Dienstag, 25. Oktober 2016

Zweiter Tag am Tropf

Nachdem ich nachts durch irgendein Vieh wachgeworden bin, das meinte mir am Hals langkrabbeln zu müssen, und nach einem frühmorgendlichen Hahnenschreianfall, kam ich doch überraschend gut aus den Federn. Auf in den zweiten Tag bei VulPro!
7 Uhr Arbeitsbeginn: Beim Austeilen der morgendlichen Ration Eintagsküken für den Fischadler, die beiden Black Eagle (Felsenadler? Ich vergesse den Deutschen Namen immer wieder) und die Palmgeier konnte ich bewundernd feststellen, dass der Himmel bereits voller Geier war. Also schnell ins Beobachungshäuschen geflitzt und 155 Kapgeier und Weißrückengeier gezählt! Ich kann mich beim besten Willen nicht dran erinnern, dass ich jemals so früh so viele Geier gesehen habe. Leider hatte ich die Kamera nicht dabei und in meiner Frühstückspause waren die meistens bereits wieder verschwunden und hatten sich in den Schatten verdrückt.
Als dann noch ein paar Besucher entlang der Volieren schlenderten, hauten die übrigen Geier leider auch noch ab.
Bei dem letzten Aasrest, einem Schweinekopf, zeigte sich mal wieder warum es so praktisch ist, dass Geier einen langen, nackten Hals haben.
Während die Kollegen fleißig Ausschau halten, wühlt sich ein Geier auf der Suche nach einem letztens Fitzel Schweineaas tief in den Rachen des Schweines, ohne sich das Gefieder total zu versauen.
Bei einem Streifzug an den Volieren vorbei kam eine einzelne, starke Windböe auf. Im Nu war ganz VulPro ein Meer aus flatternden Riesenflügel und sämtliche Geier hüpften und flatterten vergnügt herum. Solche Momente sind einfach unbeschreiblich, wenn man nicht selber gerade mitten im Federhaufen steht.
Nachdem die Palmgeier gestern zu kurz kamen, hier einer in voller Schönheit:
3 Geierarten auf einem Bild vereint. Von links nach rechts: Ohrengeier, Palmgeier, Kapgeier.
In der Brutvoliere treiben sich sieben wunderschöne Geierkinder herum, die dieses Jahr geschlüpft sind und demnächst flügge werden. Dennoch schallt oft das süße, hungrige Gekreische nach Aas über das Gelände, wenn die kleinen Raffschnäbel ihre Eltern um Aas anbetteln. Die Eltern sind natürlich bestens genährt und können ihre Küken fleißig durch hochgewürgten Aasbrei füttern.
Wobei, Küken kann man die Riesenviecher eigentlich nicht mehr nennen. Auf dem nächsten Bild in der Mitte ist gut zu erkennen, dass die "Kleinen" bereits ausgewachsen sind. Sie unterscheiden sich nur noch in der Gefiederfärbung sowie Schnabel- und Augenfarbe von ihren Eltern.
Noch wird der Kleine von seinen Eltern umsorgt, aber bald gehts der Kampf ums Aas auch für ihn los, bis er eines Tages in die Freiheit entlassen wird.
Geier von unten...
Und so sieht ein Geierrestaurant aus, wenn gut 200 Geier mit 2 großen Säuen, 4 stattlichen Schweinen, vier Schubkarrenladungen voll Schweinehälften sowie allerlei Eingeweidekrempel fertig sind. Würden sich zur Zeit auch kumpelhafte Marabus hier herumtreiben, so während auch die letzten Reste von der Futterstelle verschwunden.
Offenbar hats gut gemundet.
Ein Geier mit GPS-Sender, damit jederzeit seine Flugroute verfolgt werden kann. Verständlicherweise gefällt es ihm bei VulPro jedoch am besten!
Unsere Patienten-Geier durften nach einer weiteren Nacht im Haus tagsüber wieder raus in die Hospital-Voliere. Der Vergiftete in seine Schlinge, um seine kraftlosen Beine zu entlasten und das "Baby" durfte frei herumlaufen, um dem armen Geier Gesellschaft zu leisten und ihn aufzumuntern. Diesen Job erfüllte der Kleine super. Immer wieder lief er zu dem Kranken und kuschelte sich an ihn, ohne jedoch dabei den Tropf zu ruinieren, den der Kranke gegen seine Dehydrierung nachmittags wieder bekam. Diesmal hat es aber Geklappt den Tropf an der Bein-Vene anzulegen.
Ein herzzerreißender Anblick, wie der Geier in seiner Schlinge am Tropf hängt. Die Physio scheint etwas Wirkung zu zeigen und sein Kot sieht gesünder aus, aber er ist noch lange nicht über den Berg. Die nächsten zwei Wochen sind entscheidend. Kann er nach zwei Wochen noch immer nicht laufen, so wird er wohl erlöst werden. Aber daran will ich gar nicht erst denken. Ich hoffe er kämpft genauso sehr für sich selber, wie wir um ihn kämpfen!
Ich kann es kaum glauben, dass ich wirklich anfange den Möchtegern-Rocky-Hahn zu mögen! Er sieht prachtvoll aus, kann melodisch (zu unverschämten Uhrzeiten) krähen und passt toll auf seine Küken auf. Außerdem merkt man sofort, dass er nicht von Hand aufgezogen wurde, denn er wahrt deutlich mehr Abstand als Rocky.
Harry mit einer seiner Hennen und einem Rudel seiner Küken.
Aber ein Hahn wäre kein Hahn, wenn er nicht mehrere Hühner angelacht hätte. Dieses hier ist ihm auch verfallen. Da ein Küken nicht von ihrer Seite weicht, nehme ich stark an es ist ihres mit Harry.
Wie schöns ein Gefieder in der Sonne glänzt. Scheint ziemlich viel Wert auf Körperpflege zu legen, der Gute.
Fast alle seine Küken sind dunkel, aber dieses hier hat ein ganz besonderes Gefieder. Sehr süß!
Diesmal habe ich übrigens ein Zimmer für mich alleine. Nebenan wohnt Jonny, ein netter junger Mann aus England, der bereits seit eineinhalb Monaten hier ist und noch bis Anfang Dezember bleibt. Ansonsten ist Maggie wieder hier, die ich bereits 2015 kennengelernt hatte, die aber bei meinem letzten Besuch über Ostern leider zurück in ihre Heimat (USA) musste, um ihr Visum zu verlängern. Außerdem sind natürlich alle netten Angestellten noch hier, die ich bereits seit Jahren kenne sowie ein neuer Helfer. Insgesamt ein wirklich tolles Team!

