Samstag, 12. September 2020

44 Kalifornische Kondore aus Brutcenter in Oregon evakuiert

Während die Ventana Wildlife Society (VWS) weiterhin sehr regelmäßig über die Auswirkungen des verheerenden Dolan Fire auf die Kalifornischen Kondore in Big Sur, Kalifornien, berichtet, erhielt ich nun weitere Nachrichten aus einem anderen Teil des Landes:

44 Kalifornische Kondore mussten aus einem Brutcenter des Oregon Zoo evakuiert werden, da diese Brutcenter von großen Buschbränden bedroht ist. Es liegt im Clackamas County und zählt damit zur Level 3 Evakuierungszone.

26 Kondore wurden gestern zum The Peregrine Fund’s Wold Center for Birds of Prey in Boise, Idaho, gebracht, wo glücklicherweise genügend Platz zur Verfügung steht. Unter den 26 Exemplaren sind 13 erwachsene Kondore, 6 Junggeier, die auf ihre Auswilderung warten und 7 Küken, von denen 2 noch nicht flügge sind und nun mit Handpuppen großgezogen werden müssen.

The Peregrine Fund’s World Center for Birds of Prey hat mit derzeit 45 Kalifornischen Kondoren die größte Brut-Population von allen Brutcentren. Die Angestellten arbeiten rund um die Uhr, um die wertvollen Brutpaare und die Nachzuchten zu versorgen, Jungkondore mit GPS-Sendern auszustatten und auf ihre bevorstehende Auswilderung vorzubereiten. Als sich die Feuer stark ausbreiteten, wurde die Evakuierung der Oregon-Kondore bereits geplant und alles für ihren Umzug vorbereitet.

Die übrigen 18 Kondore zogen aus dem bedrohten Brutcenter in den Oregon Zoo um, 16 davon bleiben allerdings hinter den Kulissen im Tiermedizinischen Zentrum des Zoos.

In der Vergangenheit wurden Kondor-Nachzuchten aus dem Oregon Zoo in 5 unterschiedlichen Gebieten ausgewildert. Darunter auch in dem durch das Dolan Fire abgebrannten Schutzgebiet in Big Sur.

Freitag, 11. September 2020

Dolan Fire Update: Iniko lebt!

Nach dem verheerenden Dolan Fire im kalifornischen Big Sur, Schutzgebiet der vom Aussterben bedrohten Kalifornischen Kondore, überschlagen sich die Nachrichten der Ventana Wildlife Society (VWS) weiterhin täglich.

Nachdem Ende August das Kondorgebäude abgebrannt und diverse Webcams ausgefallen sind, war das Schicksal von 10 erwachsenen Kalifornischen Kondoren und 4 wilden Küken in ihren Nestern ungewiss. Darunter auch Webcam-Star Iniko, das von seinen Eltern Redwoon Queen und Kingpin liebevoll aufgezogen wurde. Leider gilt auch Kingpin als vermisst. Von den 10 erwachsenen Kondoren konnte glücklicherweise Shadow im Pinnacles National Park gesichtet werden. Bei diesem Nationalpark muss ich immer an mein einmaliges Erlebnis im Mai 2017 denken, als meine Geierfreundin Maggie und ich einen Tag lang die Pinnacles Condor Crew bei ihrer Arbeit begleiten durften.

Am 29.08.2020 musste ein Rundflug zur Kondorsuche leider abgebrochen werden, da der Rauch des Dolan Fires noch immer zu stark war.

Am 02.09. wartete das Team der VWS weiterhin verzweifelt auf die offizielle Freigabe der Brandbekämpfer das Kondor-Schutzgebiet wieder betreten zu dürfen und nach den vier vermissten Küken zu schauen. Auch während vergangener Großbrände konnte immer wieder beobachtet werden, dass Kondoreltern unter allen Umständen versuchen ihre Küken während des Feuers weiter zu füttern und sich um sie sorgen. So konnten immer wieder Kondorküken auch schwere Brände überstehen. Diese Hoffnung wurde unterstützt durch die GPS-Ortung von zwei Elternkondoren. Einer der beiden war zurück zum Nest geflogen, wo hoffentlich ein gesundes Küken den Schrecken überstanden hat. Der andere Kondor futterte vom Kadaver eines Seelöwen und schlang sich gierig den Kropf voll – vermutlich um ein hungriges Kondorküken zu füttern. Beides sehr gute Zeichen!

Alle vermissten Kondore (mit Ausnahme der 4 Küken) verfügen ebenfalls über GPS-Geräte. Dass diese keinerlei Signale übermitteln, ist leider ein äußerst beunruhigendes Zeichen.

Am 04.09. kam endlich die lang ersehnte Entwarnung in Bezug auf das Kondorküken Iniko: Es lebt!!! Die Kondor-Crew hatte endlich grünes Licht bekommen nach den Küken schauen zu dürfen und eilte direkt zu Inikos Nest. Unterwegs sank alle Zuversicht aufgrund der massiven Zerstörung, die das Dolan Fire hinterlassen hatte. Zum Glück befindet sich das Nest in luftiger Höhe, aber trotzdem schafften es die Flammen bis 10 Fuß (ca. 3 m) unterhalb des Nestes. Das arme Küken muss dabei ganz schön gebrutzelt worden sein, aber es hat überlebt!

