Donnerstag, 18. Dezember 2014

Vom Geier getauft

Endlich habe ich es geschafft einen dieser tollen Riesengrashüpfer hier bei VulPro lebend zu erwischen...
Mein letzter Arbeitstag heute fing richtig gut an. Nachdem gestern ja vier der fünf Kapgeier-Jungtiere aus der Brutvoliere in die Großvoliere umgezogen sind, entfernten Maggie und ich das alte, vergammelte Nistmaterial. Man kann sich kaum vorstellen, wie matschig diese Nester sind, wenn sei monatelang bei Wind und Wetter und Geierdung plattgedrückt werden. Wir mussten sie richtig von den Felsen kratzen bzw. mit einer Harke Schicht für Schicht vom Boden weghebeln, um sie entfernen zu können. Insgesamt 10 Schubkarrenladungen voller Zweige, Federn und perfektem Kompost konnten wir zur Aasgruppe karren. Dabei ist es besonders schön, wenn man mitten in der Brutwand rumklettert und plötzlich der Geier über einem die Schwanzfedern hebt. Platsch, und schon ist man getauft. Im ersten Moment dachte ich noch: "Glück gehabt, dass ich einen Hut trage!" Im nächsten Moment die ernüchternden Erkenntnis: "Verdammt, heute trage ich ja gar keinen Hut!" Das Vieh hat meine frisch gewaschenen Haare richtig fett erwischt und dazu meinen Ärmel von der Schulter bis zum Handgelenk - perfekt gezielt! Ach, ich glaube die Geier wissen einfach, dass ich ihnen nicht böse sein kann und ihnen einfach alles durchgehen lasse! In jedem Fall hat die Arbeit Spaß gemacht. Ich hoffe nur, dass die Geier uns verzeihen können, dass wir ihre liebevoll gestalteten Nester zerstören mussten. Aber es dauert ja nicht mehr lang, bis sie richtig schön frisches Nistmaterial für neue, hygienischere Nester bekommen!
Im Geierrestaurant labten sich heute ca. 87 Geier von dem Schweinehaufen, den wir von verschiedenen Farmern eingesammelt haben.
Auch vier Störche treiben sich weiterhin bei VulPro herum.
Der Sekretär macht uns täglicher stolzer und stolzer! Heute früh hat er sich bei seinem Lauftraining zweieinhalb Minuten lang auf den Beinen gehalten, obwohl ihn keinerlei Windböe unterstützt hat! Mittags war er ebenfalls gut drauf und nachmittags dann der Knaller: Zunächst blieb er dreieinhalb Minuten stehen, wobei er sich neugierig Richtung Kapgeier-Jungtier im Nachbar-Hospital Camp umdrehte.
Als es ihm zu anstrengend wurde, setzte er sich gemütlich hin.
Während ich ihm also applaudiere, dass er so lange und so toll gestanden hat, richtet er sich plötzlich aus eigener Kraft wieder komplett auf und bleibt weitere 2 Minuten stehen, bevor er in seiner Box zurücksprang.
Was für ein toller Kämpfer! Mal sehen, wann er kapiert, dass er nun tatsächlich wieder selber stehen und laufen kann - auch ohne kurze Nachhilfe.
Rocky...
...und seine Henne.
Familienfoto mit seinen Küken in der Bildmitte. Leider ist heute eines der vier Küken gestorben :-( Zunächst hatten wir uns gewundert, weil nur noch drei Küken mit der Henne herumliefen und später fanden wir es tot im Gras. Schnief. Hoffentlich überleben wenigstens die anderen drei!
Abends gab es dann noch eine köstliche Ration Sushi! Wie ich diese edlen Köstlichkeiten vermissen werde...