Montag, 24. Oktober 2016

Ein halbes Dutzend

Endlich ist es wieder so weit und ich bin in meine zweite Heimat zurückgekehrt: Nach VulPro in Südafrika. Damit mache ich mittlerweile das halbe Dutzend voll.
Die Anreise lief aber nicht ganz problemlos. Sonntag um 3:30 Uhr aufgestanden und von meiner lieben Schwester zum Flughafen gefahren worden, da der Abflug mit KLM über Amsterdam bereits um 6:20 Uhr anstand. Kaum sitzen alle im Flugzeug, da macht der nette Pilot die ranzige Durchsage, dass wir wegen starker Nebelwarnung in Amsterdam nicht starten können. Die Flieger könnten dort nur in Nebellöchern landen, weshalb die Langstreckenflüge, die bereits in der Luft waren, natürlich oberste Priorität hatten, weil ihnen sonst der Treibstoff ausgeht. Geplanter Abflug frühestens 8:20 Uhr. Mein Anschlussflug von Amsterdam nach Johannesburg war auf 10:25 Uhr angesetzt. Schöner Mist. Neben dem Nebelchaos waren zudem noch die Flügel des Fliegers vereist. Was ich wirklich klasse fand: Der Pilot ist persönlich von Reihe zu Reihe gegangen, hat sich allen Fragen gestellt und sich geduldig sämtiche Tickets für Anschlussflüge angeschaut. Mir hat er versichert, dass es bei 8:20 Uhr Abflug locker reichen wird und er so schnell wie möglich fliegen wird. Bei so einer tollen Betreuung ist man doch gleich viel entspannter. Es ging dann tatsächlich mit pünktlicher Verspätung los, einmal unter die Flügelenteisungsdusche und ab in die Luft. In Amsterdam lief dann alles ganz locker und ich konnte meinen Anschlussflug gut erreichen. Leider hätte die Kabine ebenfalls eine Enteisungsmaschine gebraucht, denn wir wurden mal wieder schockgefroren. Zehneinhalb Stunden in zwei Jacken und zwei Decken gewickelt, während man trotzdem noch bibbert, ist echt kein Genuss. Um 21:15 Uhr kam ich dann endlich in Johannesburg an, ab durch die Passkontrolle, Gepäck schon auf dem Band und der nette Taxifahrer gleich in der Nähe. Obwohl es mittlerweile kurz vor 22 Uhr war, hatte der Vodacom-Laden überraschenderweise noch auf. Also nix wie rein, schnell unverschämt überteuertes Internet erkämpft und wieder ein wesentlich günstigeres Leihgerät rausgehandelt. So langsam kenne ich die Tricks. Diese Verzögerung hatte aber zum Nachteil, dass ich erst kurz vor Mitternacht bei VulPro ankam. Während der gesamten Fahrt war ein herrliches, trockenes Dauergeblitze am Himmel, allerdings ohne Donner und Regen. Im Zimmer angekommen habe ich nur noch die Schuhe ausgezogen und bin direkt weggeratzt. Allerdings nicht lange, denn Rockys Nachfolger Harry hat sich prächtig entwickelt. Nicht nur optisch eifert das einst so verlauste Zottelvieh dem prachtvollen Rocky nach sondern auch stimmlich. Und so ein klangvolles Kikerikiiii muss man natürlich nonstop bereits um 3:30 Uhr oder so rauskrähen. OHNE WORTE!
Nach dem verzweifelten Versuch auszuschlafen habe ich es um 7 Uhr aufgegeben und einen Streifzug durch die Geier gemacht. Einer der Ohrengeier saß genüsslich auf seinem Futterschwein...
...während der Wollkopfgeier bereits seinen Schnabel an der Schweineschwarte wetzte.
Ich habe die Wollkopfgeier von VulPro in der Vergangenheit meist als Weißkopfgeier bezeichnet, aber ich schwenke jetzt um auf die weitere verbreitete Variante.
In der Großvoliere kamen die vielen Kapgeier und Weißrückengeier sofort neugierig angerannt, als ich mich dem Gitter näherte. Die süßen Krummschnäbel wollen immer spielen - oder haben sie nur auf Futter gehofft? Egal, jedenfalls haben wir uns wieder minutenlang gegenseitig Federn hin und her gereicht und ich habe mich sofort wieder wie zuhause gefühlt.
