Mittwoch, 6. Januar 2021

Heilige 3 Könige

Auch dieses Jahr möchte ich die Heiligen 3 Königsgeier ehren!

Anstatt Gold, Weihrauch und Myrrhe von ihnen zu erwarten, würde ich ihnen am liebsten Fleisch, Sehnchen und Eingeweide überreichen!

Samstag, 2. Januar 2021

VulPro-Jahresrückblick

Nachdem es 2020 leider nicht mit einem weiteren Besuch bei VulPro in Südafrika geklappt hat, möchte ich gerne dennoch die tolle Arbeit trotz massiver Einschränkungen aufgrund von Corona vorstellen.

VulPro konnte 2020 insgesamt 101 Vögel retten, darunter 66 Kapgeier und 15 Weißrückengeier. 28 Kapgeier und 4 Weißrückengeier konnten nach erfolgreicher Genesung wieder freigelassen werden! Ein toller Erfolg, denn beide Geierarten sind vom Aussterben bedroht, so dass es wirklich auch jedes einzelne Individuum ankommt! Die Geier, die nicht mehr in freier Wildbahn allein überleben könnten, dürfen in den großen Volieren von VulPro bleiben und hoffentlich eines Tages am Brutprogramm teilnehmen. Bei VulPro verpaaren sich nämlich bereits seit vielen Jahren auch Krüppelgeier, die z. B. nach Kollisionen mit Stromleitungen einen oder beide Flügel nach schweren Knochenbrüchen amputiert bekommen mussten. Ihr Küken sind jedoch körperlich gesund und können später freigelassen werden. So kann auch durch das dauerhafte Versorgen verletzter, verkrüppelter Geier ein Beitrag zum Erhalt dieser tollen Tierart geleistet werden. Leider hatten einige Geier aber noch weniger Glück. Entweder verstarben sie oder mussten aufgrund ihrer schweren Verletzungen eingeschläfert werden.

Um verletzte Geier frühzeitig versorgen zu können, hat VulPro mittlerweile ein super Netzwerk von aufmerksamen Farmern und Helfern, die im Falle eines verletzten oder geschwächten Geiers sofort VulPro informieren. Viele trauen sich sogar die Geier an einen sicheren Ort zu bringen, bis das VulPro-Rettungsteam oder freiwillige Helfer den Geier einsammeln. Manchmal müssen die Geier allerdings auch in Siedlungen, im Busch oder an ungewöhnlichen Orten erstmal gesucht und gerettet werden. Mitte Dezember war zum Beispiel ein junger Kapgeier, vermutlich auf einem seiner ersten Flüge, im Hartbeespoort Dam nahe VulPro gelandet.

Teppich aus Wasserhyazinthen auf dem Hartbeespoort Dam

Der große Stausee ist seit Jahren so verschmutzt, dass große Teile des Sees von einer beinahe undurchdringlichen Schicht aus Wasserhyazinthen zugewuchert sind. Ich habe es selber gesehen, man könnte den Stausee an diesen Stellen für eine riesige Wiese halten. Auch dem jungen Geier war vermutlich klar, dass es kein sicherer Ort zum Landen ist und brauchte dringend Hilfe.

Ein junger Kapgeier ist versehentlich im zugewucherten Stausee gelandet

Mit Hilfe eines speziellen Bootes konnten zwei lokale VulPro-Volunteers zum Geier gebracht und das Tier gerettet werden. Nur zwei Wochen später, ausgerechnet Heiligabend, ereignete sich ein weiterer ähnlicher Vorfall und wieder konnte der Geier Dank des tollen, engagierten Handels vieler Helfer heil eingesammelt und nach VulPro gebracht werden.

