte ich mir vorgenommen nochmal den köstlichsten aller Kaiserschmarrn in St. Bartholomä am Königssee zu verspeisen, auch wenn mich die Fahrt mit dem Touriboot etwas abschreckt. Ich wusste zwar auch, dass das Boot noch weiter als bis St. Bartholomä fährt und am Obersee eine alte Fischerhütte als ultimatives Postkartenmotiv dient, aber so richtig aufraffen konnte ich mich bisher nicht, dafür eine Stunde Bootsfahrt in Kauf zu nehmen. Was mir allerdings erst jetzt bewusst wurde: Wenn man von der Endstation aus ca. 1,5 Stunden wandert, kommt man zum Röthbachfall, dem mit 470 m Fallhöhe größten Wasserfall Deutschlands und Nr. 13 weltweit!!! Nachdem mir eine LBV- und Nationalpark Berchtesgaden-Angestellte vom Bartgeierprojekt bestätigte, wie wunderschön die Gegend dort ist, war dies mein Plan für den ersten sonnigen Tag an einem Nicht-Wochenende. Beim Frühstücksgespräch vor einigen Tagen hatte mir zudem ein nettes Ehepaar erzählt, dass es mal Studenten gab, die beim berühmten "Echo vom Königssee" in den Bergen gesessen und ein völlig falsches Echo zurückgetrötet hatten. Daumen hoch für geniale Kreativität! Irgendwie bekam ich plötzlich richtig Lust auf die Tour und heute ging es dann endlich los. Das Echo blieb allerdings leider "normal".
Da ich richtig früh auf den Beinen war, konnte ich ein Ticket für das zweite Boot ergattert, das zum Glück nur 5 min nach dem ersten startete - nicht erst 30 min später laut Fahrplan. Überhaupt war ich überrascht, dass eine halbe Stunde vor Fahrtbeginn bereits das erste Boot ausgebucht war. Die Spiegelungen in St. Bartholomä waren herrlich und etwa die Hälfte des Bootes stieg bereits auf der Hinfahrt dort aus. Ich fuhr allerdings weiter, bevor der große Touri-Ansturm kommt.
Auf der Zielgeraden am Ende des Königssees. Die Haltestelle Salet ist in Sicht.
Der Obersee ist nur per Boot über den Königssee oder per Tageswanderungen zu erreichen, so dass sich die wenigen Mitfahrer im Boot gut verteilten. Jeder bekam sein Postkartenbild, jeder fotografierte jeden auf dem Steg und überhaupt war die Atmosphäre richtig schön: Kollektives, andächtiges Staunen über diesen wunderschönen Flecken Erde!
Kaum zu glauben, dass sich auf dem Rückweg ein paar Stunden später die Menschenmassen dort tummelten und zwei Fettel a la Ballermann in knappen Badeklamotten fett und breit auf dem Steg lagen und bewusst allen Leuten ihr Foto versauten! Wirklich traurig, was ich manchen Köpfen vor sich geht. Umso besser die Entscheidung direkt morgens früh dort hinzufahren, um möglichst viel Ruhe und Frieden genießen zu können!
Die Wanderung entlang des Obersees ist nämlich wunderschön, das Wasser glasklar in herrlichen unterschiedlichen Grün- und Blautönen, dazu die Spiegelungen... einfach traumhaft schön!
Auch ein dicker Hüpfer sprang mir über den Weg, bevor ich das Ende des Sees erreichte.
Am anderen Ende des Sees kann man entweder zur Fischunkelalm-Hütte gehen oder weiter zum Röthbachfall. Die Wanderung dorthin dauert nochmal ca. 25 Minuten und führt durch ein traumhaftes Tal, das mir praktisch noch besser gefallen hat als der Wasserfall selber. Dieser befand sich nämlich im Schatten und war kaum zu fotografieren. Allzu nah kommt man auch gar nicht heran. Man kann zwar bis zu den Bäumen gehen, aber von dort sieht man nur noch den oberen Teil des Wasserfalls.
Der Blick zurück durchs Tag gefiel mit aufgrund der perfekten Farben viel besser - vor allem mit dem Wildbach im Vordergrund. Ich war einfach nur platt und verstehe jetzt endlich, warum so ein Kult um die Fahrt über den Königssee gemacht wird. 
Auf dem Rückweg steht der Blick auf den Obersee im Fokus und wieder spiegelt er seine herrliche Umgebung.
Die Wanderung zurück zum Bootsanleger, mittlerweile Mittagszeit, war allerdings kein Spaß mehr. Mir kamen nicht endende Horden entgegeben, einige Schulklassen und viel Trubel. Ca. 15 min geht der Wanderweg über enge, steinige, rutschige Felsstufen direkt oberhalb des Sees entlang. Bei Gegenverkehr keine angenehme Sache. Da der Weg dort am engsten ist, stauten sich die Mengen dort richtig und natürlich kann man die Aussicht dabei nicht mehr genießen geschweige denn in Ruhe Fotos machen. Also morgens früh alles richtig gemacht und mittags lieber abhauen.
Blinder Passagier an Bord.
Weil es deutlich früher als erwartet war, stieg ich auf der Rückfahrt in St. Bartholomä aus, das ich lieber St. Bartgeierlomä nenne. Auch hier ist rund um den Biergarten und den Bootsanleger viel Betrieb, aber das ändert nichts an der Schönheit des Örtchens, das ebenfalls nur per Boot oder anspruchsvoller, langer Bergtour zu erreichen ist.
Vor allem der Wanderweg am Seeufer entlang ist traumhaft schön, da das Wasser auch hier glasklar ist und angeschwemmte tote Baumstämme und Äste die Szenerie perfekt machen. Der Königssee gehört übrigens zu den saubersten Seen Deutschlands und ist nach dem Bodensee der zweittiefste.
Nach dem etwa halbstündigen Rundweg war es endlich soweit: Zeit für den allerbesten Kaiserschmarrn im Berchtesgadener Land!!! Schon der Teig selber mit Puderzucker bestäubt schmeckt köstlich! Dazu gibt es aber Pflaumenmus, Apfelmus und ein paar Dekofrüchte. Eine perfekte Kombination und jeden (überteuerten) Cent wert!!!
Gut gestärkt gönnte ich mir noch etwas Geierwatching per Webcam. Die beiden Geiermädchen zofften sich allerdings und quiekten und schnatterten dabei aufgeregt. Die meisten Nickeligkeiten gingen eindeutig von Recka aus, während Dagmar einige Schnabelhiebe und Flügelschläge einstecken musste.
Nach der Rückfahrt von St. Bartholomä nach Schönau wanderte ich noch den Malerwinkelrundweg, von dem aus man nochmal einen tollen Blick über den Königssee hat. Wenig später teilte ich meine Sitzbank mit einem netten Wanderer und wir kamen bald ins Gespräch über Bartgeier und die Natur im Allgemeinen. Die Zeit verging dabei wie im Fluge. Im letzten Jahr konnte ich an dieser Stelle noch das Echo vom Königssee hören. Heute waren die Wetterbedingungen anscheinend nicht optimal, so dass das Echo nicht bis zu uns rüber kam. Aber auch ohne Echo spricht der Ausblick für sich!
Heute habe ich defintiv meinen Frieden mit dem Touri-Chaos am Königssee geschlossen, denn diese wunderschöne wahnsinns Landschaft ist einfach ein Highlight!!!