Ein etwas schwermütiger Blick ging sofort zur Wahl-Memorial-Bank. Auch wenn es jetzt schon ein Jahr her ist, seit er leider verstorben ist, vermisse ich ihn noch immer total. Vor allem, wenn ich an den Ort unseres Kennenlernens heimkehre und daran denke, wie wohl auch er sich hier gefühlt hat. Ich hoffe er und Rocky haben sich wiedergefunden und wachen gemeinsam über VulPro.
Aber schnell wieder ablenken mit ein paar süßen Geierchen.
Bereits um 9 Uhr begann das Gefieder am Himmel zu kreisen und die ersten wilden Geier stürzten sich ins Geierrestaurant.
Nach einem langen, trockenen Winter kamen in den letzten Tagen bereits einige Regenschauer runter und sofort spross das erste Grün. Außerdem blühen zur Zeit herrlich rosa Blüten...
...und der tolle, blaulila Jacaranda. Zu schade, dass ich im stockdunkeln durch Pretoria gefahren bin. Ansonsten hätte ich dort ganze Jacaranda-Alleen bewundern können. Trotz insgesamt 8 Monaten in Südafrika ist mir dieses Farbspektakel bisher entgangen.
Schon morgens wurden direkt unsere Patienten versorgt. Der Kampfadler (Martial Eagle) ist neu hier und ein wirklich prachtvolles Geflügel. So einen schönen Adler hatten wir hier noch nie. Leider hat der arme viele wunde Stellen an den Flügeln und am Kopf, die mir einer dicken Fettsalbe eingeschmiert wurden.
Außerdem musste ein vergifteter Weißrückengeier in die Schlinge gehängt werden, weil er sich nicht aus eigener Kraft auf den Beinen halten kann. Der Arme bekommt jetzt stündlich Physio von mir, damit das Blut in seinen Beinen und Krallen wieder zu zirkulieren beginnt. Neben einer Beinmassage strecke ich das Bein immer wieder vor und zurück, damit er lernt Widerstand zu leisten. Der Arme sieht total jämmerlich aus und musste später an den Tropf angeschlossen werden. An seinen kraftlosen Krallen wollte der Tropf leider nicht laufen, also bekam er die Nadel in den Flügel. Hoffentlich geht es dem armen Kerl bald besser.
Bei dem zweiten Weißrückengeier-Patienten war es mal wieder Liebe auf den ersten Blick: Ein Junggeier, der noch nicht flügge ist. So ein süßer, flauschiger Fratz. Netterweise durfte ich ihn aus seinem Nachquartier im Haus nach draußen tragen, damit er die Sonne genießen und dem armen Giftpatienten Gesellschaft leisten kann. Der Kleine wurde bei einer Junggeier-Beringung gefunden und machte dabei leider nicht den fittestens Eindruck. Hier schließt er aber ratzfatz alle in seinen Bann und bringt uns mit seinem süßen, unschuldigen Gesichtsausdruck zum Schwärmen. Der Kleine macht zum Glück einen recht fitten Eindruck.
Auf dem Weg zum Geierrestaurant habe ich kurz den beiden Andenkondoren hallo gesagt. Überraschenderweise war das freche Männchen so mit seiner Gefiederpflege abgelenkt, dass es gar nicht angriffslustig an den Zaun gerannt kam.
Im Beobachtungshaus vom Geierrestaurant dann der herrliche Anblick: Die ganze Wiese großflächig voller Geier und bereits um 9:30 Uhr gut 250 wilde Geier gezählt! Was für ein tolles Empfangskomittee!!!
Bilder aus dem Geierrestaurant mit blühendem Jacaranda im Hintegrund hatte ich auch noch nie!
Bei der morgendlichen Hitze suchten die Geier rudelweise Schutz um Schatten.
Wie ich diese wunderschönen, eleganten Geschöpfe vermisst habe!!!
180 Grad Geierpanorama.
Zwar war morgens nicht mehr viel Aas vorhanden, aber dafür haben wir mittags gut nachgelegt. Das wird morgen früh eine genüssliche Fressorgie für die vielen, hungrigen Schnäbel.
Am Hintergrund muss ich noch üben, aber diese perfekte Hals- und Krallenhaltung ist eine meiner liebsten Geierlandeanflug-Posen!


