Donnerstag, 17. Juni 2021

Bergsteigen für die Bartgeier - Infostand

Ein weiterer Tag über 30 Grad, aber in einem Geierurlaub darf das nicht vom Besuch der Bartgeier im Nationalpark Berchtesgaden abhalten. Barty in den Rucksack gestopft, Wanderstöcke gespitzt und schon ging es los, wieder 370 steile Höhenmeter am Stück Richtung Halsalm hochgekraxelt. Heute unterstützte ich die netten Praktikanten vom LBV am Bartgeier-Infostand, der sogar noch ein ganzes Stück höher gelegen ist als das Beobachtungszelt.

Mit zwei Teleskopen können Wanderer und wir die beiden süßen Bartgeier-Mädchen Wally und Bavaria vom Info-Stand aus beobachten. Teilweise ließen sich sogar beide Geier gleichzeitig sehen und Bavaria schien einen großen Appetit zu haben. Immer wieder futterte sie am ausgelegten Aas herum. Einmal sah es sogar danach aus, dass sich beide Bartgeier-Mädchen gegenseitig beschnäbelten.

Bei den heißen Temperaturen waren leider nicht viele Wanderer unterwegs. Diejenigen, die an unserem Info-Stand vorbeikamen, blieben aber fast alle stehen und schauten sich die Geier an. Manche waren so begeistert von den Geiern und den Informationen, dass sie auch mal 15-30 Minuten auf einen Geierplausch bei uns stehen blieben. Einige waren richtig glücklich, dass sie die beiden Geier live sehen konnten, nachdem sie im Radio oder Fernsehen so viel Werbung zu der Auswilderung gehört hatten. Auch mich begeistert es hier jeden Tag mitzuerleben, wie Geier-interessiert viele Leute plötzlich sind und nur positive Worte für das Auswilderungsprojekt finden. Ich hätte mit viel mehr Gleichgültigkeit gerechnet und freue mich sehr, dass ich damit komplett falsch lag! Das Umdenken in einigen Teilen der Welt scheint mittlerweile tatsächlich eingetreten zu sein.

Mittlerweile sind die beiden Hübschen seit genau einer Woche frei in ihrer Felsnische und somit ist ihr erster Ausflug eine Woche näher gerückt. Ich kann mir gut vorstellen, dass der erste Flug einen weiteren Mediensturm auslöst. Nach allen Vorbereitungen haben sämtliche Beteiligte und vor allem die Geier dieses Interesse mehr als verdient!

Igendwann habe ich nicht mehr mitgezählt, aber in den gut fünf Stunden, die ich am Stand verbracht habe, haben wir vermutlich mit 40 Wanderern gesprochen, während höchstens 6 vorbeispaziert sind. Eine gute Quote. Hinzu kommen aber noch weitere Geiergespräche in meiner Unterkunft beim Frühstück sowie bei jeder anderen sich ergebenden Gelegenheit tagsüber beim Wandern.

Nachdem ich den steilen Berg wieder herabgeklettert war, entspannte ich mir bei einem gemütlichen Spaziergang durch Ramsau die überstrapazierten Beine und später gab es zur Belohnung noch einen ordentlichen Kaiserschmarrn! Wenn nachher noch die Niederlande ihr Spiel gewinnen, habe ich einen weiteren perfekten Tag hier im Süden erlebt...

Mittwoch, 16. Juni 2021

Aschauer Klamm und Weißbachschlucht

Nach dem gestrigen Bergsteigen für die Bartgeier im Nationalpark Berchtesgaden legte ich heute wieder einen etwas ruhigeren Tag ein. Dachte ich zumindest. Die netten Praktikanten vom LBV hatten mir einen Spaziergang durch die Aschauer Klamm empfohlen und die Beschreibung hörte sich wirklich super an.

Da der Wanderweg ab Schneizlreuth gesperrt war, parkte ich nahe der Kaserne in Oberjettenberg und kletterte einen steilen Weg runter in die Klamm.