Dieser junge Pechvogel hat nochmal Glück gehabt und konnte gerettet werden

Die deutschen Wintermonate sind in Südafrika mit der Rehab-Saison gleichzusetzen, denn die geschlüpften Küken werden nun flügge und verlassen das sichere Nest. Dabei überschätzen sie manchmal ihre Kräfte und müssen dehydriert und entkräftet notladen. Andere sehen sich erstmals mit den alltäglichen Gefahren in einem Geierleben konfrontiert und kollidieren mit Stromleitungen oder elektrischen Zäunen. Anfang Dezember wurde leider ein toter Junggeier der Skeerpoort Kolonie entdeckt, den sein vermutlich erster Flug direkt in eine Stromleitung nahe der Kolonie trieb. Dort starb er durch Stromschlag an einem Strommasten.

 

Besonders tragisch ist die Tatsache, dass die Strommasten nahe der Kolonie früher Geier-sicher gebaut waren. Vor 2 Jahren hat Strombetreiber Eskom allerdings aus unerklärlichen Gründen entschieden die einst sicheren Strommasten in gefährliche T-Strukturen zu ändern. VulPro steht in engem Kontakt mit Eskom, da es immer wieder zu Geierverlusten durch ungesicherte Stromleitungen und -masten gibt. Sobald eine geschützte Tierart nachweislich dort stirbt, muss Eskom umgehend handeln und die Konstruktionen sichern. Meistens wird dabei aber nur der betroffene unsichere Strommast umgebaut, an dem ein Geier gestorben ist, aber nicht die anderen unsicheren Strommasten in unmittelbarer Umgebung. Nachdem VulPro vor zwei Jahren bei Eskom nachfragte, warum ausgerechnet nahe der Kolonie diese gefährlichen Umbauten durchgeführt wurden, kam keine zufriedenstellende Antwort. Irgendwann wurden die Masten zwar isoliert, aber ganz offensichtlich nicht richtig, wie dieser arme Pechvogeln nun feststellen musste. Solche Verluste sind einfach nur unnötig und basieren absolut auf unverantwortlichem Handeln entgegen besseren Wissens!

Immer wieder kommt es zu Unglücken durch Stromleitungen. Mitte November erhielt VulPro die Info, dass eine umgestürzte Stromleitung einen Büffel durch Stromschlag getötet hatte. Leider starb in diesem Zusammenhang auch einer von VulPros Geiern mit GPS-Sendern, der vermutlich von dem Geier fressen wollte und dabei ebenfalls durch Stromschlag starb. Am gleichen Tag verstarb sogar noch ein weiterer Geier nach einer Kollision mit einer Stromleitung.

Bei der Arbeit mit Geiern kommt es leider fast jeden Tag zu traurigen Rückschlägen und Verlusten. Umso mehr ziehe ich meinen Hut vor dem tollen Team von VulPro, das sich dennoch immer wieder aufrafft für die letzten verbliebenen Geier in Südafrika zu kämpfen!!! Viele Mitglieder und freiwillige, lokale Helfer habe ich über die Jahre kennen und schätzen gelernt. Ihr glaubt gar nicht wie sehr ihr mir fehlt!

Es ist toll mit anzusehen, wie sich VulPro mit den Jahren weiterentwickelt und wie groß der Bekanntheitsgrad im Land mittlerweile ist. Dadurch werden immer häufiger Geierunglücke gemeldet und immer mehr Geier können gerettet werden. Zum Glück sehen viele Einheimische den Nutzen der Geier für die Umwelt und unterstützen gerne das Projekt, indem sie sich als Fahrer bereitstellen, um die Geier aus jedem Winkel des Landes einzusammeln. Eine Rundfahrt von 10 Stunden am Tag ist dabei keine Seltenheit und letztendlich weiß man nie, ob der Geier bei Ankunft überhaupt noch lebt. Dem großen Dank von VulPro an seine Unterstützer kann ich mich daher nur von ganzem Herzen anschließen!!!

Und einen riesen Dank an meine Geier-Schwester und VulPro-Gründerin Kerri, die mit ihrer Vision dies alles erst ermöglicht hat!!!