Neben der regelmäßigen Physio und der Überwachung des Tropfes haben wir noch etwas Aas ausgelegt, das Nachtquartier der Geier-Patienten geputzt und angefangen die Baustelle aufzuräumen. Der neue Wohnanbau für Maggie, die längere Zeit bei VulPro arbeitet, ist fast fertig. Danach geht es ans Volunteer-Bad und eine neue Brutvoliere für Weißrückengeier ist offenbar auch geplant. VulPro wächst und wächst und wächst.
Ich bin total glücklich wieder hier zu sein und der herzliche Empfang durch das gesamte VulPro-Team zeigt mir mal wieder aufs Neue, dass wir schon fast eine zweite Familie sind.

Montag, 17. Oktober 2016

Geier-Massenvergiftung im Limpopo National Park

Nur wenige Tage, nachdem Südafrikanische Geierschützer eine Reihe vergifteter Geier in Zimbabwe retten konnten, schlug der Gift-Wahnsinn wieder zu: Ein Forschungsteam entdeckte nahe eines Touristencamps im Limpopo National Park auf der Mozambik-Seite des Kruger Parks die Überreste von zwei Nyalas, einem Warzenschwein und einem Impala, die mit einem schwarzen, körnigen Gift verseucht waren. Direkt in der Nähe lagen zwei tote Löwen, drei Fischadler, ein Gelbschnabelmilan, ein Milchuhu und 51 tote Geier!!!
Die Löwen waren zerlegt worden und ihre Knochen entfernt, vermutlich um sie auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen. Löwenknochen finden große Abnahme auf dem Asiatischen Markt. Zudem waren 22 Geier geköpft worden und werden vermutlich ebenfalls als traditionelle Medizin verkauft. Wie abartig können Menschen sein!?!? Die Kadaver wurden schnellstmöglich durch Naturschützer verbrannt, um weitere Todesopfer zu verhindern.
Die Notlage der Afrikanischen Geier hat Umweltschützer auf den Plan gerufen, da verschiedene Arten erschreckend schnell abnehmen. Die IUCN hat nun sechs Geierarten herabgestuft, vier Arten gelten jetzt als vom Aussterben bedroht. Die größte Bedrohung für Afrikas Geier ist die weitverbreitete Nutzung von Giftködern gegen Raubtiere oder von Wilddieben, um Elefanten und Löwen zu töten. Seit einigen Jahren gibt es zudem Fälle von Geier-Massenvergiftungen in Ost- und Südafrika mit zum Teil hunderten von Opfern.
Dieser Vorfall ist bereits der zweite größere Gift-Vorfall in dieser Gegend mit Löwen als Zeil. Der erste ereignete sich im Juli 2014. Damals wurden neben drei erwachsenen Löwen auch sieben Weißrückengeier und ein Gaukler getötet.
Auf der kürzlich stattgefundenen Convention on International Trade in Endangered Species (CITES), auch bekannt als Washingtoner Artenschutzübereinkommen, blieben wilde Löwen in Anhang 11 gelistet. Das bedeutet ein völliges Export-Verbot für Knochen, Knochenfragmente, Produkte aus Knochen, Klauen, Skelette, Schäden und Zähne. Erschreckenderweise beinhaltet das Verbot nicht Löwenknochen aus Nachzuchten. Will Travers, Präsident der Born Free Foundation, bezeichnete dies als traurigen Tag für CITES. Er befürchtet, dass nicht zwischen Knochen von wilden und gezüchteten Löwen unterschieden werden kann, so dass die Tür für Wilddiebe weiterhin weit geöffnet bleibt. Neun Afrikanische Nationen - Niger, Tschad, Elfenbeinküste, Gabun, Guinea, Mali, Mauretanien, Niger und Togo - sprachen sich dafür aus Löwen auf den Anhang 1 zu setzen, der ein völliges Export-Verbot von Löwenknochen bedeutet. Leider wurde dennoch der Handel mit Löwenknochen von Nachzuchten durch CITES erlaubt.

