Samstag, 4. September 2021

International Vulture Awareness Day 2021

Heute ist es wieder so weit: Wir feiern den International Vulture Awareness Day (IVAD), den Weltgeiertag 2021!!!

Wie jedes Jahr am ersten Samstag im September feiert die Welt unsere krummschnäbeligen Lieblingstiere und lässt sich hierzu die tollsten Aktionen einfallen. Diesmal waren auf der offiziellen Info-Seite sage und schreibe 90 Organisationen (Zoos, NGOs, Privatleute etc.) aus 27 Ländern und 4 Kontinenten angemeldet. Einfach Wahnsinn!!! Die Popularität dieser wunderschönen Tiere und das Engagement weltweit nehmen von Jahr zu Jahr immer weiter zu, was mich sehr berührt! Selbst Australien feiert mit, obwohl es dort gar keine Geier in freier Natur gibt. Selbst das IVAD-Logo wird mittlerweile in 10 verschiedenen Sprachen erstellt, damit dieser ganz besondere Tag noch mehr beworben werden kann!

Zu den beliebtesten Aktivitäten zählen:

  • Vorträge und Tierpfleger-Gespräche
  • Ausstellungen und Infostände
  • Geier-Ausmalbilder und Bastelaktionen
  • Erhöhte Social Media Aktivitäten
  • Auswilderungen genesener Geier oder Nachzuchten
  • Spendensammeln für Geierschutzprojekte (z.B. Spendenlauf, Verkauf von Geier-Souvenirs)
  • Geier-Zählungen in freier Wildbahn
  • und sogar ein Schönheitswettbewerb der ansässigen Geierarten im Zoo

Ich selber habe diesen Tag – wie bereits im letzten Jahr – in meiner Lieblingsgeiervoliere im DierenPark Amersfoort zelebriert. Solange die Geierurlaube noch immer nicht entspannt möglich sind, ist dieses der beste Ort, um etwas Zeit unter Gänsegeiern und Marabus verbringen zu können. Natürlich wird noch der ein oder andere Blogbeitrag mit tollen Bildern folgen. Außerdem habe ich über den ganzen Tag verteilt immer wieder Geierbilder, ob live oder aus bisherigen Projekten, auf Facebook geteilt, um die Botschaft möglichst weit raus in die Welt zu tragen: Geier sind einfach klasse und heute leben sie besonders HOCH HOCH HOCH!!!

Dienstag, 31. August 2021

Verletzte Andenkondor-Dame Quica

Wie die Stiftung Fundación Cullunche berichtet, wurde am 28.08.2021 ein verletzter weiblicher Andenkondor in das Rehabilitationszentrum des Programa Conservación Cóndor Andino (PCCA) gebracht. Die Hübsche mit dem Namen Quica kam aus der Stadt Esquel im Nordwesten der Provinz Chubut, Patagonien in Argentinien, um hier tierärztlich versorgt zu werden. 



Die Untersuchung inklusive Röntgen ergab, dass der Pechvogel seine Umgebung bewusst wahrnimmt und recht aufmerksam ist. Mit einem Gewicht von nur 8,34 kg war er sehr leicht (12 kg wären hier normal gewesen). Er war dehydriert und die allgemeine Verfassung wurde mit 3/5 bewertet. Die Röntgenaufnahmen zeigten sehr deutlich, dass die Kondordame angeschossen wurde – es wurden 6-7 Schrotpartikel und ein größeres Stück des Projektils sichtbar. Bei der Sichtprüfung und mit einem Ophthalmoskop wurde eine Verletzung des rechten Auges festgestellt sowie eine Trübung der Augenlinse. Darüber hinaus wurden Blutproben zur Messung der Blei-, Blutbild- und Leberenzymwerte genommen.



 

Nach Aufnahme der Behandlung hat die tapfere Patientin sogar etwas Fressen verschlungen. Trotzdem sieht die Prognose derzeit leider noch zurückhaltend aus.