Montag, 13. Juni 2022

Zwei Tage (fast) geierfrei

Gestern trennte ich mich schweren Herzens von den beiden Bartgeiermädchen im Nationalpark Berchtesgaden und fuhr nach Bad Reichenhall. 2021 bin ich nicht hier gewesen, aber dieses Jahr wollte ich etwas Nostalgie aufleben lassen und nach rund 30 Jahren nochmal mit dem Predigtstuhl fahren. Alter Schwede, hätte ich mir vorher die Preise angeschaut, hätte ich das definitiv nicht gemacht! Auch wenn es sich um die "älteste im Original erhaltene, ganzjährig verkehrende Großkabinenseilbahn der Welt" handelt, der Preis für die Berg- und Talfahrt ist schlicht weg FRECH!!! Eigentlich hätte ich rückwärts wieder abhauen müssen, was vermutlich viele machen, da die ersten 30 min auf dem Parkplatz kostenlos sind. Aber irgendwie wollte ich dennoch schauen, ob sie noch genauso spektakulär ist, wie ich sie als Kind in Erinnerung hatte. Mag sein, dass ich wegen des Preises muffelig war, aber meine Erinnerungen passten nicht zu Realität. Ich hatte die Kabinen größer in Erinnerung und die Fahrt höher bzw. spektakulärer. Nach 10 Minuten waren wir oben angenommen und nichtmal an den Pfeilern hatte ich weiche Knie - also nichts im Vergleich zur Untersbergbahn, wo ich mir vor ein paar Tagen fast ins Hemd gemacht hätte. Echt schade, bei fast dem doppelten Preis! Selbst die neu gebaute Jennerbahn ist wesentlich günstiger bei längerer Fahrzeit. Nichtmal mit der Berchtesgaden Card gibt es Rabatt, sondern nur einen Verzehrgutschein für das sicherlich genauso überteuerte Restaurant. Sorry, Bad Reichenhall, aber das ist einfach nur elendige Abzocke!
Die Aussicht bei Bombenwetter war natürlich klasse und an der Bergstation gab mir ein netter Mann Tipps für Wanderungen unterschiedlicher Länge. Ich entschied mich für die Alpinrundtour, bei der es erst ein Stück bergab zur Almhütte in der Schlegelmulde geht und dann hoch auf den Hochschlegel. 
 