Samstag, 15. Oktober 2016

The Unfeathered Bird - Katrina van Grouw

Vor einer Weile hatte ich mir den tollen Bildband "The Unfeathered Bird" von Katrina van Grouw bestellt. Zwar gefallen mir Vögel und vor allem Geier mit Federn besser, aber ich wollte auch einmal sehen, was unter dem Gefieder steckt. Passend dazu hatte ich nun meinen neuen Halloween-Geier in der Post. Da der Arme etwas dünn um die Rippen ist, nenne ich ihn Skinny.
 
Bereits auf Seite 31 hat ich das Gerippe eines Andenkondors angeschaut.
Auf den nächsten Seiten folgten Abbildungen zu Schädeln von Rabengeier, Königsgeier, Schmutzgeier und Ohrengeier.
Aber auch der Rest des Buches mit zahlreichen Vogel-Gerippen aller Art ist sehr faszinierend und zeigt die Vogelwelt aus einer ganz besonderen, ungewöhnlichen Perspektive.

Mittwoch, 5. Oktober 2016

Zusammenfassung: VCF September

In Europa kreisen 4 der 23 Geierarten am Himmel: Gänsegeier, Bartgeier, Schmutzgeier und Mönchsgeier. Da Geier weltweit stark bedroht und viele Arten aus ihren ursprünglichen Lebensräumen bereits verschwunden sind, setzt sich in Europa die „Vulture Conservation Foundation“ (kurz: VCF) für ihren Erhalt und Schutz ein. In den vergangenen Jahren hatte ich das große Glück einige Mitglieder der VCF und ihre tolle Arbeit persönlich kennenlernen zu dürfen. Daher möchte ich nun regelmäßig eine Zusammenfassung des VCF-Newsletters in meinem Blog posten, um die gute Arbeit und Wissenswertes rund um unsere geliebten Geier weiter in die Welt hinauszutragen.
Nur wenige Tage nachdem dem ersten Flug eines wilden Schmutzgeier-Jungtieres in der Region Lomovete (Bulgarien), wurde ganz in der Nähe die Bruthöhle der drei nach Bulgarien transportierten Schmutzgeier-Nachzuchten geöffnet.
Fotos: BSPB
Die drei Junggeier stammen aus Zoos in Prag, Wien und Paris und sollen im Rahmen des European Endangered Species Programmes (EEP), der European Association of Zoos and Aquaria (EAZA)und der Vulture Conservation Foundation (VCF) im Rusenski Lom Nature Park wiederangesiedelt werden. Zwei Wochen wurden die Junggeier in ihrem künstlichen Nest, das von Green Balkan konstruiert wurde, an die neue Umgebung gewöhnt, beobachtet und mit Futter unterstützt. Dieses wurde durch eine Röhre in die Bruthöhle gegeben, um jeden Kontakt zu Menschen zu vermeiden. In der Zwischenzeit wurde auch das Geierrestaurant auf dem Berggipfel von Unkraut befreit und für die hungrigen Geier hergerichtet.
Am 26. August flog das Männchen Lom als erster aus der Bruthöhle raus, gefolgt von seiner Schwester Regina, während Elodi lieber bis zum 01.September in der sicheren Höhle blieb. Bei ihren ersten Flügen wurden die jungen Geier genauestens beobachtet. Schnell entwickelten sich ihre Flugkünste weiter und schon bald mischen sich wilde Schmutzgeier unter die Neuankömmlinge. Nach anfänglichen Ängsten näherten sie sich schließlich dem Geierrestaurant und begannen zu fressen und ihr Aas sogar gegen ältere Vögel zu verteidigen. Am 02.September machte sich Regina bereits auf den Weg über Griechenland in die Türkei, wo sie hoffentlich einer sicheren Schmutzgeier-Migrationsroute in den Mittleren Osten folgt. Am 06.September begann auch Lom seine weite Migrations-Reise Richtung Griechenland.
