Donnerstag, 24. Februar 2022

Mallorcas Mönchsgeier-Population verdreifacht

Auf Mallorca wird im Rahmen des Schutzprogrammes zur Erhaltung der Mönchsgeier-Population etwa alle zehn Jahre eine Zählung durchgeführt. Im Oktober 2021 war es wieder soweit und 68 Helfer hielten an 15 Beobachtungspunkten in der Serra de Tramuntana zwei Tagen lang Ausschau nach den wunderschönen Riesengeiern. Dabei wurden sage und schreibe 332 Individuen entdeckt!!! Im Vergleich dazu waren es bei der letzten Zählung in 2008 nur 123 Exemplare. Die Mönchsgeier-Population hat sich also seitdem fast verdreifacht! Ein super Erfolg, der ohne das jahrzehntelange Engagement der Geierschützer auf Mallorca und der Vulture Conservation Foundation nicht möglich gewesen wäre.

Mönchsgeiernest auf Mallorca © Jordi Muntaner, VCF-Webseite

Seit 1973 werden die Mönchsgeier auf Mallorca eng überwacht. In den 80er-Jahren war mit nur noch etwa 20 verbliebenen Geiern der traurige Tiefpunkt erreicht und der Mönchsgeier schien auf Mallorca auszusterben. Durch Schutzprojekte, Aufklärungsarbeit in der Bevölkerung, Bekämpfung von Gift(ködern) und Bereitstellung von Futter konnte der negative Trend in letzter Sekunde aufgehalten werden. Seit etwa 2010 vermehren sich die Geier immer deutlicher.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts gab es auf den Balearen nur zwei Geierarten: Mönchsgeier auf Mallorca und Schmutzgeier auf Menorca. Aufgrund starker westlicher Winde wurden allerdings 2008 über hundert Gänsegeier vom spanischen Festland nach Mallorca geweht, die meisten von ihren Jungtiere. Doch anstatt später wieder abzureisen, machten sie es sich auf der Insel bequem und blieben einfach dort. Einige Jahre später wurden sie geschlechtsreif und 2012 schlüpfte schließlich das erste Küken in der Serra de Tramuntana.

Gänsegeier und Mönchsgeier bei Fressen auf Mallorca © Manuel de la Riva

Die Neuankömmlinge wurden die ganze Zeit über von Geierschützern beobachtet, um eventuelle Auswirkungen auf die Mönchsgeier-Population frühzeitig zu erkennen. Die beiden Geierarten schienen sich allerdings gut zu verstehen bzw. sich nicht gegenseitig in die Quere zu kommen.

Stand Februar 2020 gab es übrigens rund 39 Mönchsgeier-Brutpaare und 15 Gänsegeier-Brutpaare auf Mallorca. Das dürften mittlerweile bestimmt ein paar mehr sein. Um die Geierarten besser studieren zu können, bekamen damals sechs Geier einen GPS-Sender.

Gänsegeier und Mönchsgeier bei Fressen auf Mallorca © Manuel de la Riva

Mönchsgeier mit GPS-Sender © Manuel de la Riva

Im Sommer 2021 gelang den Mönchsgeiern auf Mallorca übrigens noch eine Besonderheit: Nach einem Fehlversuch im Vorjahr baute ein Pärchen erneut sein Nest nicht wie bei Mönchsgeiern üblich auf abgelegenen Pinienbäumen entlang der Küste, sondern auf einer Felsklippe. Und in diesem Jahr schlüpfte tatsächlich ein Küken, das sich sehr gut entwickelt. Diese Tiere überraschen uns immer wieder!!!

Mönchsgeier haben von allen Greifvögeln Europas die längst Brutzeit, nämlich 55-60 Tage. Die Baumnester können einen Durchmesser von 254 cm und eine Höhe von 129 cm erreichen. Zwischen Ende Februar und Mitte März legen die Brutpaare ein einzelnes Ei, aus dem Ende April bis Mitte Mai ein süßes Küken schlüpft. Die Eltern kümmern sich rund 100-115 Tage um das Küken, bevor es Ende August bzw. Anfang September das sichere Nest verlässt.

Dienstag, 15. Februar 2022

Bartgeier-Brutprogramm in Südafrika

Auf der Webseite der Vulture Conservation Foundation (VCF) wurde heute eine tolle Fotostrecke von einem Bartgeier-Brutprogramm in Südafrika geteilt mit spannenden Informationen zum Bruterfolg aus 2021.

