Dienstag, 11. Oktober 2011

Von Münster nach Bulgarien

Noch im September hatte ich den Allwetterzoo Münster mit seiner großen Gänsegeier-Kolonie besucht und von den herrlichen Krummschnäbeln berichtet. Nun stieß ich bei einer Geier-Recherche auf die freudige Nachricht, dass sich vier Gänsegeier aus Münster am 05.10.2011 per Lufthansa-Flug auf den Weg nach Bulgarien gemacht haben, um dort das Projekt "Green Balkans" im Rahmen des "Balkan Vulture Action Plan" zu unterstützen.Die vier Gänsegeier sind erfolgreiche Müsteraner Zoo-Geburten aus den Jahren 2010 und 2011. Zusammen mit Gänsegeiern aus einer Auffangstation in Spanien und Zoos aus den Niederlanden und Tschechien werden sie etwa ein halbes Jahr lang in einer großen Voliere an das Leben in Freiheit gewöhnt, bevor sie dann im Balkan ausgewildert werden.
Ich kann mir den schmerzhaften Abschied aus dem Allwetterzoo Münster nur zu gut vorstellen. Schließlich hatten sie dort eine tolle Voliere, viele Artgenossen sowie Mönchsgeier und Sekretäre als Weggefährte... und sicherlich auch viele nette Tierpfleger, die sich allzeit gut um sie gekümmert und sie mit saftigem Aas versorgt haben. Bald geht es zwar auf in die große Freiheit, aber diese birgt auch viele Gefahren wie Nahrungsmangel, da das Auslegen von Tierkadavern als zusätzliche Geiernahrung nach wie vor durch die tierseuchenhygienische EU-Verordnung verboten ist.
Vor ihrem Abflug wurden den beiden 2011 geborenen Gänsegeiern Chips zur eindeutigen und dauerhaften Identifizierung im Halsbereich unter die Haut gesetzt. Außerdem wurden ihnen einige Federn zur Geschlechtsbestimmung rausgerupft. *autsch* Die beiden 2010 geschlüpften Gänsegeier haben diese schmerzhafte Prozedur bereits hinter sich und wurden als Männchen und Weibchen identifiziert.
Zum Transport wurden große Boxen mit Heu ausgepolstert, in denen jeweils ein Geier verstaut wurde. Ein Glück, dass diese Strapazen nicht sehr lang andauerten, denn der Flieger landete noch am gleichen Tag in der neuen Heimat Bulgarien!Der Allwetterzoo Münster ist der erste deutsche Zoo, der den "Balkan Vulture Action Plan" unterstütz, hoffentlich werden weitere diesem guten Beispiel folgen. Bereits vor einiger Zeit hatte ich dieses Geier-Schutzprojekt in meinem Blog erwähnt, aber leider noch immer nicht näher erleutert. Also ein weiteres Thema, in das ich mich noch einlesen werde und dann selbstverständlich darüber berichten werde. Bis dahin kann ich nur die Kurzinfos weitergeben, die auch auf der Homepage des Allwetterzoos Münster genannt werden: Das Projekt "Green Balkans" mit dem "Balkan Vulture Action Plan" startete 2010 und ist zunächst auf fünf Jahre ausgelegt. In der Hoffnung, dass sich die Geier-Population bis dahin allein fortpflanzt und vergrößert.
Unterstützt wird das Projekt von den bulgarischen Naturschutzorganisationen "Green Balkans" und Fund for Wild Flora and Fauna, die Deutsche Bundesstiftung Umwelt, die Zoologische Gesellschaft Frankfurt und die Stiftung zum Schutz von Geiern.

Grüße aus Südamerika

Vor Kurzem erreichten mich diese tollen Schnappschüsse aus Südamerika:
Ein fliegender Truthahngeier aus Peru...... und drei Rabengeier aus Kolumbien.
Offenbar gibt es dort mehr Geier als andere Vögel, sehr sympathische Länder!!!
Besten Dank, Maria, für die tollen Fotos und Infos! Weiterhin viel Spaß auf eurer großen Südamerika-Tour und noch viele weitere geierhafte Erlebnisse!!!