Alle Fotos (c) Fundación Cullunche

Freitag, 27. August 2021

Statusbericht Nr. 6 - News aus der Geiergrube

Weite Flüge, weitere Luftkämpfe und zahlreiche Gäste am Buffet

von David Schuhwerk, 27.08.2021

Die bisher längste Strecke

Bavaria hat vor ein paar Tagen an einem Tag eine richtige Distanzleistung vollbracht und insgesamt eine Strecke von gut 40 km zurückgelegt. Sie ist dabei unter anderem von der Reiteralm aus über das Blaueis und den Hochkalter zum Seehorn, zur Hochwies und letztendlich in die Westflanke des großen Hundstods geflogen. Der Rückweg ging dann relativ zielstrebig über das Kammerlinghorn direkt wieder in die Halsgrube.

Wally fliegt im Bereich des Wagendrischlhorns © Karl-Heinz Spitzauer

Beide fliegen bei guter Thermik allerdings noch mit Vorliebe auf dem Reiteralmplateau. Dabei kreisen sie inzwischen häufig um die Gipfel und erforschen ihre nähere Umgebung sehr gekonnt. Bei Regen und sehr schlechter Thermik finden - wenn überhaupt - nur sehr kurze Flüge innerhalb der Halsgrube statt. Allerdings ist es nach wie vor erstaunlich, wie sie selbst ungünstige Wetterlagen nutzen und Dank der großen Oberfläche ihrer Flügel aufsteigen können. Flüge durch dichtere Nebelbänke oder Wolken scheinen auch nicht unbedingt ein Problem zu sein.

Wally in niedriger Höhe in der Halsgrube © David Schuhwerk

Konflikte mit den Steinadlern

In den letzten Tagen waren wieder häufigere Kämpfe mit dem Klausbacher Steinadlern zu verzeichnen. Sowohl einzeln als auch im Team haben sie dabei den Terzel bzw. das Weibchen mehrmals abwehren können. Bei einer Gelegenheit konnten wir gut beobachten, wie Wally den Terzel regelrecht aus dem Bereich der Halsgrube vertrieben hat.  (Bei dem dabei entstandenen Foto kann man gut den unterschiedlichen Habitus unterscheiden).

Wir hoffen sehr, dass diese Konflikte weiterhin glimpflich verlaufen.

Wally im Kampf mit dem Steinadler Terzel © David Schuhwerk

Ungebetene Gäste an den Futterplätzen

Vorgestern war ein äußerst ereignisreicher Tag: In der Früh haben die beiden endlich nach einigen Wochen den Futterplatz Nr. 2 (von derzeit drei angelegten) entdeckt und dort auch ordentlich gespeist. Dies hat uns sehr gefreut, weil es erstens zeigt, dass sie die Umgebung aufmerksamer untersuchen und auch ältere Nahrungsreste finden können und es uns auch bei der Ausbringung des Futters etwas entlastet. Sofort haben wir die Chance genutzt und die Futterstellen 1 und 3 bestückt.

Wally und Bavaria das erste Mal an Freßplatz Nr.2 © David Schuhwerk

Etwa eine Stunde später konnten wir einen Trupp Kolkraben beobachten, der vorsichtig an den Rand des Futterplatzes Nr. 3 Platz nahm. Es handelte sich um ca. 12 Individuen, die sich vermutlich zu einem sog. Junggesellentrupp zusammengeschlossen haben. (Dies ist bei unverpaarten Raben häufig der Fall. Dabei bilden sie tatsächlich stabile soziale Gruppen unterschiedlicher Größe und Raumverhaltens). Bavaria saß an der gegenüberliegenden Seite der Geröllrinne und beobachtete die mutiger werdende Schar, ohne sich zu rühren. Nach kurzer Zeit sahen die Kolkraben in Bavaria keine Gefahr mehr und stürzten sich auf den frisch gedeckten Tisch. Selbst große Knochenstücke wurden im Schnabel wegtransportiert, teilweise weiter entfernt, teils aber auch in unmittelbare Nähe. Bavaria verhielt sich äußerst still, es wirkte beinahe verschüchtert. Leider blieb es nicht dabei, denn die intelligenten Raben entdeckten relativ rasch auch den frischen Vorrat an Futterplatz Nr.1. Auch dieser war sehr schnell ausgeräumt.

