Montag, 10. August 2015

Herzattacke im Bad

Bevor der heutige Tag bei LifeNeophron mit dem Beobachten von Schmutzgeiern und Gänsegeiern richtig bekann, sprang mir heute im Badezimmer etwas an die nackte Wade. Als ich mich vorsichtig umdrehe, sehe ich viele angewinkelte Beine, zu viele! Aus Reflex habe ich das Etwas fortgeschleudert und nur mühsam einen hysterischen Kreischanfall unterdrückt. Es wohnen ja noch andere im gleichen Appartment. Jedenfalls beruhigte sich der Puls wieder, als ich diesen prachtvollen Grashüpfer an der Wand sah. Hoffentlich habe ich ihm nicht weh getan, aber der Schreck war einfach zu groß.
Vormittags beobachtete ich das Schmutzgeiernest und die Gänsegeier, die ihre Kreise zogen. Irgendwann hörte ich ein lautes Flügelschlagen und das Rauschen des Windes in mächtigen Flügeln. Als ich mich umdrehe, flattert ein Schwarzstorch nur wenige Meter über meinen Kopf hinweg im Tiefflug. Toll!
In der Mittagspause im Geiercenter watschelte eine Schildkröte über den Parkplatz. Natürlich wollten wir ihr sofort helfen in Sicherheit zu kriechen. Dabei bekam ich eine interessante Info, die ich noch nicht wusste. Diese Schildkröte ist ein Männchen, da die Unterseite des Panzers leicht gebogen ist. Die Unterseite von Weibchen ist flach. Der einfache Grund: Beim Pimpern klettert das Männchen auf das Weibchen. Durch die Wölbung im unteren Panzer findet das Männchen besser Halt auf dem Rückenpanzer des Weibchens. Clever!
Nach kurzer Bewunderung hoben wir sie die Böschung hinauf, damit sie sich in der Hitze nicht überanstrengen muss. Nur wenig später wurde sie bereits 100 m weiter im Wald gesichtet. Ein ganz schön schnelles Vieh.
Nachmittags ging es dann zurück zum Beobachtungsposten, aber alle Geier waren zu weit weg für Fotos. Die beiden Küken flatterten aktvier denn je munter im Nest herum. Immer wieder hüpften sie, breiteten ihre Flügel aus und weckten den Wunsch sie zu kuscheln.