Mittwoch, 17. Dezember 2014

Geier-Einfang-Aktion

Heute war der große Geier-Einfang-Tag bei VulPro. Ein Riesenspaß, für die Kapgeier eher weniger.
Zunächst fingen wir drei Kapgeier aus der Großvoliere ein, um ihnen neue Flügelmarkierungen zu geben. Zwei davon waren erst vor wenigen Tagen aus dem Pretoria Zoo gekommen, aber ihre Markierungen waren weniger schön. Hehe, einen der Geier habe sogar ich mit einem schnellen Griff an den Kiefer eingefangen. Natürlich gibts keine Beweisbilder, schnief. Aber das war echt mal eine gelungene Aktion, wo der Geier nicht viel geärgert werden musste.
Zusätzlich zu der Flügelmarkierung bekamen die Geier - wenn noch nicht vorhanden - einen Metallring um die Kralle, es wurden Brustfedern zur Geschlechtsbestimmung ausgerupft, eine Schwanzfeder wurde abgeschnitten, Blut abgenommen und das Vieh mit einem Ungeziefer-entfernenden Pulver bestäubt. So arbeiteten wir uns heute durch einen ganzen Haufen Krummschnäbel.
So sehen die neuen Flügelmarkierungen aus. Wenn die neue Lieferung aus Spanien irgendwann mal eintrifft, dann bekommen sie natürlich auch an den anderen Flügel eine Markierung mit der gleichen Kennzahl!
Der Sekretär hat heute im wahrsten Sinne des Wortes einen riesigen Schritt nach vorne gemacht. Praktisch vollkommen aufrecht lief er bei seinem Lauftraining durch die Voliere und schaffte es bei günstigem Wind sogar eine ganze Weile aufrecht zu stehen und mit den Flügeln im Wind die Balance zu halten! Tolles Vieh!
Nach der ersten Einfang-Aktion durften auch zwei Geier aus dem Hospital Camp in die Großvoliere umziehen. Den einen hatten wir erst letzte Nacht neu bekommen, nachdem der arme Junggeier in einem Wasserloch gelandet und völlig durchnässt und am frösteln war. Doch heute früh war er wieder topfit und flatterte in der Voliere herum.
Den anderen Patienten hatten wir vor wenigen Tagen bekommen, aber er hat sich auch super entwickelt.
Zwischenzeitlich konnten wir durch die Volieren hindurch sehen, dass locker 300 wilder Geier im Geierrestaurant von dem Schweinehaufen fraßen. Ein traumhafter Anblick. Die Leute, die heute das Beobachtungshaus gebucht hatten, waren schon sehr zu beneiden!
Nach der Mittagspause, als die wilden Geier das Geierrestaurant verlassen hatten, wollten wir vier der fünf Junggeier aus der Brutvoliere einfangen, damit wir auch sie untersuchen, markieren und in die Großvoliere umsiedeln können. Zeit für die Geiereltern Abschied zu nehmen, schnief. Aber die Eltern wollen sich endlich auf die neue Brutsaison vorbereiten und die Kleinen müssen abgegrenzt werden, damit sie im Februar eigenständig genug für eine Auswilderung sind.
Vorbereitungen für die zweite Geier-Einfang-Aktion.
Kerri und Samara.
Natürlich gefällt es den Geiern im ersten Moment gar nicht, wenn die (bereits flüggen) Geierkinder aus dem Nest geholt werden. Daher übernahmen Kerri und Walter die Führung und die passende Schutzausrüstung durfte nicht fehlen.
Abflug in die neue Voliere!
Aus dem Geierrestaurant schaute sich ein Weißstorch das Geschehen an. Gut so, denn jetzt weiß er genau in welche Nester er in einem halben Jahr wieder Eier verstauen darf!
Aufopferungsvoll beschützen die Geiereltern ihr Jungtier!
So grausam die ganze Aktion einem auch vorkommt, die Geiereltern waren nur im ersten Moment wütend. Kurz nach dem Auszug ihrer Jungtieres begannen sie direkt schon Nistmaterial einzusammeln für das nächste Nest. Konnten es wohl kaum erwarten, dass das Kleine endlich flügge wird! Morgen werden wir übrigens die alten Nester, Federhaufen und alles, was als Nistmaterial dienen könnte, aus der Brutvoliere entfernen. Wenn die Geier schon mit dem Nestbau beginnen wollen, dann bitte mit frischen, sauberen Nistmaterial!
Der Tag heute war irgendwie richtig klasse. Solche Einfang-Aktionen gibt es schließlich nicht häufig, weil sie viel Stress für die Tiere bedeuten. Aber dabei kann man jede Menge lernen und vor allem seine Geier-Einfang-Fähigkeiten gut trainieren ;-)
Und zu guter Letzt habe ich es endlich geschafft ein halbwegs akzeptables Familienbild von Rocky, seiner Henne und den Küken zu machen. Nur dummerweise hat sich auch der freche weiße Hahn mit aufs Bild geschmuggelt. Sei es drum, das sind ja immerhin die einzigen Hühner, die noch hier leben...
P.S.: Wenn sich Rocky und dieser weiße Frechhahn morgen früh um 5 Uhr nochmal einen erbitterten Krähwettbewerb im 10 Sekunden Takt liefern wie heute, dann könnte vielleicht doch mal ein Schuh durchs Fenster fliegen...