Bavaria duckt sich während sich die Kolkraben bedienen © David Schuhwerk

Am Mittag konnten wir einige Luftduelle der Raben vor allem mit Wally beobachten. Und auch am darauffolgenden Tag waren die Raben vor Ort und bedienten sich an den kargen Resten, die noch vorhanden waren. Wir stehen nun vor der Aufgabe, ein noch ausgeklügelteres Futtermanagement zu planen und durchzuführen, damit die Nahrung auch bei denen ankommt, für die sie gedacht ist. Zusätzlich hoffen wir natürlich, dass der Rabentrupp bald weiterzieht, sobald sich einige Zeit nichts mehr an den Futterplätzen finden lässt. Das oberhalb des Böselsteigs residierende Kolkrabenpärchen war bisher sehr zurückhaltend. Bis auf eine (in Statusbericht Nr.3 beschriebene Interaktion) konnten wir bei den beide keine Annäherung oder Nahrungsentnahme beobachten.  

Die sonstigen Nutznießer wie Steinmarder, Fuchs oder Alpendohlen kommen zwar auch noch gelegentlich, stellen aber mengenmäßig kein Problem dar.   

Die Kolkraben treten den jungen Geiern gegenüber äußerst selbstbewusst auf © Jochen Grab NPV

Weitere Besucher in der Halsgrube

Das feuchte und kühle Wetter sorgte dafür, dass ein größerer Gamskindergarten mit etwa 30 Individuen vom Reiteralmplateau herabgezogen ist und in dem Grashang unterhalb der Auswilderungsnische zu grasen begann. In der Halsgrube sehen wir jeden Tag Gämsen, von einzelnen Böcken über kleinere Grüppchen mit Kitzen und Jahrlingen, aber die großen Gruppen, die sich im Sommer in den weiten Karen der Reiteralm aufhalten, sind in den letzten Monaten sonst noch nicht heruntergekommen. Zusammen mit der wunderbar kräftigen Blüte des Schwalbenwurzenzians ein untrügliches Zeichen, dass sich der Sommer so langsam zu Ende neigt.       

Die Kolkraben treten den jungen Geiern gegenüber äußerst selbstbewusst auf © Jochen Grab NPV

Mit freundlicher Genehmigung des LBV. Weitere spannende Infos findet ihr im Bartgeier-Blog des LBV!

Donnerstag, 19. August 2021

Statusbericht Nr. 5 - News aus der Geiergrube

Die Distanzen der beiden nehmen weiterhin zu und auch bei nicht ganz so idealem Flugwetter wird eifrig geflogen beobachtet…

von David Schuhwerk, 19.08.2021

Flugverhalten: Wie auch schon in den Tagen zuvor nehmen die Ausflugsdauer und die Flugfähigkeiten stetig zu. Bavaria unternahm alleine einen mehrstündigen Ausflug auf die andere Seite des Klausbachtals, wo sie nahezu den gesamten Hochkalterstock überflog und am späten Nachmittag am Vorderberghorn einen Zwischenstopp einlegte.

Satellitenbild von Bavarias Ausflug über den Hochkalterstock © David Schuhwerk LBV

Von Bergsteigern im Bereich vom Gipfel des Stadelhorns erreichten uns eindrucksvolle Aufnahmen und immer öfter werden die gewaltigen Südwände in den Bereichen zwischen Knittel- und Grundübelhorn mit ihren günstigen Thermikbereichen zum Aufsteigen genutzt.