In Europa haben sich einige Bartgeier-Brutcentren seit vielen Jahren etabliert und liefern wertvolle Nachzuchten zur Wiederansiedlung des Bartgeiers in freier Natur. Hierzu gibt es viele erfahrene Brutpaare und Ammengeier, die sich liebevoll um den Nachwuchs kümmern. Im Brutcenter in Südafrika gibt es hingegen derzeit kein Brutpaar. Wie also kann so ein Brutprogramm erfolgreich sein?

Die Bartgeier-Unterart Gypaetus barbatus meridionalis, die nur in Südafrika und Lesotho beheimatet ist, gilt als kritisch vom Aussterben bedroht. Nachdem die Population in jüngsten Jahren um über 30 % zurückgegangen ist, musste endlich gehandelt werden, um die noch verbliebene isolierte Population in den Maloti-Drakensberg Mountain zu erhalten. Hierbei entstand auch das Bartgeierschutz- und Brutprogramm.

2015 beschloss das bilaterale (Südafrika/Lesotho) Bearded Vulture Recovery Programme der Bearded Vulture Task Force die Gründung einer Zuchtpopulation im Süden Afrikas. Hierzu startete das African Raptor Centre nahe Durban schließlich das Programm Bred4theWild. Dieses Programm folgt den gleichen Richtlinien wie das Europäische Bartgeier-Zuchtnetzwerk, das durch die VCF koordiniert wird.

Ziel des Programmes im südlichen Afrika ist die Bildung einer genetisch vielfältigen Zuchtpopulation von 20-30 nicht verwandten Gründergeiern in den nächsten Jahren. Die Nachzuchten dieser Geier sollen ausgewildert werden und zum Erhalt der wilden Population beitragen. In 2015 gab es nur einen erwachsenen Bartgeier in Gefangenschaft, der aus dem Besitz eines Wunderheilers konfisziert wurde. Das Weibchen erhielt des Namen Lesli. Um trotzdem ein Brutprogramm starten zu können, werden nun Eier aus Nestern wilder Bartgeier entfernt und in dem Brutcenter künstlich bebrütet. Dies ist möglich, da Bartgeier normalerweise zwei Eier legen, aber nur ein Küken großziehen. Bei Bartgeiern ist nämlich der Kainismus weit verbreitet, bei dem das ältere Küken das jüngere tötet, um selber genug Nahrung von seinen Eltern zu erhalten.

Im folgenden Text werden die Geier durch eine Brutsaison begleitet.

Start der Brutsaison in freier Natur

In der südlichen Hemisphäre ist die Paarungs- und Nestbauzeit im April und Mai. Mitte Juni werden die Eier gelegt, aus denen nach rund 54tägiger Brutphase die Geierküken schlüpfen. In dieser Zeit suchen die Mitglieder des Bearded Vulture Recovery Programme nach wilden Nestern in den Maluti-Drakensberg Mountain und beobachten die Brutaktivitäten.

Nest-Cam-Foto eines bekannten Bartgeier-Brutpaares © Dr Sonja Krüger/ Ezemvelo KZN Wildlife

Sammeln der Eier

Ende Juli beginnt die Zeit, in der die Zweitgelege der Bartgeier eingesammelt werden. Hierzu klettern die erfahrenen Geierschützer in unwegsamem Gelände zu den wilden Geiernestern und entfernen jeweils ein Ei. Auf sicherstem und schnellstem Weg werden die Eier in das African Raptor Centre zwecks künstlicher Inkubation gebracht. Entgegen aller Erwartungen konnten 2021 sogar sieben statt erhoffter sechs Eier gesammelt werden.

Abseilen zum Geiernest und Bild eines Nests mit zwei Eiern © African Raptor Centre

Bebrütung der eier

Da es derzeit keine Geiereltern für eine natürliche Bebrütung im Brutzentrum gibt, müssen die Geier künstlich im Inkubator bebrütet werden. Viermal täglich werden die Eier von den Geierschützern zwecks Temperaturschock herausgeholt und für kurze Zeit der Außentemperatur ausgesetzt. Dies ist eine Vorgabe der VCF und dient dem Gasaustausch (CO2 und O2) sowie der Entwicklung des Embryos. Es simuliert den Moment, bei dem Geiereltern in freier Wildbahn den Platz im Nest auf dem Ei tauschen und dabei ebenfalls das Ei für kurze Zeit ungeschützt lassen.

