Montag, 25. März 2013

Futterzeit und Zwangsernährung

Heute früh brachte ich den Kapgeier, Ohrengeiern und Weißrückengeiern von VulPro eine leckere Ziege in die Großvoliere. Natürlich kamen alle Geier sofort angeflattert, blieben aber überraschenderweise in sicherem Abstand zu mir stehen, so dass ich die Ziege zumindest aufschlitzen konnte, bevor die Geier zuhackten. Das Vieh war allerdings schon gut aufgebläht, so dass ich beim Schneiden lieber so lange wie möglich die Luft angehalten habe.
Der "Bienenstich"-Geier:
Das Fressen kann beginnen!
In der Brutvoliere mussten die Geier vorerst auf ihr Futter warten, da wir morgens nur diese Ziege hatten. Durch die Fressgeräusche in der Nachbarvoliere wurden die Geier allerdings angelockt, so dass sie bedrohlich nahe ans Nest meines Lieblingspaares heranrückten. Das süße Pärchen verteidigte sein Nest aufopferungsvoll...
...umso trauriger meine Entdeckung, dass das Weibchen eine blutverkrustete Wunder auf der Stirn hatte. Hoffentlich verheilt das wieder gut!!!
Es ist so süß anzuschauen, wie synchron die beiden sich immer wieder verhalten:
Das Pärchen gehört einfach zusammen!!!
Mittags kam dann eine neue Aaslieferung: Ein riesiges Schwein für nebenan und ein paar Ferkel für die Brutvoliere (die Reste des Schweines wurden später aber rüber in die Brutvoliere getragen, damit auch diese Geier satt werden).
So sieht es aus, wenn 36 hungrige Geier die Schubkarre mit den Ferkeln erspäht haben:
Die Tür einen Spalt weit aufgehalten, die aufgeschlitzten Ferkel schnell in die Geiermenge geworfen und Tür wieder zu. Möge das Fressen beginnen:
Kung Fu Sprung Richtung Aas:
Total lustig, wie die Geiermenge durch die Voliere rast, sobald sich ein Geier einen dicken Aasbrocken gekrallt hat und damit abhauen möchte. Dieser (hintere) Pulk von Geiern rannte kreuz und quer durch die Voliere, bis auch der letzte Fitzel verschlungen war.
Das wilde Fressen und die gierigen Laute lockten natürlich auch die wilden Geier der Umgebung an. Schon bald schwirrten gut 20 Geier am Himmel und einer landete sogar auf der Wiese. Sorry, Geier, solange die Bauarbeiten hier nicht beendet sind, gibts kein Aas im Geierrestaurant. Etwas müsst ihr euch noch gedulden, bis die neue Andenkondor-Voliere an der Rückseite der Brutfelsen fertig gebaut ist.
Die zahme Geierdame "Mouse" mit der Markierung "KOA" war überraschend aggressiv, als es ums Fressen ging. Hätte ich ihr gar nicht zugetraut!
Romantische Nachmittagsstimmung...
Die erweiterte Brutvoliere: Der linke Teil mit den im wahrsten Sinne des Wortes beschissenen Felsen ist der alte Teil, rechts der neue Teil. Offenbar ist dies weltweit die einzige Brutvoliere dieser Art! Vielen großzügigen Sponsoren sei Dank! Schade, dass aufgrund der hohen Kosten nicht jedes Geiercenter so einen Geiertraum errichten kann!
Hier die kompletten Brutfelsen ohne Stützpfeiler im Bild.
Weil der neue Fischadler (oder Schreiseeadler genannt) noch immer nicht seine Futterküken anrühren wollte, musste er nach dem gestrigen Abend auch heute wieder zwangsernährt werden. Als hätte er es geahnt, versteckte er sich erstmal unter der Volierendecke. Ohne Witze, er hing da wirklich den halben Tag so! Ich habe das Bild NICHT auf den Kopf gestellt!!! ;-)
Erinnert mich wirklich ein bisschen an die süße Fledermaus "Baty", die in Nepal des Öfteren nachts von meinem Duschkopf hin.
Als der Adler dann endlich seinen sicheren Platz in luftiger Höhe verließ, konnte Walter ihn einfangen und die Fütterung beginnen.
Gestern hatte Kerri mir genau erklärt, wie ein Adler zwangsernährt wird. Während einer seine Krallen sichert, kann der andere sich langsam neben den Adler setzen und seinen Kopf festhalten. Am besten mit Zeigefinger und Daumen am Kiefer, so dass man mit einem Finger den Schnabel aufschieben kann. Sobald die Zunge des Adlers unten ist, kann man das Futter drauflegen. Damit die Küken besser runtergeschluckt werden können, haben wir ihnen die Beine ausgerissen und mit dem Hinterteil voran in den Schnabel gesteckt. Den Kopf des Kükens muss man dann anschließend tief in den Hals des Adlers stopfen, weil er sonst im Schnabel quersitzen könnte. Ist das Küken noch nicht ganz verschluckt, kann man ein paar ausgerupfte Hühnerbeinchen hinterherschieben, damit der Adler schlucken muss.
Soviel zur Theorie, auf zur Praxis:
Ich habe tatsächlich einen Fischadler mit riesigem Schnabel zwangsernährt!!! Unglaublich, was ich hier in den ersten Tagen bereits alles erleben kann!
Als der Seeadler satt war und einen vollen Kropf hatte, wollte ich die übrigen beiden Küken unserem Storch geben. Dem Armen musste nach einer Stromleitungs-Kollission ein Flügel amputiert werden (gut verheilte Wunde siehe Bild).
Natürlich kann der Arme damit nicht mehr fliegen, aber er kann dennoch ausgewildert werden. Zumindest auf der Farm von VulPro. Damit er aber zur Fütterung angelaufen kommt, muss er ans Gefüttert-Werden gewöhnt werden. Daher habe ich seit Tagen versucht sein Vertrauen zu gewinnen. Mit großem Erfolg, denn während er die ersten Tage noch panisch in die hinterste Ecke seiner kleinen Rehabilitations-Voliere geflohen ist, kam er in den letzten Tagen immer näher und näher. Heute Morgen bis auf knapp einen Meter - und hat seit wenigen Tagen bereits meine zugeworfenen Küken aus der Luft gefangen. Vorhin dann aber der große Erfolg: Das letzte Küken hat er mir tatsächlich aus der Hand gefressen!!! Bin so stolz auf mich!!! Jetzt kann ich es natürlich nicht mehr abwarten ihn morgen früh wieder zu füttern und zu schauen, ob er sich das auch morgen früh wieder traut. In jedem Fall bereits ein riesen Erfolg!!!