Alle Bilder (c) VulPro

Freitag, 1. Januar 2021

Letzter Gruß an 2020

Ich weiß, man sollte nicht nachtreten, aber dieses alte Bild ist einfach zu passend: Mein letzter Gruß an 2020! ;-)

Frohes Neues Jahr!!!

Donnerstag, 31. Dezember 2020

Bye, bye, 2020 - mein eigener Jahresrückblick!

Heute geht endlich ein durchaus bescheidenes Jahr zu Ende und ich zähle definitiv nicht zu den Leuten, die glauben, dass durch den Jahreswechsel plötzlich alles super wird, Corona verschwindet, wir dürfen Freunde treffen und alle haben sich wieder lieb... Aber ich möchte das Jahr dennoch irgendwie positiv abschließen und habe mir überlegt, was mich in 2020 trotz allen Ranzes gefreut hat. Die Liste ist mit Sicherheit nicht vollständig, aber ich bin sehr überrascht, dass mir aus dem Stehgreif dennoch so viel eingefallen ist!

Das Jahr begann in meiner zweiten Heimat Südafrika im Geierschutzprojekt VulPro. Zwar bin ich am 03.01.2020 abgereist, aber immerhin konnte ich so in diesem Jahr überhaupt etwas Geierluft schnuppern. Die weitere Kommunikation mit anderen Geierprojekten, die ich in 2020 besuchen wollte, hat richtig Lust auf neue Abenteuer gemacht. Zwar sollte es 2020 mit einem Besuch vor Ort nicht sein, aber ich kann es kaum erwarten dies nachzuholen.

Im Februar besuchte ich Papageier und seine Dame im Zoo Duisburg. Trotz Jahreskarte blieb es leider mein einziger Besuch in diesem Jahr. Hoffentlich sehe ich Papageier bald wieder, wenn der ganze Lockdown-Mist endlich ein Ende findet und Zoos wieder öffnen dürfen.

Im März feierte mein Geierblog sein 10-jähriges Bestehen und auch wenn hier und da mal eine Schreibblockade kommt, in diesem Jahr sogar eine monatelange, so bin ich dennoch wahnsinnig stolz auf mein "Lebenswerk" und die Möglichkeit die vielen tollen Geschichten aus der Geierwelt mit euch teilen zu können. Ich kann mich noch immer an jeden Moment unter Geiern in Kroatien, im Sommer 2010, erinnern, als mein aktiver Geierschutz endgültig startete und mein Leben sehr positiv verändert hat.

Im April lag ich Ostersonntag auf einem Liegestuhl im Garten meiner Schwester und sah hoch oben am Himmel plötzlich 7 riesige Vögel kreisen. Auch heute sagt mir mein Geieradrenalin, dass es sich dabei um wilde Gänsegeier gehandelt hat! Über Schwestis Garten am Niederrhein!!!

Während der Arbeit mit Geiern gibt es immer wieder tolle, rührende Augenblicke, mit denen ich nicht gerechnet hätte und die einfach gut tun. So wurde ich im Mai persönlich eingeladen die flauschigen Rabengeier besuchen zu dürfen, die vom Zoo Dortmund in die Adlerwarte Berlebeck umgezogen waren.

Im Juni lernte ich nicht nur die wunderschöne Stadt Leiden während eines Kurztripps in die Niederlande kennen, sondern verbrachte auch ein paar Stunden bei den vielen Sperbergeiern im Avifauna Vogelpark.

Am Sisterhearttag im Juli ging dann ein Traum in Erfüllung, als ich im Weltvogelpark Walsrode den weltberühmten Leichenspürgeier, Truthahngeier "Sherlock", persönlich auf den Arm nehmen durfte. Mir kommen bei dem Gedanken noch immer vor Freude die Tränen!

Und während ich meinen fast gesamten Jahresurlaub ohne Geier in den Niederlanden verbrachte, wurde ich im August dort als Trost zum tollen Projekt "Wings of Change" eingeladen, wo unter anderem verschiedene Geierarten Personen mit geistigen oder körperlichen Behinderungen zu etwas mehr Lebensfreude verhelfen.