Montag, 10. Oktober 2011

Eifersüchteleien

Auf einer wunderschönen Rundfahrt bei sonnigem Wetter führte mich mein Weg heute in den Neuwieder Zoo, den ich bisher nur einmal im Winter bei Knie-hohem Schnee besucht hatte. Ein Zoobewohner hat mich offenbar sofort wiedererkannt, denn bereits nach kurzer Zeit wurde ich von einem riesigen Uhu angefaucht, der mich schon damals argwöhnisch gemustert hatte. So hübsch das Powerweib auch ausschaut, so eifersüchtig plusterte sie sich auf, fauchte mich mit groß aufgerissenen Augen und gesenktem Schnabel an und machte anschließend laute Klackgeräusche, die irgendwo aus Schnabel und Kehle zu kommen schienen. Richtig beeindruckend!!! In großem Bogen umging ich ihre Voliere und besuchte lieber die beiden friedlichen Gänsegeier.
Die beiden Gänsegeier waren allerdings sehr träge und saßen bis auf zwei Flüge quer durch die Voliere nur rum. Vielleicht waren sie auch einfach nur eingeschüchtert durch die scharfen Walnuss-Geschosse, die auf und um die Geier-Voliere herum niedergingen. Ganz schön schmerzhaft, wenn man so einen Streifschuss ohne Vorwarnung in die Magengegend bekommt :o/
In der Nähe der Geier-Voliere befindet sich eine gemütliche Holzhütte, auf deren Terasse man gemütlich in der Sonne sitzen und eine herrliche Aussicht genießen kann - nicht nur auf die Gänsegeier ;o)Zwischendurch befasste sich einer der beiden Gänsegeier sehr ausgiebig mit seiner Federpflege!

Dabei machte er so laute Zupfgeräusche, dass ich schon befürchtete er würde sich die Federn büschelweise rausrupfen. Aber alles ging gut!
Nahe des Ausganges befindet sich noch ein Freigehege mit zwei Marabus, die durch hohe Brennnesseln stolzierten, ohne mit dem Schnabel zu zucken. Es sah fast so aus, als würden sie bereits Nistmaterial zusammensuchen, denn einer hatte zwischenzeitlich den Schnabel voller kleiner Zweige. Ein Nest war allerdings nicht zu erkennen oder es war sehr gut versteckt.
Es befindet sich sogar ein kleines Quiz am Zaun des Marabu-Geheges, das Marabus und Gänsegeier in Verbindung bringt...
...und zeigt, dass Marabus eben nur Special Guests in meinem Geier-Blog sind, denn die richtige Antwort lautet (leider): Storch!

Freitag, 7. Oktober 2011

Avifauna Vogelpark III

Neben den vielen Sperbergeiern, Weißkopfgeiern, Schmutzgeiern und dem Gänsegeier, möchte ich auch die häufig in meinem Blog als Special Guests erwähnten Krummschnäbel vorstellen, die im Avifauna Vogelpark zu finden waren, nämlich in diesem Fall ein Sekretär-Pärchen, zwei Geierperlhühner und eine kleine Gruppe Marabus.
Schon am Eingang grinste mir direkt ein riesiger Sekretär von einer Fensterscheibe aus entgegen, so dass ich davon ausgehen konnte auch lebende Exemplare bewundern zu können. Das Sekretär-Pärchen versteckte sich allerdings in einem ziemlich abgelegenen Gehege und stakste hinter einem Gestrüpp herum. Da es genau in dem Moment anfing zu nieseln, fiel die Foto-Ausbeute eher bescheiden aus.
Neben dem Eingang des Vogelparks befindet sich ein großes Hotel, in dessen "Vorgarten" eine kleine, vierschnäbelige Marabu-Gruppe lebt. Hätte man eines der Erdgeschosszimmer, dann könnte man den Marabus vom Balkon aus direkt in Schnabelhöhe gegenüber treten ;o) Nette Vorstellung...In einer eher unscheinbaren Voliere entdeckte ich später dann noch zwei Geierperlhühner, die sich ihrer Schönheit offenbar nicht bewusst waren und sich viel zu sehr versteckten, um fotografiert zu werden. Schade, denn ich bewundere ihre tollen blau-gemusterten Federn und den charakteristischen Geierkopf sehr!!!

