Mittwoch, 20. Oktober 2010

Eko-Centar Caput Insulae Beli

Nachdem ich im Sommer wie jetzt auch im Herbst pausenlos vom Eko-Centar Caput Insulae Beli (ECCIB) schwärme, sollte ich nun endlich – neben den Geiern – auch das Center einmal näher vorstellen…

Das ECCIB ist ein Forschungs- und Schulungscenter zum Schutze der Natur. Es befindet sich im bewaldeten Norden der kroatischen Insel Cres, der auch Tramuntana genannt wird, benannt nach dem gleichnamigen eisigen Wind, mit dem ich zur Zeit hier meine Bekanntschaft mache. Der Wind ist so kalt, dass es hier im Winter sogar Schnee geben kann, was für die kroatischen Inseln eher ungewöhnlich ist. Das Center liegt in 130 m über dem Meeresspiegel in Beli, einem schönen Örtchen, das direkt am Meer auf einem Hügel gelegen ist.

In Beli leben ganzjährig nur etwa 30, größtenteils recht alte, Einwohner - zur Touristensaison sind es dann etwas mehr. Die meisten der kleinen Häuser stehen mittlerweile jedoch leer. Geschäfte gibt es nicht. Nur eine Post- und Wechselstube, die zwei Stunden täglich geöffnet hat, eine Taverne unten am Strand, wo sich auch Campingplatz und ein kleiner Hafen befinden, eine Taverne am Ortseingang und die Pansion Tramontana, die direkt neben dem ECCIB gelegen ist, wo man auch gut essen gehen kann. Diese Pension ist sogar auch jetzt in der Nachsaison noch geöffnet.

Wie bereits erwähnt verfolgt das ECCIB die Mission die natürliche Vielfalt zu schützen und zu bewahren, einen authentischen Einblick in die kultur-historischen Werte der Insel Cres und Tramuntana zu gewähren und dabei eine Balance zwischen Mensch und Natur zur schaffen. Zu den weiteren Hauptaufgaben des ECCIB zählen der Schutz von Gänsegeiern sowie das Durchführen von speziellen (Schul-)Weiterbildungs-Programmen. Da das ECCIB von der Regierung kaum unterstützt wird, basiert es allein auf den Einnahmen aus der Ausstellung, dem Gänsegeier-Adoptions-Programm, Spenden und den vielen freiwilligen Helfern (Volunteers), die von April bis Oktober hier arbeiten und wohnen. Jährlich arbeiten hier bis zu 350 Volunteers aus der ganzen Welt. In meinen insgesamt fünf Wochen hier habe ich bestimmt 40 Helfer aus Spanien, Italien, Frankreich, Österreich, England, den USA, Neuseeland, der Ukraine, Russland und natürlich Kroatien kennen gelernt. Eine wunderbare Gelegenheit also nette Menschen aus aller Welt zu treffen und eine tolle gemeinsame Zeit zu verbringen!!!

Das Gebäude des ECCIB wurde während der faschistischen Besetzung der Insel Cres 1929 als Grundschule errichtet. Es wurde nur von italienischen Lehrern auf Italienisch unterrichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg verließen immer mehr Menschen die Insel Cres und speziell den Norden Tramuntana. Damit sank auch die Anzahl an Schulkindern, so dass die Schule aufgrund von Schülermangel 1980 geschlossen wurde. 1993 wurde das Gebäude (als ECCIB) dann von Ph. D. Goran Sušić wieder in Betrieb genommen, der auch heute noch Präsident des ECCIB ist.

Als ich im Sommer zum ersten Mal nach Beli kam, war es leider bereits mitten in der Nacht und stockdunkel, daher habe ich von der schönen Umgebung nichts gesehen. Im ECCIB selber fiel mir aber sofort auf, dass es überall von Geiern nur so wimmelt. Auf den Hinweisschildern zum ECCIB,

auf dem Eingangsschild und überall im Haus. Ja sogar in den Boden VOR dem Haus wurde ein Geier-Kopf integriert, der über das Haus wacht und alle Gäste willkommen heißt.

Zwar war ich von der Anreise und den weit über 30 Grad ziemlich erschöpft, müde und ausgetrocknet, aber als ich diesen Geier sah, da wusste ich sofort: Hier leben Menschen, die Geier lieben, hier werde ich mich 100%ig wohlfühlen!!! Und in jedem Raum des Hauses wurde ich in meiner Annahme bestätigt: Geier überall!!!

An den Türen,

im Speisesaal

und auch überall sonst!

Auch einer meiner Lieblingsgeier ist im Speisesaal beheimatet. Zugegeben, den meisten flattert er auf dem Weg zum Sofa und in Kopfhöhe eher im Weg herum, aber ich lasse ihn flattern, wann immer ich an ihm vorbeigehe!



Wer gerne alle Geier sehen möchte, dem empfehle ich von ganzem Herzen: Fahre hin und entdecke diesen Ort auf eigene Art und Weise, als Besucher oder als Volunteer. Es lohnt sich!!!

Im Erdgeschoss des Hauses befinden sich Küche, Speise-/Aufenthaltsraum und Gäste-WCs sowie eine Ausstellung über Flora, Fauna, Geologie etc. der Insel Cres und ein ganzer Ausstellungsraum nur über Gänsegeier.