Auch den Weltgeiertag konnte ich zwischen den Lockdowns tatsächlich mit meiner Schwesti unter Geiern verbringen, im tollen Snavel's Rijk des DierenPark Amersfoort mit seinen zahlreichen Gänsegeiern und Marabus. Der Weltgeiertag wird übrigens immer am ersten Samstag im September gefeiert! Save the date!!!

Im gleichen Monat erhielt ich Beweisfotos von Fulvio aus Italien, dass meine geliebte Patengeierin "Betty" wieder an einer Futterstelle gesichtet wurde! Ach 10 Jahre, nachdem wir sie in Kroatien als abgestürzten Junggeier aus dem Meer gefischt hatten, geht es ihr noch immer bestens!!!

Im Oktober und November haben die vielen Einschränkungen schließlich so sehr an meinen Nerven gezehrt, dass es schwierig war optimistisch zu bleiben. Vor allem, nachdem sogar meine letzte Geierhoffnung für 2020 abgesagt wurde, das Annual Bearded Vulture Meeting der Vulture Conservation Foundation (VCF) in Italien, das ich dieses Jahr gerne besuchen wollte. Allerdings hatte die VCF als Ersatz ein Online-Meeting organisiert, so dass ich trotzdem spannende Geier-Informationen meiner Freunde erhalten konnte.

Und im Dezember gelang mir dann gegen aller Erwartungen doch noch ein krönender Jahresabschluss: Ich habe es tatsächlich geschafft meinen Altjahresvorsatz einzuhalten und bis Jahresende alle Geierblogartikel nachzutragen, so dass mein Blog im neuen Jahr hoffentlich auch wieder regelmäßig und chronologisch gepflegt werden kann! In wenigen Wochen habe ich mehrere Dutzend Artikel teils rückwirkend bis Juni geschrieben und bin endlich wieder tief in die Geierwelt abgetaucht.

Auch wenn es in diesem Jahr leider nicht mit Geierurlauben geklappt hat, der Geierschutz läuft weiter! Alle Geierprojekte haben sich trotz aller Widrigkeiten weltweit den Hintern aufgerissen, um unsere gefiederten, krummschnäbeligen Lieblinge zu schützen und selbst wenn es nur aus der Ferne ist, kann ich zumindest dazu beitragen über diese tolle Arbeit zu berichten!!!

In diesem Sinne, zuversichtliches Aas hack und kommt gut ins neue Jahr!!!

Dienstag, 29. Dezember 2020

VCF-Jahresrückblick: Bartgeier

Ende des Jahres liefert die Vulture Conservation Foundation (VCF) einen Jahresrückblick, was im Schutz der vier Europäischen Geierarten erreicht werden konnte. Gerne werde ich die Infos übersetzen und hier zusammenfassen. Der letzte Teil des Jahresrückblicks befasst sich mit Europas seltenster Geierart, dem Bartgeier.

Junger Bartgeier vor Auswilderung (c) Handruedi Weyrich, VCF-Webseite

Aufgrund der Corona-Pandemie hatte das Wiederansiedlungsprojekt des Bartgeiers unter der Leitung der VCF seine größte Krise seit Start des Projektes in 1978. Mit großem Einsatz aller Projektpartner konnte ein Notfallplan entwickelt und das Projekt trotz aller Widrigkeiten fortgeführt werden. Da bei Problemen während der Kükenzucht dieses Jahr ein spontaner Transport zu Ammen-Eltern über Landesgrenzen hinaus nicht möglich war, wurden zwei neue Vorgehensweisen eingeführt: Wenn Geiereltern ihr Jungtier nicht vernünftig annehmen und füttern wollten, wurde innerhalb des Nests eine Box errichtet, um das Küken zu schützen. So kann es weiterhin visuellen Kontakt zu seinen Eltern halten, dies können aber nicht verletzten oder sogar töten. Die zweite Neuheit betraf Bartgeier, die zwei Eier legten. In der Natur würde das ältere Küken das jüngere bekämpfen und töten (Kainismus), um selber zu überleben. Daher wird normalerweise in Brutcentren das zweite Ei einem Adoptiv-Elternpaar untergeschoben. Da dies aufgrund der Reisebeschränkungen 2020 nicht möglich war, wurden in Brutcentren einfach zwei Nester getrennt durch einen hölzernen Sichtschutz angelegt, damit sich die Küken nicht gegenseitig sehen können. Die Geiereltern haben sich dabei weiterhin um beide Küken gekümmert.