Blick auf die Almghütte. Auf den Hochschlegel führt zwar ein Skilift hinauf, der allerdings außer Betrieb war. Also ging es zu Fuß bis zum Gipfel auf 1.688 m.
Kurz unterhalb des Gipfels gibt es einen Abflugplatz für Paraglider. Da sich von ihnen kaum einer die frechen Preise für den Predigtstuhl leisten kann (und will), kraxeln die meisten zu Fuß den Berg hoch. Muss echt doof sein, wenn man nach Stunden oben ankommt und dann die Windverhältnisse plötzlich wechseln. So erging es einem Flieger, der wegen Seitenswindes nicht mehr starten konnte. Hoffentlich hat er später noch die Gelegenheit bekommen.
 
Der Wanderweg führt weiter den Berggrat entlang bis zum Gipfel des Karkopf auf 1.738 m. Dort kreiste einer der glücklichen Flieger, der noch vor Wechsel der Windrichtung starten und die Thermik nutzen konnte.
So schön die Wanderung und die Aussicht auch war: Predigtstuhl - NIE WIEDER!!! Ja, es ist Urlaub und ja, ich leiste mir auch mal Dinge, ohne zu sehr über den Preis nachzudenken. Aber 49 Euro für eine klapperige Holzseilbahn mit 10 min Fahrzeit waren vermutlich das Idiotischste der letzten Jahre! Wirklich schade, wie man durch grenzenlose Gier den Spaß an so einer Kultseilbahn so gründlich versauen kann!
Anschließend schaute ich mir die Fußgängerzone von Bad Reichenhall an, an die ich kaum Erinnerungen hatte. Hier war ich aber wirklich positiv überrascht, obwohl es Sonntag war und außer Cafés alles geschlossen hatte. Am besten fand ich den wunderschönen, gepflegten, kostenlosen Kurgarten mit den vielen gemütlichen Sitzgelegenheiten und der herrliche Saline.
Nach Stunden in der prallen Sonne tat die erfrischende, kühle Luft unheimlich gut und ich wäre fast in meinem Holzliegestuhl eingeschlafen! Interessanterweise war die Luft aber nur an einer Seite der Saline kühl. Auf der Rückseite war die Luft schwül und stickig. Wäre Bad Reichenhall etwas schneller zu erreichen, würde ich jeden Tag nach den Wanderungen dort an der Saline entspannen!
Am nächsten Tag war leider wieder Regen angesagt, so dass ich erst gemütlich auf meinem Zimmer abhing und die Bartgeiermädchen per Webcam beobachtete. Die Qualität ist wirklich klasse. Irgendwann zog es mich dann Richtung Schönau am Königssee, wo ich ein wenig durch die Touri-Läden bummeln wollte. Letztes Jahr hatte ich in einem der beiden Sportläden zugeschlagen. Diesmal war es zwar weniger erfolgreich, aber bei dem Wetter immerhin nicht überlaufen. Allerdings finde ich es mies, dass es überall Murmeltiersalbe gibt. Da habe ich doch lieber tagelangen Muskelkater, als dass wegen mir süße Murmeltiere getötet werden!!! :-(
Ein paar Häppchen durften natürlich nicht fehlen und ein Frozen Yoghurt geht immer. Außerdem gönnte ich mir diesmal einen kleinen Abstecher in das Romy Schneider Museum. Zwar wird dort ausführlichst erklärt, dass Romy Schneider gar nicht so glücklich über ihre Paraderolle als Sissi war, aber mir geht trotzdem bei Sissi und Franzl das Herz auf.
Nach einem weiteren Abstecher zu einem Intersport Laden kam plötzlich die Sonne raus. Also fuhr ich nochmal nach Ramsau und verschlag einen köstlichen Flammkuchen, bevor es zurück im die Unterkunft ging. Unterwegs konnte ich mir natürlich diverse Blicke in die Bartgeier-Webcam des LBV nicht verkneifen. Die Möglichkeit unsere beiden Bartgeiermädchen rund um die Uhr beobachten zu können, ist einfach klasse!

