Weite Flüge, weitere Luftkämpfe und zahlreiche Gäste am
Buffet
von David Schuhwerk, 27.08.2021
Die bisher längste Strecke
Bavaria hat vor ein paar Tagen an einem Tag eine richtige
Distanzleistung vollbracht und insgesamt eine Strecke von gut 40 km
zurückgelegt. Sie ist dabei unter anderem von der Reiteralm aus über das
Blaueis und den Hochkalter zum Seehorn, zur Hochwies und letztendlich in die
Westflanke des großen Hundstods geflogen. Der Rückweg ging dann relativ
zielstrebig über das Kammerlinghorn direkt wieder in die Halsgrube.
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| Wally fliegt im Bereich des Wagendrischlhorns © Karl-Heinz
Spitzauer |
Beide fliegen bei guter Thermik allerdings noch mit Vorliebe
auf dem Reiteralmplateau. Dabei kreisen sie inzwischen häufig um die Gipfel und
erforschen ihre nähere Umgebung sehr gekonnt. Bei Regen und sehr schlechter
Thermik finden - wenn überhaupt - nur sehr kurze Flüge innerhalb der Halsgrube
statt. Allerdings ist es nach wie vor erstaunlich, wie sie selbst ungünstige
Wetterlagen nutzen und Dank der großen Oberfläche ihrer Flügel aufsteigen
können. Flüge durch dichtere Nebelbänke oder Wolken scheinen auch nicht
unbedingt ein Problem zu sein.
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| Wally in niedriger Höhe in der Halsgrube © David Schuhwerk |
Konflikte mit den Steinadlern
In den letzten Tagen waren wieder häufigere Kämpfe mit dem
Klausbacher Steinadlern zu verzeichnen. Sowohl einzeln als auch im Team haben
sie dabei den Terzel bzw. das Weibchen mehrmals abwehren können. Bei einer
Gelegenheit konnten wir gut beobachten, wie Wally den Terzel regelrecht aus dem
Bereich der Halsgrube vertrieben hat. (Bei dem dabei entstandenen Foto
kann man gut den unterschiedlichen Habitus unterscheiden).
Wir hoffen sehr, dass diese Konflikte weiterhin glimpflich
verlaufen.
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| Wally im Kampf mit dem Steinadler Terzel © David Schuhwerk |
Ungebetene Gäste an den Futterplätzen
Vorgestern war ein äußerst ereignisreicher Tag: In der Früh
haben die beiden endlich nach einigen Wochen den Futterplatz Nr. 2 (von derzeit
drei angelegten) entdeckt und dort auch ordentlich gespeist. Dies hat uns sehr
gefreut, weil es erstens zeigt, dass sie die Umgebung aufmerksamer untersuchen
und auch ältere Nahrungsreste finden können und es uns auch bei der Ausbringung
des Futters etwas entlastet. Sofort haben wir die Chance genutzt und die
Futterstellen 1 und 3 bestückt.
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| Wally und Bavaria das erste Mal an Freßplatz Nr.2 © David
Schuhwerk |
Etwa eine Stunde später konnten wir einen Trupp Kolkraben
beobachten, der vorsichtig an den Rand des Futterplatzes Nr. 3 Platz nahm. Es
handelte sich um ca. 12 Individuen, die sich vermutlich zu einem sog.
Junggesellentrupp zusammengeschlossen haben. (Dies ist bei unverpaarten Raben
häufig der Fall. Dabei bilden sie tatsächlich stabile soziale Gruppen
unterschiedlicher Größe und Raumverhaltens). Bavaria saß an der
gegenüberliegenden Seite der Geröllrinne und beobachtete die mutiger werdende
Schar, ohne sich zu rühren. Nach kurzer Zeit sahen die Kolkraben in Bavaria
keine Gefahr mehr und stürzten sich auf den frisch gedeckten Tisch. Selbst
große Knochenstücke wurden im Schnabel wegtransportiert, teilweise weiter
entfernt, teils aber auch in unmittelbare Nähe. Bavaria verhielt sich äußerst
still, es wirkte beinahe verschüchtert. Leider blieb es nicht dabei, denn die
intelligenten Raben entdeckten relativ rasch auch den frischen Vorrat an
Futterplatz Nr.1. Auch dieser war sehr schnell ausgeräumt.
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| Bavaria duckt sich während sich die Kolkraben bedienen ©
David Schuhwerk |
Am Mittag konnten wir einige Luftduelle der Raben vor allem
mit Wally beobachten. Und auch am darauffolgenden Tag waren die Raben vor Ort
und bedienten sich an den kargen Resten, die noch vorhanden waren. Wir stehen
nun vor der Aufgabe, ein noch ausgeklügelteres Futtermanagement zu planen und
durchzuführen, damit die Nahrung auch bei denen ankommt, für die sie gedacht
ist. Zusätzlich hoffen wir natürlich, dass der Rabentrupp bald weiterzieht,
sobald sich einige Zeit nichts mehr an den Futterplätzen finden lässt. Das
oberhalb des Böselsteigs residierende Kolkrabenpärchen war bisher sehr
zurückhaltend. Bis auf eine (in Statusbericht Nr.3 beschriebene Interaktion)
konnten wir bei den beide keine Annäherung oder Nahrungsentnahme
beobachten.
Die sonstigen Nutznießer wie Steinmarder, Fuchs oder
Alpendohlen kommen zwar auch noch gelegentlich, stellen aber mengenmäßig kein
Problem dar.
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| Die Kolkraben treten den jungen Geiern gegenüber äußerst
selbstbewusst auf © Jochen Grab NPV |
Weitere Besucher in der Halsgrube
Das feuchte und kühle Wetter sorgte dafür, dass ein größerer
Gamskindergarten mit etwa 30 Individuen vom Reiteralmplateau herabgezogen ist
und in dem Grashang unterhalb der Auswilderungsnische zu grasen begann. In der
Halsgrube sehen wir jeden Tag Gämsen, von einzelnen Böcken über kleinere
Grüppchen mit Kitzen und Jahrlingen, aber die großen Gruppen, die sich im
Sommer in den weiten Karen der Reiteralm aufhalten, sind in den letzten Monaten
sonst noch nicht heruntergekommen. Zusammen mit der wunderbar kräftigen Blüte
des Schwalbenwurzenzians ein untrügliches Zeichen, dass sich der Sommer so
langsam zu Ende neigt.
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| Die Kolkraben treten den jungen Geiern gegenüber äußerst
selbstbewusst auf © Jochen Grab NPV |
Mit freundlicher Genehmigung des LBV. Weitere spannende
Infos findet ihr im Bartgeier-Blog
des LBV!