Insgesamt haben 41 Bartgeier-Paar in 2020 zusammen 71 Eier gelegt aus denen 38 Küken geschlüpft sind, von denen 25 überlebt haben. Zur Kükenaufzucht in Corona-Zeiten wurde ein toller Film zusammengestellt.

Bartgeier vor der Auswilderung in Andalusien (c) Junta de Andalucia, VCF-Webseite

Die Auswilderungssaison startete und endete in Andalusien. In Andalusien wurden 8 Bartgeier freigelassen, 9 Bartgeier im Rahmen des LIFE GypConnect Projektes (2x Vercors, 2x Barronies, 5x Französisches Zentral-Massiv/Grands Causses), 2 Bartgeier im spanischen Maestrazgo und 2 Bartgeier in den Schweizer Alpen. Bis auf zwei der ausgewilderten Geier geht es allen gut. Einer aus Maestrazgo wurde leider von einem Steinadler gekillt und ein anderer Geier in Frankreich illegal abgeschossen.

Die Brutsaison in freier Natur war ebenfalls sehr erfolgreich in 2020 mit einem neuen Rekord in den Alpen: Dort gab es 58 territoriale Paare mit 36 gesund ausgeflogenen Küken.

Bartgeier "Vigo" (c) Ashley James, VCF-Webseite

Alle ausgewilderten Bartgeier bekommen ein GPS-Gerät, um ihre Flugrouten und ihr Verhalten beobachten zu können. Dabei stachen 2020 einige Geier deutlich hervor. Einer davon ist Adonis, der nach zwei ausgiebigen Europa-Rundflügen wieder nach Südfrankreich heimgekehrt ist. Die größte Berühmtheit 2020 erlangte allerdings Bartgeier Vigo, der nach Großbritannien flog und dort zum großen Star wurde. Er ist nämlich erst der zweite Bartgeier, der je in Großbritannien gesichtet wurde. 3 Monate lang verzückte er Vogelfreunde und löste eine riesige Begeisterungswelle aus, bevor er seinen Heimflug nach Frankreich antrat.

Bartgeier-Pärchen mit Ei (c) VCF

Ende des Kalenderjahres ist die Bartgeier-Brutsaison 20/21 in Europas Gebirgen und im Netzwerk der Zuchtpartner bereits in vollem Gange. Dieses Jahr ging es in den Brutcentren besonders früh los mit einer ersten Kopulation Ende September und den ersten Eiern Ende November. Wollen wir alle hoffen, dass diese Brutsaison genauso erfolgreich wie in den Vorjahren verläuft und 2021 wieder viele junge Bartgeier ihren Weg in die freie Natur finden können!

Montag, 28. Dezember 2020

VCF-Jahresrückblick: Gänsegeier

Ende des Jahres liefert die Vulture Conservation Foundation (VCF) einen Jahresrückblick, was im Schutz der vier Europäischen Geierarten erreicht werden konnte. Gerne werde ich die Infos übersetzen und hier zusammenfassen. Der 3. Teil des Jahresrückblicks befasst sich mit dem Gänsegeier.