Leider wählten beide Schmutzgeier die Wanderroute von der Türkei über Zypern. Diese Route endete bereits für 70 % aller markierten Junggeier vom Balkan tödlich, die meisten ertranken auf ihrer ersten Migration im Mittelmeer. Ebenso drei von sechs in Italien ausgewilderten Schmutzgeier der VCF im letzten Jahr. Regina flog am 8.September von Antalya nach Zypern und ruhte sich an der Westküste Zyperns aus, bevor sie südlich weiterflog über die Halbinsel Akrotiri. Von dort aus sind es 240 km bis zur nächsten Küste. Nach 6 Stunden und 190 km, nur 50 km von der Libanesischen Küste entfernt, änderte Regina ihren Kurs und flog weitere 130 km übers Meer in südwestliche Richtung. Dort stürzte sie schließlich, vermutlich völlig entkräftet, ins Meer – nur 25 km von der Küste von Tel Aviv entfernt ;-( Während ihrer Reise flog Regina 1500 km in 8 Tagen, im Schnitt 200 km pro Tag. Davon 500 km über offenes Meer, bevor sie ertrank.
Reginas Bruder Lom folgte ihr nur wenige Tage später. Er hatte seine Migration gestartet, indem er das Marmara-Meer und die Marmara Inseln überflogen hatte und nicht die Dardanellen, wie Regina. Er flog weiter durch Zentral-Anatolien, statt der Küste zu folgen. Am 13.September flog er von Adrasan aus übers Meer, genau wie Regina, und erreichte am nächsten Tag die Küste von Zypern. Anschließend folg er in südliche Richtung weiter, drehte kurz vor der Israelischen Küste ab und flog weiter in südwestlicher Richtung übers Meer, bis er kurz vor Ägypten ertrank.
Warum sich die Geier ausgerechnet für diese Route entschieden und zweimal kurz vor der rettenden Küste abdrehten, ist zur Zeit noch ein Rätsel. Wurden sie gestört, waren sie durch bebaute Touristenorte an den Küsten verunsichert? Jedenfalls waren beide Junggeier wohl genährt und kräftig, als sie sich auf ihre Migrationsreise begaben. Sie überquerten bekannte Schmutzgeier-Gebiete in Bulgaria (Mazdharovo - Östliche Rhodopen) und Griechenland (Dadia - Thrace), wo immer wilde Schmutzgeier präsent sind. Dennoch entschieden sie sich für die von Raubvögeln öfters aber von Schmutzgeiern eher selten genutzte Migrationsroute über Zypern.
Nach diesen beiden tragischen Verlusten ruht alle Hoffnung auf Elodie, dem dritten in Bulgarien ausgewilderten Schmutzgeier. Sie befindet sich nach wie vor nahe der Schutzhöhle, futtert regelmäßig im Geierrestaurant und zeigt bisher keinerlei Interesse an einer Migration.
Am ersten Samstag im September, dieses Jahr der 03.09.2016, jährte sich wieder der „International Vulture Awareness Day“ (IVAD), der Weltgeiertag.
Auf der Webseite (http://www.vultureday.org/2016) ist eine Übersicht über alle Organisationen, die weltweit den Geiertag feiern und durch die verschiedensten Aktionen die Aufmerksamkeit auf unsere Geier lenken.
Pünktlich zum Weltgeiertag wurden die fantastischen Ergebnisse des Andalucía Action Plan zum Schutz der Mönchsgeier veröffentlicht. 2016 wurden insgesamt 192 junge Mönchsgeier in Andalusien flügge. Das sind nur fünf weniger als im Rekordjahr 2015, aber natürlich immer noch ein beachtliches Ergebnis für diese bedrohte Spezies.
398 Paare haben gebrütet (362 in 2015) und insgesamt 366 Eier gelegt (317 in 2015). Daraus sind 192 Mönchsgeierküken erfolgreich geschlüpft. Die Mönchsgeier-Brutpaare verteilen sich auf folgende Gebiete: Huelva, 134 Paare (120 in 2015); Seville, 118 Paare (98 in 2015); Jaén, 79 Paare (wie in 2015); Córdoba, 67 Paare (65 in 2015).
Die Sterblichkeitsrate aufgrund von Gift konnte Dank Anti-Gift-Programmen bis 2010 um 80 % reduziert werden. In Spanien wächst die Mönchsgeier-Population stetig, ebenso in Frankreich, wo erfolgreich aufgepäppelte Mönchsgeier aus Spanien ausgewildert wurden. Eine dritte, neue Population befindet sich in Portugal. Aufgrund der großen Erfolge wird in Zusammenarbeit mit VCF und dem LIFE Projekt eine Wiederansiedlung von Mönchsgeiern in Bulgarien aufgebaut – ebenfalls mit Spanischen Geiern.