Iniko hat überlebt! (c) Ventana Wildlife Society

Nachdem das noch immer außer Kontrolle geratene und sich ausbreitende Dolan Fire nun auch noch ein weiteres Küken in seinem Nest bedrohte, konnte dieses in Zusammenarbeit mit der Pinnacles Condor Crew und dem United States Fish and Wildlife Service aus seinem Nest auf einer Felsklippe gerettet werden. Das Küken ist erst 4 Monate jung und wird nur von seinem Vater Puff Daddy großgezogen, nachdem seine Mutter Wild 1 im Mai verschwand. Es wird nun im L.A. Zoo aufgezogen, bis es im nächsten Jahr in seiner Heimat ausgewildert werden kann.

Das Dolan Fire hat bereits eine Fläche von über 31.000 Morgen Land zerstört. Wenn mich der Online-Umrechner nicht täuscht, entspricht dies ca. 7.750 Hektar. Nur ca. 40 % des Feuers sind unter Kontrolle. Es wurde vermutlich Mitte August durch Brandstifter ausgelöst. Bravo, ihr Vollspacken, echt gut gemacht…

Am 11.09.2020 wurde nach einer Suchaktion aus einer Befürchtung eine traurige Gewissheit: 2 der 5 vom Dolan Fire betroffenen Küken haben das Feuer nicht überlebt!

Aktuell werden noch neun (fast) erwachsene Kalifornische Kondore vermisst: Kingpin, Survivor, Electra, Boreas, Arthur und Tonks sowie ein Kondor der Pinnacles-Population und zwei in freier Natur geborene Exemplare. Der vermisste Kondor der Pinnacles-Population ist Vater eines der verstorbenen Küken.

Zum Wiederaufbau des abgebrannten Kondorgebäudes wurde übrigens eine Spendenaktion gestartet, da die Neubaukosten gut 500.000 $ betragen. Da es in diesem Jahr bei allem Corona-Ärger sowieso nicht mehr danach aussieht, dass ich noch einen Geierurlaub durchziehen kann, kann ich mich zumindest mit einer Spende am Geierschutz beteiligen!

Samstag, 5. September 2020

International Vulture Awareness Day 2020 - Gustav

Nicht nur meine Schwesti und ich feierten den International Vulture Awareness Day (IVAD) heute im DierenPark Amersfoort, sondern auch Gustav war mit von der Partie. Aus logistischen und praktischen Gründen natürlich nur die kleine Variante.

In der riesigen Gänsegeier- und Marabu-Voliere Snavel's Rijk fühlte sich Gustav sofort geierwohl und begrüßte seine Artgenossen und Freunde. Oder begrüßten sie uns? In jedem Fall blieben sie nicht lange auf Abstand!

Soooo große Flügel hätte Gustav auch gerne!

Zwei Schwestern, Storch und Gustav feiern gemeinsam den Weltgeiertag!!!

Neben der großen Freiflugvoliere gibt es in Amersfoort sogar noch eine zweite Geiervoliere, in der vorwiegend verletzte Gänsegeier und Marabus aufgepäppelt werden, bevor sie in die große Voliere oder andere Zoos umziehen können.

Zunächst spielten die Anwohner noch mit ausgefallene Federn, die sie im Schnabel sammelten und teils zum Tauziehen benutzten. Da es sich bei den meisten Gänsegeiern um Jungtiere handelt, ist der Nestbau hier eher ausgeschlossen.

Als sich Gustav vor die große Plexiglasscheibe setzte, kam sofort ein junger Gänsegeier angelaufen und wollte mit Gustav spielen. Vorsichtig umschnäbelte er Gustavs Schnabel, auch wenn sie durch die Scheibe getrennt waren. Der junge Geier wirkte so begeistert, als hätte er tatsächlich in Gustav einen Artgenossen erkannt!

Wenig später reagiert ein Marabus genauso lieb auf Gustav und begrüßte ihn durch die Scheibe. Ich konnte kein Anzeichen von Aggression oder Konkurrenz erkennen, sondern nur Neugierde und vielleicht sogar Zuneigung. Total süß!

Es brach mir fast das Herz Gustav wieder wegzunehmen, weil sowohl Gänsegeier als auch Marabu richtig geknickt schienen. Man kann ja auch nicht einem Kind das liebste Kuscheltier wegnehmen! Die Voliere war allerdings so abgeriegelt, dass ich Gustav nicht unauffällig hätte hineinwerfen können. Außerdem wäre das auch Gustav gegenüber nicht nett gewesen. In Momenten wie diesen wüsste ich zu gerne, was Geier denken! Interessant ist auch, dass sie auf Schwestis Storch komplett anders reagiert haben. Er wurde nämlich weitestgehend ignoriert!