Samstag, 11. Juni 2022

Besuch bei Dagmar und Recka

Heute Morgen schien bereits die Sonne und ich freute mich auf den ersten Besuch bei den beiden Bartgeiermädchen Dagmar und Recka im Nationalpark Berchtesgaden. Direkt neben meiner Unterkunft geht ein Wanderweg hoch zur Halsalm, der angeblich sogar schöner und vor allem leichter zu besteigen ist als der Standardweg hinten vom Klausbachtal aus. Also ließ ich den Wagen stehen, schnappte mir Barty und machte mich zu Fuß auf den Weg zu den Geiern.
Unterwegs hatte ich zwischen den Bäumen eine herrliche Sicht auf den Hintersee und kam sogar an zwei Wasserfällen vorbei.
Nach etwa einer Stunde erreichte ich die Halsalm und war von dem Weg sehr begeistert. Natürlich muss man auch hier etwa 500 Höhenmeter überwinden, aber auf viel angenehmere, wesentlich weniger steile Art und Weise. Letztes Jahr war ich vom Klausbachtal aus über die Alm gelaufen und am Hintersee wieder runter, aber der Abstieg war ab der Weggabelung sehr unangenehm. Es ging nämlich in einer Art Schmelzwasserabflussrinne unter und man musste bei jedem Tritt auf die großen Steine achten. Jetzt weiß ich: Wäre ich geradeaus weitergelaufen, Richtung Triebenbach, wäre der Weg zwar ein Stück am Hintersee vorbei gegangen, aber dafür also "vernünftiger" schmaler Wanderweg ohne Stolperfallen. Ich denke die Strecke werde ich beim nächsten Geierbesuch wieder laufen.
Die Halsalm ist sehr idyllisch gelegen und die Kühe passen perfekt ins Bild. Auch eine Gastronomie hat dort geöffnet, so dass man sich bei diesem herrlichen Panoramablick auf die Berggipfel oder den Hintersee sogar stärken könnte.
Ich querte die Alm allerdings nur und machte mich auf der anderen Seite auf den Abstieg. Nur wenige Minuten unterhalb der Alm ist nämlich der Bartgeier-Infostand direkt am Wanderweg gelegen.
Sowohl LBV als auch der Nationalpark haben wieder ein super Team aus Praktikanten und Helfern zusammengestellt, von denen einer netter ist als der andere. Und alle teilen die Begeisterung für die wunderschöne Natur und natürlich die knuffigen Bartgeier! Auch Toni kam kurze Zeit später am Infostand vorbei, als gerade Hochbetrieb mit über 10 Leuten zur gleichen Zeit war. Durch zwei Teleskope, Spektive oder was auch immer können die beiden Bartgeiermädchen in ihrer Felshöhle beobachtet werden. Außerdem gibt es einiges Bild- und Infomaterial.
Stundenlang Fragen zu Geiern beantworten und andere Leute mit unserer Faszination anstecken, Barty und ich waren voll in unserem Element! Weil immer wieder Wanderer vorbeikamen und die beiden Helfer so nett waren, blieb ich deutlich länger am Infostand als geplant. Hier kann ich einfach viel besser helfen als unten beim Beobachtungszelt, obwohl natürlich auch dort die Arbeit viel Spaß macht. Irgendwann riss ich mich aber los und ging weiter bergab, durch die Halsgrube und hinten wieder ein Stück bergauf, um bei den Beobachtern vorbeizuschauen. Unterwegs traf ich Hans und Franziska von der VCF sowie Hansruedi, die gerade Abschied von den Geiern genommen hatten, bevor sie morgen ihre Heimreise in die Schweiz bzw. die Niederlande antreten. Klasse, dass wir uns noch verabschieden konnten!
Auch das Beobachtungsteam rund um Michi, Silke und Lukas war sehr nett und die Zeit verflog, während wird jede Bewegung der Geier beobachteten und dokumentierten. Die beiden Geiermädchen saßen die meisten Zeit nah beieinander. Allerdings wollte es mir einfach nicht gelingen durch das Teleskop Fotos zu machen. Ich werde wohl hin und wieder mal die LBV-Bartgeier-Webcam einschalten müssen, um mir Screenshots von den Geiern zu sichern.
Nachmittags machte ich mich an den steilen, unangenehmen Abstieg ins Klausbachtal, um über den Hintersee zurück zu laufen. Allerdings nicht, ohne mir unterwegs eine köstliche Ration Kaiserschmarrn zu gönnen!