Avifauna Vogelpark II

Die 21 Sperbergeier im Avifauna Vogelpark teilen sich ihre Voliere mit 2 Weißkopfgeiern und einem jungen Gänsegeier. Weißkopfgeier habe ich bisher noch gar nicht in Zoos gesehen, soweit ich mich erinnern kann. Auch wenn sie zugegebenermaßen nicht die Attraktivsten unter den Geiern sind, so freue ich mich dennoch sie einmal aus der Nähe bewundern zu können! Die beiden Weißkopfgeier scheinen zu wissen, dass sie nicht so eng miteinander verwandt sind, wie Sperbergeier und Gänsegeier, denn die meiste Zeit saßen sie separiert und hielten sich von den anderen Geiern fern.
Da ich bisher noch nie mit Weißkopfgeiern zu tun hatte, muss ich mich in nächster Zeit erstmal über dieser Geierart schlau machen - danach werde ich sie selbstverständlich an dieser Stelle Informationen nachliefern und sie näher beschreiben. Weißkopfgeier bei der Gefiederpflege.
Der einzelne Gänsegeier stach durch sein hellbraunes, strahlendes Gefieder deutlich aus der Voliere hervor. Ziemlich schüchtern und eingehutzelt bewegte er sich den ganzen Tag kaum von der Stelle, ließ oft den Kopf hängen oder versteckte sich halb hinter einem Ast. An seiner hellbraunen, federigen Halskrause wurde schnell klar, dass es sich hier um einen richtig jungen Gänsegeier handelt. Ich würde vermuten, dass er erst in diesem Jahr geboren wurde, also etwa ein halbes Jahr als!? Fragt sich nur, wo der Kleine denn herkommt, wenn doch weit und breit keine Gänsegeier-Eltern zu sehen sind. Bleibt er nun im Avifauna oder ist er nur vorrübergehend dort? Ich habe dem Vogelpark natürlich direkt eine Anfrage geschickt, mal sehen ob ich bald schlauer bin.
Ein Stück von der großen Geier-Voliere entfernt, halb versteckt unter großen Bäumen, konnte ich noch eine kleine Voliere mit einem Schmutzgeier-Paar entdecken. Neugierig reckte einer der beiden den Schnabel immer wieder in alle Richtungen, während der andere Schmutzgeier beinahe unbeweglich auf einem Ast herumsaß. Ingesamt leben im Avifauna Vogelpark also mindestens 21 Sperbergeier, 2 Weißkopfgeier, 2 Schmutzgeier und ein Gänsegeier... eine traumhafte Ausbeute!!!
Und dazu kommen noch ein paar Special Guests in Form von Sekretär, Marabu und Geierperlhuhn ;o)

Avifauna Vogelpark I

Im Rahmen des "International Vulture Awareness Day 2011" hatte ich zum ersten Mal vom niederländischen "Avifauna Vogelpark" in Alphen aan den Rijn gelesen, der den Weltgeiertag mit großem Showprogramm gebührend feiern wollte. Bei der späteren Fotoserie auf Facebook stellte ich dann fest, dass Avifauna offenbar eine ganze Horde hübscher Sperbergeier beherbergt. Spätestens in diesem Moment fiel der Entschluss: Da muss ich hin!!!
Vor zwei Tagen war es dann so weit, auf zu den Geiern:
Die Geiervoliere ist im Park sehr zentral gelegen, so dass man immer wieder (un)absichtlich dran vorbeikommen kann ;o) Und schon auf den ersten Blick wurde mir klar: Eine "Horde" Sperbergeier ist deutlich untertrieben, in der Voliere lebt eine ganze Kolonie!!! Insgesamt konnte ich 20 Sperbergeier, 2 Weißkopfgeier und einen Gänsegeier zählen, wobei ich heute festgestellt habe, dass sich offenbar Sperbergeier Nummer 21 erfolgreich vor mir versteckt hatte. Traumhaft!!! So viele Geier auf einem Haufen!!!Bis zu 10 Geier saßen auf einem Holzbalken unter der Decke der Voliere, etwas oberhalb der Schautafeln, die an der Voliere befestigt waren. Von dort aus konnten die Geier mit mächtigen Flügelschlägen elegant quer durch die ganze Voliere flattern, an deren Ende sich versteckte Nistplätze und einige Bäume befinden. Aufgrund der Vielzahl schöner Geierfotos konnte ich mich mal wieder nicht auf eine kleinere Auswahl festlegen... daher zunächst einige Bilder der Sperbergeier. Berichte über die anderen Geierarten im Avifauna Vogelpark folgen in Kürze.
Bei diesem Prachtkerl hier handelt es sich offenbar um den jüngsten Sperbergeier der Voliere, vielleicht erst 2011 geboren? Seine Halskrause ähnelt eher einzelnen Federn und ist noch sehr dunkel. Auch sein Gefieder wirkt dunkler als das der anderen Geier.
Anhand der "federigen" und noch etwas dunkleren Halskrause kann man bei diesem Geier hier sehr schön erkennen, dass es sich um einen mitteljungen (ersten wenige Jahre alten?) Sperbergeier handelt.Während die erwachsenen, alten Sperbergeier eine durchgängig flaumige, strahlend weiße Halskrause aufweisen:Wirklich prachtvolle Tiere!!!Der Junggeier ließ sich zwischendurch sogar beim Trinken beobachten: Kopf runter zum Wasser, Wasser in den Schnabel... ... und dann Kopf ganz weit nach oben strecken, damit das Wasser die Kehle runterrinnen kann ;o) Die für Geier so übliche Federpflege darf natürlich auch nicht fehlen:Ein saftiges Aas hack konnte ich im Rahmen meines Besuches im Vogelpark leider nicht mitverfolgen. In der Voliere lagen aber einige taubenähnliche Flügel herum. Fragt sich, ob das ihre Nahrung war, oder nur ein fehlgeleiteter Besucher in der Voliere, der diesen Besuch bitte bereuen dürfte ;o)