Sonntag, 24. März 2013

Nistmaterial für die Geier

Jetzt, wo die Brutvolieren-Erweiterung eröffnet wurde, brauchen die Kapgeier von VulPro natürlich viel Nistmaterial, um ihre Nester bauen zu können. Also bekamen sie heute von mir einen großen Sack voll mit ihren Lieblingszweigen! Die Geier waren so begeistert, dass sie bereits anfingen nach den Zweigen zu schnappen, kaum dass ich mit dem Sack die Voliere betreten hatte. Einfach niedlich, wenn über 30 Geier plötzlich angerannt kommen.
Als ich dann die Zweige auf einen Haufen gekippt hatte, schienen einige Geier enttäuscht zu sein. Sie hatten wohl mit einem Aas gerechnet, da wir oft Tiefkühlferkel in ähnlichen Säcken anschleppen. Dafür hat sich mein Lieblingspaar aber umso mehr gefreut und beide schleppten in der nächsten halben Stunde unermütlich große Zweigebüschel weg in ihre sowieso schon stattliches Nest.
Zu niedlich, wenn die Geier vor lauter Zweigen im Schnabel nichts mehr sehen können oder beim Laufen über die guten Zweige stolpern ;-)
Das süße Pärchen ist aber so clever, dass sie manchmal zu zweit losziehen und der hintere Geier die Schnitzeljagd des vorderen Geiers aufsammelt.
Die beiden sind einfach zu süß! "B400" fehlt der rechte Flügel, dem anderen Geier der linke.
Erst viel, viel später sammelten auch einige andere Geier Nistmaterial ein. Sieht witzig aus, wenn sie versuchen mit vollem Schnabel zu fliegen!
Kleine Rangelei.
Sieht flauschig aus, nicht wahr?
Armer Geier ohne rechten Flügel.
Am späten Nachmittag, als es schnell dunkel wurde, tauchten plötzlich zwei wilde Rieseneulen neben der Eulen- und Falkenvoliere auf. Die beiden wurden bei VulPro früher gesund gepflegt und wieder ausgewildert, so dass sie hin und wieder vorbeischauen.
Es ist einfach traumhaft, was ich hier so alles an Viehzeugs sehe! Seit zwei Tagen hoppelt abends ein Frosch vor meiner Zimmertür entlang und jeden Abend sitzen sowieso eine oder zwei Gottesanbeterinnen an der Rückwand meines Badezimmers. Es gibt verschiedene Arten von Geckos, jeden Tag andere Vogelarten zu entdecken und immer wieder neue Karnickel. Ich bin mir sicher hier lässt es sich lange, lange Zeit aushalten!