Eier bei Außentemperatur zwecks Temperaturschock © African Raptor Centre

Beobachtung der Eier

Jeden Abend werden die Eier durchleuchtet, um die Entwicklung des Embryos zu untersuchen. Diese Beleuchtung wird im Englischen „candled“ genannt. Hierbei wird am breiten Ende des Eies eine spezielle Lampe angehalten und somit Entwicklung und Bewegungen des Embryos sichtbar gemacht. Dabei kann nach einigen Tagen auch herausgefunden werden, ob das Ei überhaupt befruchtet ist. 2021 war eines der sieben Eier leider unbefruchtet.

Die Beleuchtung des Eies zeigt den dunklen Embryo und den gut entwickelten Luftsack rechts im Bild © African Raptor Centre

Der Schlupf

Sobald das Küken den Luftsack durchbricht, kann man es aus dem Ei heraus fiepen hören. Ich kann mich noch richtig gut an diesen magischen Moment vor vielen Jahren in Südafrika erinnern, als zum ersten Mal ein Ei mit mir „gesprochen“ hat. Das süßeste Geräusch, das ich je gehört hatte! Ein ganz besonderes Erlebnis!!! Nun muss das Ei rund um die Uhr beobachtet werden, um beim Durchbrechen der Eischale notfalls unterstützt zu werden.

Drei Küken versuchen gleichzeitig die harte Eierschale zu durchbrechen © African Raptor Centre

Winzige Geierküken © African Raptor Centre

Kükenaufzucht

Um die Küken gesund und munter großzuziehen, werden drei Techniken angewendet: Fütterung mit einer Geierhandpuppe, Sozialisierung mit weiteren Geierküken und Bekanntschaft mit einem erwachsenen Geier.

Fütterung mit einer Geierhandpuppe

Eine Woche nach dem Schlupf können Geierküken registrieren, wer sie füttert. Damit sie sich nicht auf Menschen prägen, werden sie von nun an mit einer Geierhandpuppe gefüttert, die einem Elterngeier nachempfunden ist. Den Menschen können sie dabei nicht sehen.

Fütterung mittels Geierhandpuppe © African Raptor Centre

Sozialisierung mit weiteren Geierküken

Geierküken fühlen sich wohler, wenn sie Artgenossen um sich haben. Daher werden die Geierküken jeweils in Sichtweite aufbewahrt, allerdings mit Barrieren, damit sie sich nicht gegenseitig verletzen können.

Mehrere Geierküken in Sichtweite © African Raptor Centre

Bekanntschaft mit einem erwachsenen Geier

Im Alter von 20 Tagen können Geierküken selber ihre Körperwärme regulieren. Dies ist der Moment, wenn sie in eine Außenvoliere umziehen dürfen. Dort sitzen sie dann in einer nachgebauten Felshöhle und können – sicher geschützt durch eine Plexiglaswand – einen erwachsenen Bartgeier beobachten und Verhaltensmuster von ihm erlernen.

Erwachsener Geier in Sichtweite © African Raptor Centre

Geschlechtsbestimmung

Mittels Blutprobe kann das Geschlecht der Geierküken bestimmt werden. Von den sechs geschlüpften Küken wurden drei Männchen und drei Weibchen identifiziert. Gerade in Brutprogrammen ist eine halbwegs gleiche Verteilung von Männchen und Weibchen sehr wichtig, wenn es um die spätere Verpaarung möglicher Bruttiere geht. Aktuell befinden sich etwas mehr Weibchen als Männchen in diesem Brutprogramm.

Beobachtung der Entwicklung

Jede Woche werden die flauschigen Küken gewogen, ihre physische Entwicklung bewertet und mit den Idealgewichten der VCF-Vorgaben verglichen.

Wiegen und Dokumentation der Kükenentwicklung © African Raptor Centre

Je weiter die Entwicklung, desto mehr geht der Flaum in graue und weiße Federn über. An Nacken und Hinterkopf hält sich der Flaum etwas länger. Außerdem wird die Lederhaut der Augen sichtbar, der charakteristische rote Ring.

Im Alter von 4-5 Wochen kann das Küken stehen © African Raptor Centre

Mehr Federn statt Flaum © African Raptor Centre

Endlich flügge

Im Alter von 3 Monaten sind die Geierküken so weit entwickelt, dass sie untereinander und mit dem erwachsene Geier zusammengeführt werden können.

Die Junggeier sind endlich flügge © African Raptor Centre

Anfang Dezember verlassen die Junggeier ihr Nest und sind endlich flügge.

Bartgeierkinder im Alter von 6 Monaten © African Raptor Centre

Die Brutsaison 2021 war für die Programm-Partner ein Riesenerfolg! Meinen herzlichen Glückwunsch!!!