Unten angekommen war ich direkt wieder restlos begeistert. Rauschende, glasklare Wildflüsse in dieser herrlichen Landschaft sind einfach super! Daran kann ich mich nicht sattsehen. Und der große Vorteil in einer Klamm: Man kann kilometerweit dicht neben dem Fluss entlanglaufen und hinter jeder Biegung wartet eine weitere tolle Aussicht!
Anfangs war die Klamm noch etwas breiter, verengte sich später jedoch. Durch die grelle Sonne auf einer Seite und die Schatten auf der anderen Seite, werden die meisten Bilder dieser tollen Schlucht einfach nicht gerecht. Ich zeige sie jetzt zwar trotzdem, aber live ist es um ein Vielfaches schöner!!! Die Aschauer Klamm ist nicht so bekannt wie zum Beispiel die Almbachklamm oder die Wimbachklamm. Eigentlich komisch, denn sie ist ebenfalls wunderschön und zudem eintrittfrei.
Immer wieder gibt es Wasserfälle und einige wenige Brücken, über die man den Wildfluss queren kann.
Perfekte Idylle!
Nach einer Wanderung bergauf bis zur Aschauer Klause, drehte ich wieder um und ging die Schlucht zurück. Diesmal aber weiter bergab als auf dem Hinweg, weil ich bis zur Gaststätte Haidermühle laufen wollte. Eine eiskalte Schorle nach der langen Wanderung in der Hitze wäre genau das richtige. Tja, nur schade, dass die Gaststätte erst am 19.06. wiedereröffnet.
Ohne Stärkung ging es hinter der Gaststätte steil bergauf Richtung Oberjettenberg bis zurück zum Auto, insgesamt eine Wanderung von 8,8 km Länge mit rund 400 Höhenmetern. Auf der Zielgerade, als ich durch den Aufstieg noch etwas wackelig auf den Beinen war, wäre ich fast auf diese Blindschleiche getreten, die mitten auf dem Wanderweg lag. In dem Moment kam ich mir selber wie eine schleichende Blinde vor.
Da mir morgens ein anderer Gast beim Frühstück von der Weißbachschlucht nahe der Aschauer Klamm erzählt hatte, wollte ich den jungen Tag für eine weitere Wanderung nutzen. Vor allem, da in der Weißbachschlucht nicht so viele Höhenmeter dazukommen. Ich fuhr also zur Gaststätte Mauthäusle, stärkte mich mit einem Riesennapf Schorle und einem Apfelstrudeln, bevor es runter in die Schlucht ging.
Ein weiterer toller Wildfluss mit schönem Wanderweg!
Im Vergleich zur Aschauer Klamm waren hier sogar ein paar mehr Leute unterwegs. Mit einer netten Gruppe ging ich einen Großteil des Wanderweges gemeinsam, wobei wir uns immer wieder - je nach Fotomenge - überholten und wieder einholten.
Auch Barty genoss den Tag sichtlich. In den beiden Schluchten war es zwar ebenfalls sehr warm, aber bei weitem nicht so heiß wie weiter oben und auf freien Flächen. Eine Bergwanderung wäre bei 30 Grad viel zu anstrengend gewesen.
An vielen Stellen tropfte erfrischendes, eiskaltes Wasser von den Felsen und an manchen Stellen gab es sogar richtige Wasserläufe die Bergwand herab. Eine super Gelegenheit die erhitze Haut zu erfrischen. Am liebsten hätte ich mich direkt in die Fluten gestürzt.
Nach gut 3 km erreichte ich das Ende der Schlucht und drehte wieder um. Normalerweise fände ich Rundwege besser, aber in einer Klamm bzw. Schlucht wie dieser ist es viel schöner, wenn man den tollen Weg direkt noch ein zweites Mal genießen kann. Am Ende kam ich bei dieser Wanderung auf 6,2 km und weitere 160 Höhenmeter. Soviele zu "ich gönne mir einen ruhigen Tag, um die Beine zu entspannen". Aber ich muss einfach sagen, dass mir das Wandern hier richtig viel Spaß macht!!!

Dienstag, 15. Juni 2021

Nochmal Bergsteigen für die Bartgeier

So langsam scheinen sich die müden Gräten an das Bergsteigen zu gewöhnen, denn heute früh ging es direkt wieder viel besser. Also nichts wie los, hoch in die Berge im Nationalpark Berchtesgaden zu den Bartgeiern!!!

Was sind schon 370 steile Höhenmeter, wenn als Belohnung die Aussicht auf Bavaria und Wally wartet!? Außerdem ging der Aufstieg jetzt beim dritten Mal bereits deutlich besser, auch wenn es um 10 Uhr bereits über 20 Grad heiß war.

Damit man die beiden Bartgeier in den ersten 2-3 Jahren im Flug besser erkennen kann, wurden einige Federn gebleicht. Da die Federn bei beiden Geiern auf den entgegengesetzten Flügeln und nur bei Bavaria auch am Schwanz gebleicht wurden, kann man die beiden auch auf die Entfernung durchs Teleskop halbwegs gut unterscheiden.