Aufgrund diverser Schutzprojekte steigt die Gänsegeier-Population in Ost-Europa deutlich an. Hierzu zählt das Projekt LIFE Re-Vultures, das sich mit dem Schutz des Gänsegeiers und der Mönchsgeier in den Rhodopen in Griechenland und Bulgarien befasst. Im letzten Jahr wurde in den östlichen Rhodopen der Meilenstein von 100 Gänsegeier-Brutpaaren mit über 70 geschlüpften Küken erreicht und es wird immer besser. Die Geier profitieren dabei unter anderem von der Wiederansiedlung von Paarhufern und Einrichtung von Geierrestaurants. Außerdem gibt es viele Anstrengungen gegen Giftköder vorzugehen und Stromschläge durch das Isolieren von Stromleitungen/-masten zu vermeiden. Da viele Gänsegeier mit GPS ausgestattet wurden, zeigte sich bald, dass junge Geier aus den Rhodopen bevorzugt nach Saudi Arabien fliegen.

Vor 10 Jahren startete das Projekt VULTURES‘ RETURN mit der Vision Gänsegeier im Norden Bulgariens wiederanzusiedeln. Dabei wurden genesene Geier aus Auffangstationen in Spanien und Frankreich nach Bulgarien gebracht sowie einige Nachzuchten von unterschiedlichen Projektpartnern. Gemeinsam mit dem Projekt Vultures Back To LIFE in Zusammenarbeit mit Green Balkans konnten bis heute 260 Gänsegeier ausgewildert werden. Mittlerweile gibt es wieder 15-18 Brutpaare in Vrachanski Balkan, 18-23 Paare in Ost Stara Planina und lokale Kolonien von 50-70 bzw. 80-100 Individuen.

Das Balkan Anti-Poisoning Projekt der VCF ist ein grenzübergreifendes Projekt bei dem Naturschützer, Regierungsvertreter und Stakeholder zur Bekämpfung von Gift in den Balkan-Ländern zusammengeführt werden. Im Rahmen dieses Projektes wurden 5 Gänsegeier in Messolonghi, Griechenland, mit GPS ausgestattet, nachdem es dort eine tragische Massenvergiftung gab. Die Gänsegeier-Kolonie in Messolonghi ist die größte auf dem griechischen Festland. Einer der Geier mit GPS flog bis nach Nord-Mazedonien und in den Iran.

Auf Sardinien erholt sich die Gänsegeier-Population Dank des LIFE Under Griffon Wings Projektes. Durch ein großes Netzwerk aus Farmern konnte viel Geierfutter bereitgestellt werden und das illegale Auslegen von Giftködern wird stark bekämpft. Außerdem wurden bereits 67 Gänsegeier aus Auffangstationen in Spanien auf Sardinien ausgewildert. Mittlerweile erholt sich die Population und stieg von 130 Individuen in 2013 auf über 250 in 2020.

Auf Zypern ist das Projekt LIFE with Vultures gestartet, um die mit nur 20 Exemplaren beinahe ausgestorbene Gänsegeier-Population zu schützen. 2020 hat die VCF eine Populationsgefährdungsanalyse durchgeführt, um das Risiko des Aussterbens in einer absehbaren Zeit zu bewerten und Maßnahmen zur Rettung der Spezies zu entwickeln.

Auf Mallorca wurden 2008 Gänsegeier eingeführt, die sich seitdem bestens an eingelebt und an die Landschaft der Insel angepasst haben. Mittlerweile brüten sie und teilen sich ihren Lebensraum mit Mönchsgeiern, die ebenfalls ihr Comeback auf Mallorca feierten. In einer Studie soll nun die Interaktion der beiden Geierarten analysiert und ausgewertet werden. Hierzu wurde ein junger Gänsegeier mit einem GPS-Sender ausgestattet.

Insgesamt entwickelt sich die Gänsegeier-Population in Europa gut. In Spanien gibt es etwa 30.000 Brutpaare, in Frankreich haben sich die Gänsegeier im ganzen Süden angesiedelt, in den bulgarischen Rhodopen sowie im Nordosten Italiens und in Israel steigt die Population ebenfalls langsam an. In Armenien konnten über 50 Brutpaare gezählt werden.