Freitag, 11. Februar 2022

Bartgeier in Georgien verschluckt Teppichmesser

Bartgeier sind bekannt dafür, dass sie bis zu 30 cm große Knochen am Stück verschlucken können. Leider passiert es aber auch, dass sie andere, gefährliche Dinge mit Knochen verwechseln, wie zuletzt in Georgien. Dort verschluckte ein Bartgeier versehentlich ein Teppichmesser, was ihm gar nicht gut bekam.

Die Vulture Conservation Foundation (VCF) berichtet, dass Anwohner der Stadt Nichbisi einen flugunfähigen Bartgeier entdeckten und sofort den Zoo Tiflis informierten. Tierpfleger sammelten den Geier ein und versorgten ihn mit Flüssigkeit und Futter. Nach einigen Tagen hatte sich der arme Geier soweit erholt, dass er umfangreicher untersucht werden konnte. Ein Team der Nature Conservation Georgia und des Zoo Tiflis brachte den Patienten hierfür in die Tierklinik Vetex, wo er geröntgt wurde. Dabei wurde das 20 cm lange Teppichmesser in seinem Magen-Darm-Trakt entdeckt.

Röntgenbild © Vetex, VCF-Webseite

Das Tierarztteam entschied, dass das Messer schnellstmöglich entfernt werden müsse. So eine Operation ist allerdings sehr kompliziert. Mit einem Gastroskop und kleinen Manipulatoren gelang es schließlich das Messer ohne Blutungen oder weitere Verletzungen zu entfernen.

Bartgeier im OP © Nature Conservation Georgia, VCF-Webseite

Bartgeier im OP © Nature Conservation Georgia, VCF-Webseite

Anschließend wurde der Bartgeier wieder in den Zoo Tiflis gebracht, wo er weiterhin aufgepäppelt und versorgt wird. Wenn er wieder zu Kräften gekommen ist, wird einer anschließenden Auswilderung nichts mehr im Wege stehen. Eine schöne Erfolgsgeschichte!!!

Montag, 7. Februar 2022

Die erste bestätige Sichtung mit Fotos seit vier Monaten von Bavaria!

Unsere fleißige LBV Ehrenamtlerin Silke war Bavaria auf der Spur

von David Schuhwerk, 07.02.2022

Nachdem Sie die letzten Wochen schon unermüdlich unterwegs war, hat sich ihre Geduld und Engagement nun ausgezahlt. Silke, unsere ständige Begleiterin und Helferin seit Beginn des ersten Projektjahres hat Bavaria nun endlich mit eigenen Augen gesehen und auch ein paar Schnappschüsse machen können. „Leider ist die Qualität echt schlecht, weil ich nur mein Handy hatte und es auch immer sehr schnell ging, aber sehen konnte ich sie mehrmals sehr gut“, meint Silke.

Bavaria beim munteren Kreisen © Silke Moll, LBV

Gesund und vital

Nachdem Sie zu Beginn ihrer Observationen jeweils Bavarias VHF Sender telemetrierte, konnte Sie nach langem Suchen und Warten die gewünschten Signale empfangen. „Mein Eindruck ist, dass sie sehr gesund und vital aussieht und gut in Form ist!“, so die ersten sehr positiven Beschreibungen von Silke. Sie konnte zwar keine direkte Nahrungsaufnahme beobachten, aber der äußere Eindruck und die Verhaltensweisen hören sich sehr vielversprechend an.

Mehrmals landete Bavaria in einer lichten Bergwaldpassage © Silke Moll LBV

Streifzüge in der Region

Sie kreist in der relativ gut geeigneten Region herum, untersucht Lawinenrinnen und landet auch mal in lichten Wäldern mit sonniger Exposition. Seit Bekanntwerden ihres Aufenthaltsortes durchstreift sie die zusammenhängenden Gebirgsstöcke, an denen sie auf ihrer ersten großen Reise durch die Ostalpen schon einmal vorbeigekommen war.

Bavarias Senderdaten und die bekannten Flugrouten seit der Reaktivierung der Batterie © GPS Senderdaten LBV

Freude und Dankbarkeit

Nach der positiven Entwicklung in Bezug auf den Senderakku (der allerdings immer noch recht fragile Werte aufweist) ist das eine weitere freudige Nachricht von unserem zweiten Jungvogel.

Ein weiterer Schnappschuss von Bavaria aus Silkes Handy © Silke Moll LBV

Und noch einmal ein herzliches Dankeschön an unsere Silke für diesen tollen Einsatz!

Mit freundlicher Genehmigung des LBV. Weitere spannende Infos findet ihr im Bartgeier-Blog des LBV!