Am 10.September wurden zwei Gänsegeier durch die NGO AMUS, einem Partner in der Extremadura, nach erfolgreicher Genesung freigelassen. Eingeladen sind Schulkinder aus lokalen Schulen, Vertreter aus Stadtgemeinden und alle Geierinteressierten. Neben der Freilassung werden die Zuschauer über die Wichtigkeit von Geiern und ihrer Rolle in der Natur informiert, um die Geier den Menschen näher zu bringen. Außerdem wird die Arbeit von AMUS vorgestellt.
Traurigerweise ist die Reise der 6 Jahre alten Bartgeier-Dame Kira, die im Rahmen des Wiederansiedlungsprojektes der Bartgeier in den Alpen 2010 im Calfeisental (Schweiz) ausgewildert wurde, beendet. Nachdem ihr GPS-Sender tagelang keine Bewegung verzeichnete, machte sich ein dem des Parc National de la Vanoise auf den Weg die beliebte Geier-Dame zu suchen. Leider konnten nur noch ein paar Federn, Knochen und der Transmitter gefunden werden, der Rest ihres Körpers wurde bereits von Füchsen verschlungen. Untersuchungen stehen noch aus.
Kurz nach ihrer Auswilderung erkundete sie verschiedene Gebiete entlang der Italienisch-Französischen Grenze. Nach einigen Jahren ließ sie sich im Vanoise National Park nieder und die Hoffnungen waren groß, dass sie einen Partner finden würde. Leider wird dies nun nicht mehr eintreten können. Bisher konnte noch kein Bartgeier so lange per GPS-Sender erforscht werden wie Kira.
Ein weiterer, trauriger Mönchsgeier-Verlust ereignete sich am 15.September auf Mallorca. Dort ist ein junger Mönchsgeier auf ca. 1500 m Höhe mit einem Lufthansa-Flieger aus München kollidiert, der sich im Sinkflug befand. Der kleine Pechvogel war offenbar ein Jungtier auf einem seiner ersten Erkundungsflüge.
Nachdem es in den 80er-Jahren nur noch ein oder zwei Brutpaare auf Mallorca gab, konnte die Population mit Hilfe der Black Vulture Conservation Foundation und der Unidad de Flora y Fauna wieder aufgepäppelt werden. Mittlerweile werden gut 40 Brutpaare gezählt und die Vögel fliegen teilweise sogar zu den Nachbarinseln Ibiza und Menorca.
Mönchsgeier-Infos aus Serbien:
Einst weit verbreitet im Balkan, gibt es heutzutage nur noch eine Brutkolonie in Dadia (Nordöstliches Griechenland) mit etwa 35 Brutpaaren, die durch den WWF Griechenland unterstützt werden. Hinzu kommen ca. 2500 Brutpaare in Spanien, 35 Paare in Frankreich und 10 in Portugal.
Die VCF und Partner starten nun ein neues LIFE Projekt zur Wiederansiedlung der Mönchsgeier im Central Balkan Gebirge in Bulgarien – erste Freilassungen sind für 2018 geplant. Daher ist es gut zu wissen, dass wilde Mönchsgeier in Serbien gesichtet wurden, die sich vielleicht später mit der neuen Population mischen können.
Diesen Monat wurde ein Mönchsgeier im serbischen Schutzgebiet Uvca gesichtet, das für seine gesunde Gänsegeierkolonie betreut durch Geierexperte Saša Marinković bekannt ist.
Foto: Saša Marinković
Fazit der Bartgeier-Brutsaison 2016 in den Alpen: 43 Brutpaare haben 25 gesunde Küken gezeugt, das beste Jahr aller Zeiten!!!
Nachdem der Bartgeier Anfang des 20.Jahrhunderts in den Alpen ausgerottet wurde, startete 1986 das Wiederansiedlungsprojekt, koordiniert durch die VCF und unterstützt von vielen Partnern in vier Ländern. 1997 schlüpfte schließlich wieder ein erstes Küken in freier Natur und die Population wächst stetig an. 2016 wurden nun 43 Brutpaare beobachtet, 9 Paare mehr als im letzten Jahr. 34 Eier wurden gelegt (29 in 2015) und 25 Küken wurden erfolgreich flügge (19 in 2015) – ein neuer Rekord!
Es gibt nun zwei Kernpopulationen, eine rund um den Mont Blanc im Westen (Frankreich – Italien – Schweiz) und einen im Engadine-Stelvio Gebiet (Grenzgebiet Schweiz - Italien).