Sonntag, 9. August 2015

Jetzt gibts was auf den Schnabel

Nach gemütlichen sieben Stunden Schlaf im Appartment von LifeNeophron ging es heute früh wieder zur Beobachtung zum Schmutzgeiernest. Dort traf ich endlich mal wieder auf meinen liebgewonnenen Schwarzstorch.
Neben mir ließ sich eine Libelle im Gras nieder...
...während die Schmutzgeiereltern ein paar Mal frisches Aas zu ihren Küken brachten. Das große Küken war wieder recht aktiv, das zweite konnte ich diesmal leider nicht erkennen.
Zwischendurch wunderte ich mich, warum die Gänsegeier heute so tief fliegen. Ob sie neuerdings schlechtes Wetter vorhersagen können?
Aus der Ferne kündigte sich eine so laut und gruselige muhende Kuh an, sie würden mit Sicherheit jeden Synchronstimmenjob für den T-Rex von Jurassic Park bekommen! Offensichtlich kam sie mir näher, so dass ich schon Visionen von BSE-verdrehten Monsteraugen vor mir sah und überlegte, wie schnell ich wohl auf den mikrigen Baum neben mir hochkommen würde. Als das Vieh dann endlich auftauchte, war der Anblick eher ernüchternd. Diesen Gedanken strafte sie mit einem weiteren ohrenbetäubenden Grusel-Muuuuuuh.
Wenig später entdeckte ich dann den Grund, warum die Gänsegeier so tief flogen: Unten am Fluss muss wohl ein Aas rumliegen, denn auf einem Felsen am Flussufer hatten sich viele Gänsegeier versammelt, überm Fluss kreisten sie zu gut 20 und viele landeten am Strand.
Als ich mittags wieder eingesammelt wurde und von der Geierversammlung berichtete, fuhren wir runter zum Fluss, um nach dem Rechten zu sehen. Wir liefen den gleichen schönen Weg wie vor ein paar Tagen, aber noch weiter den Fluss entlang.
Die Gänsegeier hatten sich in der Zwischenzeit in zwei Schwärmen auf den Heimweg gemacht und kreisten noch mit über 30 Exemplaren am Himmel. Ein herrlicher Anblick!
Am Versammlungsort angekommen, sahen wir gerade noch, wie ein Seeadler (White-tailed Eagle) ein Gänsegeierkind attackierte. Zum Glück haute der Adler durch uns aufgeschreckt ab, während der Junggeier verängstigt seine Flügel bewegte, aber nicht richtig von der Stelle kam.
Vladi versuchte den Junggeier einzufangen, aber leider flatterte er quer durch eine Lücke in den Bäumen ab in den Fluss. An dieser Stelle ist der Fluss so tief und schnell, dass man ihn nicht überqueren kann. Zum Glück schaffte es der Geier mit verzweifelten Schwimmbewegungen ans andere Ufer und versteckte sich im Wäldchen. Diesen Überlebenskampf konnte ich zwar aus der Ferne nicht beobachten, aber es ist herzzerreißend. Vor allem, weil wir dem bildhübschen Tier auf dieser Seite vom Fluss nicht mehr helfen können. Es bleibt nur zu hoffen, dass er in Ruhe sein Gefieder trocknen kann und es schafft einen Felsen zu finden, von dem er starten kann. Leider sind die gerade erst flügge gewordenen Junggeier noch so unerfahren beim Fliegen, dass sie noch nicht genau wissen, worauf sie achten müssen. Wir vermuten, dass er seinen Eltern zum Aas (übrigens ein totes Kälbchen am Strand) nachgeflogen ist, sich zu sehr vollgefressen hat und dann nicht mehr starten konnte, als die anderen losgeflogen sind. Oder er hat es einfach nicht geschafft vom windstillen Boden aus zu starten, da er sich ja eigentlich auf eine gute Thermik verlässt. Jedenfalls hoffen wir, dass er überleben wird :-(
Ein Glück, dass wir rechtzeitig dort waren, bevor der miese Adler das Geierjungtier getötet hat. Wer weiß, ob er den Geier nicht bereits verletzt hat. Nachdem der Adler losgeflogen war, kam jedoch der Spaß des Tages!!!
Meinen beiden Schmutzgeiereltern vom Beobachtungsnest gefiel es gar nicht, dass so ein Raubtier in ihrem Territorium unterwegs war, vor allem in der Nähe ihrer hübschen Flauschküken. Seeadler können nämlich ohne weiteres einen jungen Schmutzgeier aus dem Nest schnappen und fressen. Daher zischten die beiden Schmutzgeiereltern wir Kampfjets heran und attackierten tapfer den Seeadler. Der Anblick war göttlich!!!
Immer wieder umkreisten sie gemeinsam den Seeadler oder flogen in Kampfformation auf ihn zu.
Pafff, kick, da gabs richtig eins auf den Schnabel!!! Richtig so, Rache für das Gänsegeierjungtier!!!
Obwohl die Schmutzgeier deutlich kleiner sind als ein Seeadler, sind sie dafür viel, viel schneller. Da hat so ein ungelenker Seeadler keine Chance. Volltreffer...
....und Absturz!!!
Natürlich konnte sich der Seeadler jedesmal wieder fangen, aber die beiden Schmutzgeier ließen nicht locker. Erst nach einer halben Stunde gaben sie Ruhe, als sie den Seeadler weit genug aus ihrem Gebiet gedrängt hatten.
Auf dem Rückweg entdeckten wir einen weiteren Junggeier in den Felsen sitzen, nahe des "Touri-Strandes". Hoffentlich wird er nicht von den Sonntagsausflüglern entdeckt und geärgert.
Am späten Nachmittag ging es dann nochmal ein paar Stündchen zum Schmutzgeiernest. Die beiden Küken waren im Nachmittagslicht richtig gut zu sehen. Es schien, als würde das ältere, größere Küken das kleine Küken immer motivieren aufzustehen und die Flatterversuche und Hüpfer des großen Bruders zu wiederholen. So flatterten sie immer wieder gemeinsam durchs Nest, aber der Größere blieb deutlich aktiver als der Kleinere. Insgesamt war noch nie so viel Action im Nest - was natürlich an der besonders guten Sicht heute gelegen haben könnte.
Neben meinem Beobachtungsstammplatz hat übrigens eine Spinne ihr riesiges Netz mit Trichteröffnung gespannt.
Bereits letztens zeigte sie mir drei ihrer "entzückenden" Beine in der Trichteröffnung, damit ich mich langsam an sie gewöhnen kann. Während des Unwetters vor einigen Tagen hatte ich mir sogar schon Sorgen gemacht, ob wohl ihr Netz zerstört wurde. Aber alles heil geblieben. Bei den fiesen Beinchen musste ich allerdings sofort an den Arsen-Kuchen von Asterix denken: "Ein geplatztes Spinnenbein, und dann muss da Sauce rein...!" Brrrrrrrr. Heute hat sie sich dann plötzlich vollständig gezeigt! Ich muss sagen, es gibt wesentlich attraktivere Viecher! Zum Glück ist sie weder übermenschlich groß noch haarig und auf eine gewisse Weise habe ich sie richtig lieb gewonnen. Itzi Bitzy Spider...