In Spanien konnten diese Jahr erstmalig Sperbergeier dabei beobachtet werden, wie sie versuchten sich mit Gänsegeiern zu verpaaren. Der Sperbergeier taucht in Andalusien mittlerweile offiziell als heimische Tierart auf. Damit verfügt Europa nun über 5 Geierarten!

Sonntag, 27. Dezember 2020

VCF-Jahresrückblick: Schmutzgeier

Ende des Jahres liefert die Vulture Conservation Foundation (VCF) einen Jahresrückblick, was im Schutz der vier Europäischen Geierarten erreicht werden konnte. Gerne werde ich die Infos übersetzen und hier zusammenfassen. Der 2. Teil des Jahresrückblicks befasst sich mit dem Schmutzgeier.

Schmutzgeier im Flug (c) Bruno Berthemy, VCF-Webseite

Der Schmutzgeier ist die kleinste der vier Europäischen Geierarten und die einzige, die weltweit als vom Aussterben bedroht gilt.

Das LIFE Rupis Projekt befasst sich mit dem Schmutzgeierschutz entlang der Grenze zwischen Portugal und Spanien in Douro. Ziel ist es die dortige Population zu stärken, die Sterblichkeitsquote zu verringern und den Bruterfolg zu erhöhen. Hierzu wurden mehrere Schmutzgeier mit GPS-Sendern ausgestattet, um ihr Verhalten und potentielle Gefahren besser analysieren zu können. Schmutzgeier sind die einzigen regelmäßig migrierenden Geier Europas, so dass sowohl ihre Brutplätze in Europa als auch ihre Flugroute und die Überwinterungsorte in Afrika überwacht werden müssen. In 2020 konnten Dank GPS sogar Geier beobachtet werden, die bereits vor 3 Jahren freigelassen wurden. Bei Schmutzgeier Rupis sendete das GPS-Gerät nach über einem Jahr plötzlich wieder Daten und zeigte somit, dass der Geier noch am Leben ist. Ein weiterer Geier wurde geschwächt in Portugal aufgefunden mit schweren Federschäden. Nach einer Federtransplantation und fast einem Jahr in einer Auffangstation, konnte er wieder freigelassen werden und erreichte dieses Jahr erfolgreich Afrika.

Das LIFE Egyptian Vulture project arbeitet fleißig daran den Status von zwei Schmutzgeier-Populationen in Italien (und auf den Kanarischen Inseln) durch klare Best Practice Vorgaben im Rahmen eines Brutprogrammes zu verbessern. 2020 wurden 4 Nachzuchten mit GPS-Sendern in Italien ausgewildert. Ein Junggeier musste gerettet werden, während die anderen Afrika erreichten.

Auf Sardinien gibt es das Projekt LIFE Under Griffon Wings zur Wiederansiedlung des Gänsegeiers auf der Insel. Durch die Erfolge des Projektes wurden auch Schmutzgeier angelockt, die auf Sardinien historisch gesehen nie heimisch waren. Ein Paar hat 2020 das zweite Jahr in Folge ein Küken großgezogen.

Auch in Bulgarien gibt es ein Schmutzgeier-Schutzprojekt unter dem Namen Egyptian Vulture New LIFE. Hier werden verschiedene Techniken zur Auswilderung von jungen Schmutzgeiern, die in Brutcentren geboren wurden, getestet. Diese Techniken umfassen die bisherige Hacking-Methode (mehrere Jungtiere werden gemeinsam in einer geschützten Felsnische freigelassen und ohne Menschenkontakt gefüttert, bis sie flügge werden), das „Unterschieben“ von Eiern in wilden Nestern bei Adoptiv-Geiern sowie eine „verspätete“ Freilassung in fortgeschrittenem Alter. Natürlich müssen noch weitere Erfahrungen mit mehr Schmutzgeiern durchgeführt werden, aber momentan scheint die verspätete Freilassung am erfolgversprechendsten.