Barty wollte sich die Gelegenheit selbstverständlich nicht nehmen lassen ebenfalls seine wilden Freunde zu besuchen. Dabei wurde er direkt von einer netten Praktikantin des LBV aus den Nachrichten von Servus TV wiedererkannt. Barty ist nämlich schon ein richtiger Promigeier!
In den Bergen beim Beobachtungszelt ist es einfach so friedlich, dass die Zeit wie im Flug vergeht. Ursprünglich wusste ich gar nicht, wie lange ich bleibe - vor allem, da ich meinen Proviant weitestgehend vergessen hatte (zum Glück nicht das Wasser). Bei bis zu 30 Grad blieb der Hunger allerdings aus und vor lauter Geieradrenalin bekam ich sowieso nicht viel anderes mit.
Gemeinsam mit den Praktikantinnen beobachteten wir die Geier praktisch pausenlos durch die Teleskope und die wichtigsten Aktionen wie Fressen, Putzen, Interagieren etc. wurden dokumentiert. Leider klappt es auf die Entfernung mit dem Fotografieren nicht so gut, aber es gibt ja noch die Webcam des LBV, über die die Geier gut zu beobachten sind. Stand gestern Abend wurde sie bereits 56.000 Mal angeklickt!
Auf dem nächsten Bild befindet sich ein Geier hinter der zweiten Stange des Zaunes links der Solaranlage.
 
Hier sitzt ein Geier links des Zaunes, der schräg nach unten verläuft.
 
Es fühlte sich eigentlich nur wie 2 Stunden an, aber letztendlich war ich ganze 6 Stunden bei den Hübschen! Ich kann mir schlechtere Arbeitsplätze vorstellen. ;-)

Montag, 14. Juni 2021

Salzbergwerk und Kehlsteinhaus

Mit extrem müden Beinen von der gestrigen Kraxelei, ging es heute früh erstmal ins Berchtesgadener Salzbergwerk. Heute früh durfte es endlich nach 9 Monaten Corona-Pause wieder eröffnen und ich hatte mir direkt ein Ticket für die erste Führung morgens gesichert.

Ich hatte noch gut in Erinnerung, wie man mit einer kleinen Bergbahn in das Salzbergwerk hinein gefahren wird, im Inneren über zwei lange Holzrutschen über 20 m in die Tiefe rutscht und später noch mit einem Floß über einen Salzsee gefahren wird. Leider durfte man im Bergwerk keine Fotos machen, aber mit meinen Erinnerungen lag ich genau richtig. Und die Holzrutschen machen auch nach 30 Jahren immer noch tierisch Spaß!
Nach der einstündigen Führung spazierte ich in die Innenstadt von Berchtesgaden. Interessanterweise setzten die Erinnerungen hier nicht wirklich ein.
Bei wolkenfreiem Himmel entfaltete der Watzmann seine ganze Schönheit!
Um nach dem kurzen Stadtbummel das grandiose Wetter zu nutzen, fuhr ich mit dem Auto zum Besucherparkplatz auf dem Obersalzberg in etwa 1.000 m Höhe. Dort nahm ich den Bus Richtung Kehlsteinhaus, der auf einer Straßenlänge von 6,5 km stolze 700 weitere Höhenmeter überwindet bei nur einer Kehre und 5 Tunneln. Nach der Busfahrt ging es für weitere 124 Höhenmeter in 41 Sekunden mit einem Aufzug mitten im Berg weiter bis auf 1.834 m Höhe zum Kehlsteinhaus, dem "Eagles Nest".
Die Aussicht bei diesem tollen Wetter war wahnsinn! Angeblich kann man an perfekten Tagen bis zu 200 km weit sehen. Mir reichte im Grunde schon das nähere Umfeld mit dem Königssee und den riesigen, teils schneebedeckten Bergen.
Selbstverständlich war Bartgeier Barty wieder mit dabei, auch wenn ihm der Name "Bearded Vulture Nest" besser gefallen hätte.
T-Shirt-Wetter in fast 1.900 m Höhe, unglaublich! Auch die Touristenströme hielten sich sehr in Grenzen, so dass ich in Ruhe den Gipfel und die Aussicht genießen konnte.
Barty konnte es sich nicht verkneifen in einer Schneewehe herum zu tollen. Bartgeiern machen Schnee und sogar eisige Temperaturen nämlich gar nichts aus!
Zum Glück hatten sich die verfressenen Dohlen am Eagles Nest auf Kuchen spezialisiert und ließen meinen Germknödel in Ruhe. Mjamm! Barty nutzte währenddessen die Gelegenheit die netten Gäste an den Nachbartischen auf seine wilden Artgenossen aufmerksam zu machen.
Zwar sind hier noch keine wilden Bartgeier unterwegs, aber wir konnten Richtung Jenner viele Paraglider und Drachenflieger beobachten, die die gute Thermik nutzten.
Vom Obersalzberg aus sieht die Bergstation des Jenners in Schönau am Königssee plötzlich gar nicht mehr so hoch gelegen aus.
Obwohl ich heute hauptsächlich meine müden Knochen schonen wollte, konnte ich den Tag trotzdem super nutzen und habe wieder viel gesehen!