Samstag, 8. August 2015

Ankunft der Gänsegeier

Mit dem Beobachten der Schmutzgeier war es heute natürlich nicht getan. Wir wollten ja schließlich noch die Gänsegeier beim Aas hack sehen. Daher traf es sich auch ganz gut, dass uns das Team von LifeNeophron nicht wie ursprünglich geplant um 11 Uhr abholte, sondern uns weiter im Beobachtungshäuschen ließ. Nachdem ein weiterer Gänsegeierlandeanflug durch die Hunde vereitelt wurde, vermuteten wir schon, dass die Gänsegeier irgendwo hinterm Haus sitzen und wir sie deshalb nicht beobachten können. Kurz darauf dann die Bestätigung per SMS: Das Team hat uns deshalb nicht abgeholt, weil ein ganzer Schwarm Gänsegeier in ca. 80 m Entfernung von unserem Häuschen saß und aufs Futter wartete. Das Auto hätte sie nur verscheucht, wenn wir abgeholt worden wären.
Kaum war der Hund diesmal verschwunden, da setzte ein geniales Spektakel ein: Von überall hinter unserem Rücken zischten die wilden Gänsegeier herbei und landeten an der Futterstelle. Unter sie mischten sich auch zwei Schmutzgeier, die in dem braunen Federgewühle der deutlich größeren Gänsegeier fast untergingen.
Ein Schmutzgeier sicherte sich lieber noch einen Happen und verschwand dann ganz schnell Richtung Nest. Der andere blieb und zeigte keine Scheu.
Schnell hatten sich fast 30 Gänsegeier versammelt und stürzten sich hungrig auf die Innereien.
Im Gegensatz zu den gesitteten Schmutzgeiern frisst bei den Gänsegeiern immer der Stärkere, so dass bald ein wilder Kampf ums Aas ausbrach.
Im Grunde habe ich ja noch nie wilde Gänsegeier an einer Futterstelle mampfen sehen, daher war es ein tolles Erlebnis! Gierig wurden die Gedärme hin und her geschleudert und die Schnäbel gewetzt.
Unter den Gänsegeiern konnte ich verschiedene Markierungsringe in grün-weiß, einen in blau-weiß und zwei verschiedene Arten von Flügelmarkierungen erkennen.
Aas hack!
Ein wunderhübscher Junggeier, der gerade erst flügge geworden ist. Jede Feder sitzt am richtigen Platz, einfach ein elegantes Tier.
Wütende Blicke beim Futterneid.
Flugbilder waren leider nahezu unmöglich, da die Geier hinter unserem Rücken angezischt kamen und im nächsten Moment bereits landeten.
Ihre Riesenflügel sind wirklich beeindruckend!
Schmutzgeier und Gänsegeier am gleichen Aas.
Der freche Junggänsegeier wollte dem Schmutzgeier ein kleines Aashäppchen streitig machen, hatte aber viel zu viel Schiss, um sich das Fresschen auch wirklich zu sichern.
Netter Größenvergleich.
Hinfort mit dir, Schmutzgeier!
Die drei unerfahrenen Junggeier hielten sich lieber im Hintergrund und vergnügten sich mit den Aasfetzen, die durch das hektische Gefresse der anderen bald überall auf dem Futterplatz versteut waren.
Wollen wir Freunde werden? Wirklich süß, wie naiv und unsicher die gerade flügge gewordenen Gänsegeierkinder noch sind.
Wenn es in einigen Jahren erwachsen geworden ist, dann wird seine Halskrause nicht mehr so federig braun aussehen, sondern flauschig weiß und wuschelig.
Plötzlich schwangen sich alle Geier pansich in die Lüfte und kreisten in sicherer Entfernung. Die Ursache war ja klar: Der Mistköter ist wieder aufgetaucht! AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAH!!!!
Warum verpassen die Geier ihm eigentlich nicht einfach mal einen wütend-fauchenden Schnabelhieb, vor allem, wo sie doch eindeutig in der Überzahl sind!? Aber nein, stattdessen lassen sie sich lieber vertreiben und überlassen den Hunden ihr Aas. Nur eines der Geierkinder blieb an der Futterstelle - noch viel zu jung, um zu wissen, vor wem man sich besser in Acht nehmen sollte.
Auch einer der Schmutzgeier kehrte kurz zurück, um sich ein paar weitere Aasfetzen für den Nachwuchs zu sichern.
Nachdem der Hund verschwunden war, tauchten auch wieder ein paar weitere Geier auf, aber im nächsten Moment auch wieder der Hund. Daher konnten wir leider keine Fortsetzung der gemütlichen Fressorgie bestaunen. Aber ich will mich nicht beklagen! Gegen 11 Uhr hatte ich ja bereits nicht mehr damit gerechnet die Gänsegeier überhaupt am Futterplatz zu erwischen.
Einer der Hunde kam dem Junggeier gefährlich nahe, so dass ich mir schon Sorgen um das Krummschnäbelchen gemacht hatte. Aber alles gut, der Hund hat das Aas dem lebenden Tier vorgezogen!
 