Samstag, 23. März 2013

Eröffnung der Brutvolierenerweiterung

Heute war ein ganz besonderer Tag bei VulPro: Nach monatelanger Planung und wochenlanger Arbeit konnte endlich ein Großteil der Brutvolierenerweiterung für die Geier geöffnet werden!!! Die Brutvoliere mit toller Felslandschaft zum Nisten ist auf die doppelte Breite ausgeweitet worden! Nun gibt es noch viel mehr tolle Nistmöglichkeiten für die süßen Kapgeier, die hoffentlich bald viele Babygeier in die Welt setzen. Langfristiges Ziel ist es die Bruterfolge in Namibia auszuwildern, wo Kapgeier praktisch ausgestorben sind.
Mit vereinten Kräften lösten wir also tausende Kabelbinder, Metalldrähte und Stahlseile, mit denen das Trenngitter der alten und neuen Voliere an den Felsen befestigt war. Kaum entdeckten die Geier die ersten Öffnungen, da zwängten sie sich auch schon neugierig hindurch, um die neuen Felsen und den neuen Volierenbereich zu erkunden. Irgendwie komisch, wenn man in der Hocke sitzt, um ein paar Kabel durchzuzwicken, und einem plötzlich ein Kapgeier von hinten in den Hosenbund zwickt...
Nach und nach lösten wir auch das riesige Gitter von den Dachbalken, so dass die Öffnung zur neuen Voliere immer größer wurde. Natürlich nutzten dies auch immer mehr Geier!
Ein wunderschöner Anblick, all diese glücklichen, aufgeregten Geieraugen!!!
Natürlich blieb zwischendurch auch Zeit mit den Geiern zu spielen, vor allem mit der zahmen Handaufzucht "Mouse", die gut durch ihre neuartige Flügelmarkierung zu erkennen ist. Kann mich gar nicht mehr an sie erinnern, unglaublich. Dabei ist sie ja mit Abstand der zahmste Geier von allen. Immer wieder schleppte sie Zweige an, um vor unseren Füßen ein Nest zu bauen!
Auch an Kameras scheint sie sichtlich Interesse zu haben!
Hehe, Topfotografin in spe!?
Sie ließ sich problemlos am Kopf und am Hals streicheln. Sogar an der Halskrause und entlang der Federn! So einen süßen Geier will ich auch haben!!!
Als das riesige Trenngitter vollständig gelöst war, rollten wir es ein und schafften es irgendwie aus der Voliere hinaus. Noch schnell die letzten Drahtfetzen und Unrat aus der Voliere entfernen, fertig ist der Anbau! Naja, noch nicht ganz, ein kleines Teilstück müssen wir am Montag noch vom Trenngitter entfernen, dann ist alles perfekt. Die Volierenerweiterung ist zwar genauso lang wie die alte Brutvoliere, allerdings ist nach der Hälfte vom Brutfelsen aus gesehen ein Zwischenstück eingebaut, das später zum Einfangen wilder Geier genutzt wird. Dahinter ist dann noch ein weiteres Teilstück, das an die großte Brutvoliere angeschlossen wird, sobald das Trenngitter entfernt ist.
Meinem Lieblingsbrutpaar scheint der ganze Trubel allerdings wurscht zu sein, sie bleiben lieber in ihrem liebevoll gestalteten Bodennest sitzen.
Stretching mit Krüppelflügel, aber dennoch glückliches Grinsen im Schnabel.
Posing keine eineinhalb Meter von mir entfernt!!!
Mit Erweiterung der Brutvoliere dürfen nun auch 5 Kapgeier aus der anderen großen Voliere umziehen, so dass in der Brutvoliere ab jetzt 36 Kapgeier leben.
Bin schon gespannt, ob sich jetzt neue Paare bilden oder Nester umverlegt werden.
Ansonsten war Putzen der Wasserbäder angesagt. Leider zog der Andenkondor-Mann diesmal keine so tolle Show wie vor einigen Tagen ab, als er sich genüsslich in den Wasserstrahl stellte...
So sieht es aus, wenn wir in der großen Voliere den Pool schrubben. Zahllose Geier direkt um uns herum und immer auf der Schnappjagd nach Schrubber und Besen. Leider waren sie so sehr an meiner Kamera interessiert, dass ich nach draußen flüchten musste. Letztes Jahr waren sie irgendwie nicht ganz so aufdringlich... selbst Wegfegen hat nicht mehr geholfen!
Was passiert wohl, wenn ein Geier sich unseren Putzeimer schnappt und meint darauf landen zu müssen? Richtig, der Eimer gerät ins Rollen und der Geier flattert verzweifelt ums Gleichgewicht. Selber schuld ;-)
Und was passiert, wenn ein Kapgeier frisches Wasser trinken will?
ALLE drumherum werden nass!!!
Dann doch lieber direkt ein frisches Bad, wie dieser Kapgeier vorne und der Weißrückengeier hinten.
Geier auf Tauchstation. Oder wollte er nur nachschauen, ob wir den Grund des Pools auch ordentlich geschrubbt haben?
Während ich also noch die Geier beim Baden ablichte, schiebt sich plötzlich dieser freche Fratz in die Kamera... endniedlich!
Patschnasses Huhn.
Ab in die Sonne zum Trocknen.
Grins, mit dieser Hackattacke hat sich der Geier selbst übertroffen! Willkommen im Geierparadies!