Wally und Bavaria in großer Höhe über der Reiteralm © David Schuhwerk LBV

Auch bei ungünstigen Bedingungen wird geflogen

Auffällig ist aber auch die Fähigkeit der beiden, selbst bei ungünstigen Witterungsbedingungen zu fliegen, wenn auch nur kleine Strecken und mit intensivem Energieeinsatz durch das notwendige, häufige Flügelschlagen. Dies steht in starkem Kontrast zum eleganten Segelflug bei guter Thermik, wobei während der inzwischen über einstündigen Luftzeiten es kaum einmal zu Flügelschlägen kommt. Bei schlechterem Wetter ziehen sie es inzwischen vor, sich in steilen und stark zerklüfteten Felswänden im Bereich der Halsgrube aufzuhalten. Lange und weite Entfernungen von ihrem Auswilderungsplatz sind also nach wie vor eher selten.

Bavaria fliegt einen Aufenthaltsort in den zerklüfteten Felswänden an © David Schuhwerk

Gelegentliche Konflikte mit dem Steinadlerpärchen kommen nach wie vor vor, aber die Anzahl der Beobachtungen dieser Art durch das Monitoring Team nahm ab. Dies kann aber auch an den zunehmend weiteren Distanzen liegen, in denen sie sich außerhalb unseres Blickfelds bewegen. Auf diesem Bild befinden sie sich etwas nördlich vom Knittelhorn. Wally wurde vom Steinadlerweibchen attackiert, wich aber höchst elegant aus und zwang das Steinadlerweibchen zu einer artistischen Rolle in der Luft. Anschließend zog sich das Adlerweibchen nach ein, zwei demonstrativen Runden vor dem Knittelhorn wieder zurück und ließ die beiden in Ruhe.        

Attacke des Steinadlerweibchens auf Wally © David Schuhwerk LBV

Im letzten Bericht hatten wir ja schon die Einrichtung eines neuen Futterplatzes (Nr. 3) beschrieben und auch die erfolgreiche Annahme desselben durch Wally und Bavaria. Dies verschafft uns etwas Luft bei den teilweise schwierigen Bedingungen bei der Ausbringung der Nahrung, gleichzeitig erweitert sich ihr Horizont beim Auffinden von Nahrung in typischen Geländeformationen, wie Felsrinnen, Lawinenstrichen und Geröllhalden. Den schon vor längerem angelegten Futterplatz Nr. 2 haben sie aber leider noch nicht entdecken können.

Reich bestückter Futterplatz Nr.3 © Jochen Grab NPV

Die Nahrungsaufnahme ist insgesamt gut, es ist immer wieder erstaunlich, welche Mengen die beiden auf einmal zu sich nehmen können. Auch das Verschlingen großer Knochen, wie hier im Bild zu sehen, stellt kein Problem dar. Möglicherweise werden wir demnächst noch einen vierten Platz eröffnen, falls der schon vor längerer Zeit eingerichtete 2. Platz nach wie vor unentdeckt bleibt.

Wally verschlingt einen großen Knochen © David Schuhwerk LBV

Das intensive Monitoring läuft natürlich nach wie vor weiter, täglich sind viele Mitarbeiter*innen im Einsatz, um die beiden möglichst lückenlos überwachen zu können. Dabei wird das Monitoring natürlich anspruchsvoller, weil es längere Phasen gibt, in denen die beiden sich in weiter Entfernung vom Aufenthaltsort der jeweiligen Teams herumtreiben.

Bavaria in ihrem Element © David Schuhwerk LBV

Gute Kommunikation unter Verwendung aller möglichen technischen Hilfsmittel und zusätzlich die Verwendung der Satelliten- und Funkdaten sind essentiell, um einen guten Überblick über die Aufenthaltsorte zu bekommen. Manchmal werden die Beobachter*innen allerdings auch intensiv beobachtet…

Entspannte Gams beim Beobachten des Monitoring Teams © David Schuhwerk

Mit freundlicher Genehmigung des LBV. Weitere spannende Infos findet ihr im Bartgeier-Blog des LBV!