Neben dem Wiederansiedlungsprojekt führen die VCF und Partner zwei weitere EU-unterstützte LIFE-Projekte ein: LIFE GYPHELP und LIFE GYPCONNECT. Die Rückkehr des Bartgeiers in den Alpenraum ist eines der größten Wildlife-Comebacks in Europa aller Zeiten, auf das wir wirklich stolz sein können! Besten Dank an alle Projekt-Partner, Geierschützer und freiwillige Helfer, die sich für unseren Bartgeier engagieren!!!
Eine spannende Beobachtung wurde von Raphael Grinevald bildlich festgehalten und beschrieben:
Foto: Raphael Grinevald
In luftiger Höhe fand ein brutaler Kampf zwischen einem erwachsenen Bartgeier und einem Gänsegeier an der südlichen Flanke des Bargy Massif in Haute Savoie, Frankreich, statt. Eines der 15 Bartgeier-Brutpaare in den Französischen Alpen hat dieses Jahr erfolgreich ein Küken großgezogen. Dieses Küken wurde natürlich bestens von seinen Eltern vor dem Eindringlich beschützt. Der Kampf dauerte etwa 20 Sekunden an, bis der besiegte Gänsegeier das Weite suchte. Die Gegend wird durch das LIFE GYPHELP project unter der Leitung von ASTERS (Conservatoire d´Espaces Naturels de Haute Savoie) überwacht.
Schmutzgeier Rupis, der halbwüchsige Schützling aus dem LIFE-Projekt Rupis, hat seine Migration nach Afrika bisher gut überstanden! Den Großteil des Septembers verbrachte er westlich von Salamanca nahe der Portugiesischen Grenze. Ein Feldteam wurde in die Gegend geschickt, um nach dem Rechten zu sehen. Rupis hatte sich einer Gruppe von Schmutzgeiern, Gänsegeiern und Rotmilanen angeschlossen und futterte genüsslich von den Plazentas diverser kalbender Kühe sowie von Misthaufen.
Am 20.September begann er schließlich seine Reise in den Süden und flog dabei so schnell und zielsicher, als wüsste er genau, was er machen müsste. Dabei ist er in seinem jungen Leben bisher erst ein oder zweimal migriert. In 2 Tagen schaffte er 700 km und erreichte die Straße von Gibraltar am 22. September. Bei guten Wetterverhältnissen und Aufwinden war die Meerenge schnell überquert und das Afrikanische Festland erreicht. Die meisten Schmutzgeier sind bereits durch, aber zur Zeit werden täglich noch immer 30 bis 70 Exemplare gesichtet. Rupis hat seine erste Nacht in Afrika westlich von Meknes verbracht und wird mit Sicherheit noch weiter in den Süden fliegen.
Im Rahmen des LIFE GYPCONNECT Projektes haben sich 20 Mitglieder der verschiedenen Projekt-Partner unter der Leitung der VCF in zwei kleinen Örtchen im Department Aude (Frankreich) getroffen, um die Einführung der verschiedenen Aktionen zum Geierschutz zu besprechen und wichtige technische Aspekte auszutauschen.
Das LIFE+ Projekt GYPCONNECT, finanziert durch EU LIFE Fund, unter der Führung der League pour la Protection des Oiseaux (LPO), in Zusammenarbeit mit der VCF, Vautours en Baronnies, Centre National d' Informations Toxicologiques Vétérinaires, Electricité Réseau Distribution France, Parc National des Cévennes, Parc Naturel Régional du Vercors, und der Université Pierre et Marie Curie – Paris 6, startet 2015 und ist auf 6 Jahre angesetzt. Ziele des Projektes sind der Aufbau einer Bartgeier-Brutpopulation im Zentralmassiv und in den Vor-Alpen durch Wiederansiedlung sowie eine Unterstützung der genetischen Vermischung der Alpen-Population mit der Population in den Pyrenäen durch einen „Korridor“. In diesem Zusammenhang wurden 2016 vier junge Bartgeier in Baronnies und Grands Causses ausgewildert.
Alle Bilder sind Eigentum der VCF bzw. der jeweiligen genannten Fotografen und dürfen durch die freundliche Genehmigung von Direktor José Pedro Tavares in meinem Blog gezeigt werden.