Im DierenPark Amersfoort gibt es im Wald einen tollen Rundweg, an dem Dutzende großer Dinos aufgebaut sind. Bisher bin ich den Weg nur bei meinem allerersten Besuch einmal abgelaufen, aber heute zogen uns die riesigen Knochen als Erklärungstafeln magisch an. Vor allem Gustav lief bei der Vorstellung eines riesigen Dino-Aas ganz für sich allein das Wasser im Schnabel zusammen!

Leider lief im Gegenzug auch den Dinos beim Anblick von Gustav das Wasser im Maul zusammen!

Dann doch lieber etwas Sushi, das sich Gustav mit seinem kleinen Freund, einem süßen Quietschegeier, teilte.

Ich hoffe, dass die Geier auch 2020 - trotz Corona - weltweit wieder genauso intensiv gefeiert wurden wie in den letzten Jahren und wie sie es verdienen!!!


International Vulture Awareness Day 2020 - Marabus

Am heutigen International Vulture Awareness Day (IVAD), dem Weltgeiertag, habe ich natürlich auch die langjährigen Ehrengäste meines Geierblogs ausgiebig beachtet. Im DierenPark Amersfoort, wo meine Schwesti und ich den heutigen Tag verbrachten, gibt es nämlich auch zahlreiche Marabus, die gemeinsam mit den Gänsegeiern im großen Snavel's Rijk um die Wette fliegen.

Marabus habe ich seit jeher gleichwertig wie Geier behandelt, auch wenn sie natürlich zu den Störchen zählen. Aber ihre besondere Persönlichkeit ist einfach "geierhaft" und auch sie werden von den meisten Menschen leider erstmal spontan als "hässlich" bezeichnet. Bekanntlich liegt die Schönheit im Auge des Betrachters, aber hier in Amersfoort zeigen dich die tollen Langbeine ganz besonders von ihrer besten Seite. Sie kreisen sie mit ihren riesigen Flügel durch die Voliere, stacksen mit ihren langen Beinen durch das Wasser oder über den Besucherweg und in diesem Jahr ziehen sie sogar flauschige Jungtiere auf!

Das Nest befand sich in einem hohen Baum und vom Besucherweg her kaum einsehbar. Nur mit viel Gestrüpp im Vordergrund, auf das sich die Kamera dauernd scharfstellen wollte, konnte ich hin und wieder einen Blick auf die süßen Jungtiere ergattern. Dabei wurde ich sogar Zeuge einer Fütterung durch die stolzen Marabu-Eltern.

Einmal wurden die beiden Hübschen sogar in ihrem Nest von der Sonne angestrahlt, so dass ihr flusiges Gefieder besonders süß zur Geltung kam. Von der Größe her können sie bereits mit ihren Eltern mithalten! Von einer netten Zoobesucherin, die offenbar häufiger begeistert die Jung-Marabus besucht, erfuhr ich, dass die beiden kurz davor sind flügge zu werden! Tatsächlich konnten wir einen der beiden dabei beobachten, wie er kräftig mit den Flügel schlug, um seine Muskeln zu trainieren. Dabei hob er einige Male deutlich vom Nest ab. Es kann sich also wirklich nur noch um Tage handeln, bis er seinen ersten Flugversuch wagt!

In der großen Flugvoliere steht dem Geflügel viel Wasser zur Verfügung. Dies lädt zum Baden und Trinken ein.

Manchmal wird man aus luftiger Höhe auch von einem Volierenbewohner beobachtet.

Besonders beeindruckend sind die spektakulären Flugeinlagen der Marabus, Gänsegeier und auch Pelikane. Die Voliere ist nämlich so riesig, dass selbst diese großen Vögel vergnügt ihre Runden drehen können, teils minutenlang am Stück.

Viel Aktion entsteht, wenn sich Tierpfleger im Nachtquartier der kleineren Vögel aufhalten. Ich weiß nicht genau, ob die kleineren dort Futter bekommen oder einfach nur die Tierpfleger begrüßen wollen. Jedenfalls habe ich es hier im Tierpark bereits mehrfach erlebt, dass plötzlich zahllose Volierenbewohner zu Fuß oder im Flug zur Tür des Nachtquartieres eilen. Dieses befindet sich durch einen abgesperrten Seitenweg vom Besucherweg getrennt.

Nach ein paar Minuten kam tatsächlich ein Tierfleger aus dem Stall und hat ein paar tote Eintagsküken in Richtung der hungrigen Mäuler geworfen. Diejenigen, die nichts abbekamen, liefen enttäuscht davon. Allerdings liegen in der Voliere noch ein paar ältere Aasfetzen herum, so dass niemand ernsthaft hungern muss.

Als sich die Tiere Richtung Besucherweg vom Acker machten, bin ich doch glatt fast von einem riesigen Marabu über den Raufen gerannt worden! ;-)

Perfekte Location und Pose für ein Fotoshooting!

Alles Liebe und Gute zum Weltgeiertag an alle Geier unserer Erde!!!