Zwischendurch landete sogar der Schwarze Milan einmal direkt vor unserem Fenster, aber nur für wenige Sekunden.
Nachdem die Gänsegeier zwei weitere Male im Landeanflug erschreckt wurden und dann auch noch irgendein Typ mitten über die Futterstelle lief, um Fotos zu machen (wo der wohl herkam?), gaben wir auf uns ließen uns eine halbe Stunde später abholen.
 
Auch die Geier flatterten noch einmal zum Abschied mit den Flügeln.
Was für ein genialer Ausflug!!! Allein für diesen Tag hat sich der ganze Ausflug nach Bulgarien doch gelohnt!!!
Nach drei oder vier Stunden Mittagspause, Wanst füllen und Bilder anschauen ging es um halb sieben nochmal auf die Piste. In einer etwas weiter entfernten Ortschaft ist ein "mittelgroßer" Greifvogel verletzte gefunden worden. Da es in dieser Gegend ein Schmutzgeierpaar gibt, war die Alarmbereitschaft natürlich hoch. Also fuhren wir zu dritt los Richtung Grenzgebiet zu Griechenland und schlängelten uns über Straßen, die ich nicht als solche erkannt hätte. Wie gut, dass es Allradantrieb gibt. Unterwegs stoppten wir kurz und liefen einen Feldweg entlang Richtung Schmutzgeiernest. Zum Glück waren beide Geiereltern in der Nähe unterwegs, so dass wir für sie schonmal Entwarnung hatten. Allerdings ist noch nicht bekannt, ob das Paar ein Küken im Nest hat und vielleicht dieses flügge geworden und in Schwierigkeiten geraten ist. Letztendlich kamen wir im Dunkeln in einem kleinen Ort an, der nur aus wenigen Häusern besteht. Wir wurden durch einen schönen Garten geführt, wo alles erdenkliche Essbare an den Sträuchern und Bäumen ging. Der Patient war zum Glück nur irgendein Habicht, der allerdings sehr zerfleddert aussah. Die anderen meinen er wird es schaffen, ich wäre mir auf den ersten Blick da nicht so sicher. In den abgelegenen Ortschaften sind die Anwohner offenbar immer hilfsbereit und gastfreundlich, wenn sie Wanderer u.a. treffen. Da bekommt man gerne ein kostenloses Nachtlager inklusive Vollverpflegung. So wurden auch wir zum Abendessen eingeladen und bekamen hausgemachte Köstlichkeiten wir leckeres Brot, selbstgemachten Yoghurt und Honig, Wassermelone aus dem Garten,... Wir mussten uns auf höfliche Weise richtig wehren, damit uns nicht noch was Warmes aufgeschwatzt wurde. Aber es war ja sowieso schon recht spät und die Heimfahrt noch lang - vor allem nach der kurzen Nacht. Ich war dann auch ganzu froh, als ich um kurz nach Mitternacht endlich ins Bett fallen konnte. Ein herrlicher Tag!!!