Im oberen Geschoss sind die Volunteers in 8-Bett-Zimmern untergebracht. Somit können gut 24 Volunteers zeitgleich im ECCIB wohnen und arbeiten. Im Sommer ist es natürlich besonders gut besucht, während jetzt zum Ende der Saison praktisch jeder sein eigenes Zimmer bekommen kann.

Der Rundgang beginnt im Eingangsbereich des ECCIB. Dort steht eine Übersichtstafel mit allen Dingen, die man im ECCIB erkunden kann. Natürlich ist das Schild in Geierform.

Zuerst gelangt man in einen kleinen botanischen Garten. Dort sind für die Insel Cres typische Pflanzen mit Hinweistafeln versehen, aus denen auch hervorgeht, ob Pflanzen essbar sind, medizinisch genutzt werden können oder giftig sind.

Als nächstes gelangt man zu einem Wegweiser, der den Standort des ECCIB verdeutlicht. So ist zu erkennen, dass der 45.Breitengrad und somit die natürliche Klimazonengrenze nur wenige Kilometer von Beli entfernt ist – folglich sind es bis zum Nordpol bzw. zum Äquator noch jeweils etwa 5.000 km.

Direkt neben dem Wegweiser ist das Osiris-Labyrinth, das aus verschiedenen Kräutern angepflanzt wurde. Dieses Labyrinth weist auf die verschiedenen Steinlabyrinthe hin, die in Tramuntana entlang der Wanderwege (Eco-Trails) angelegt wurden. Sie dienen meditativen Zwecken und sollen dem Menschen helfen zu sich selber, auch zurück zu der Natur, zu finden.

An der Seitenwand des Hauses befindet sich eine Karte von Tramuntana, auf der alle Eco-Trails und Labyrinthe eingezeichnet sind. Außerdem gibt es dort zu jedem Eco-Trail Informationen über Länge und Schwierigkeitsgrad. Viele dieser Wanderwege beginnen in unmittelbarer Nähe zum ECCIB.

Neben der Karte befindet sich der Eingang zur Ausstellung im Haus.

Hinter dem Osiris-Labyrinth beginnt der Schmetterlingsgarten, in dem im Sommer wunderschöner Flieder blüht. Durch die speziellen Duftstoffe dieses Strauches werden viele der 87 auf Cres lebenden Schmetterlingsarten anlockt und fliegen in Massen durch den Garten.

Außerdem werden zusätzlich im Garten gesammelte Früchte ausgelegt, um zusätzlich Schmetterlings anzulocken.

Auf einer großen, drehbaren Schautafel kann man anschließend sofort die entdeckten Schmetterlinge den Bildern aller Arten vergleichen und somit weitere Informationen herausfinden.

Angrenzend an den Schmetterlingsgarten ist der kultur-historische Bereich, in dem einige zum Teil noch heute auf Cres verwendete Gegenstände ausgestellt werden, u. a. Steinkrüge zur Lagerung von Olivenöl oder Schlitten zum Sammeln von Holz. Es wird auch über den früheren Bauxit-Tagebau informiert, durch den Teile der Insel nachhaltig zerstört wurden.

Hinter dem Haus ist ein kleiner Kaninchenstall, in dem sich zugelaufene und abgegebene Kaninchen tummeln… und fleißig vermehren. Daher kann sich jeder, der ein Karnickel haben möchte, gerne bedienen.

Und an dieser Stelle noch mal der Hinweis: Diese Karnickel dienen NICHT als Geierfutter!!! Geier sind ausschließlich Aas-Fresser und trotz Futtermangels werden im ECCIB keine Tiere getötet, nur um die Geier zu Füttern! Das ECCIB bezieht sein Geier-Futter über Bauern, die tote Nutztiere abzugeben haben oder es wird zusätzlich Futter vom Festland dazugekauft.

Außerdem gibt es direkt hinter dem Haus einen kleinen Pavillon, unter dem sich die Zisterne befindet.

Im Obergeschoss befinden sich an dieser Stelle die Badezimmer, von denen aus man einen guten Blick auf das Schmuckstück des ECCIB hat, die große Geier-Voliere!!!

Wie auf dem Bild zu erkennen ist die Voliere zur Hausseite hin mit einem grünen Netz abgedeckt. Das verhindert, dass die Geier zu oft mit Menschen in Kontakt kommen und somit ihre Angst verlieren, was wiederum eine spätere Auswilderung zunichte machen würde.

Durch die rechte Tür gelangt man ins Innere des kleinen Info-Häuschens.

Im Inneren befindet sich ein kleines Modell, wie die Voliere später einmal aussehen soll. Allerdings lässt die finanzielle Lage einen weiteren Umbau zur Zeit leider nicht zu.

An der Wand befinden sich wunderschöne Zeichnungen zu den Mitbewohnern des ECCIB: Einmal unser afrikanischer Dauergast, Ohrengeier Torgos:

Sowie der direkte Vergleich zwischen jungen und erwachsenen Gänsegeiern:

Junge Gänsegeier haben dunkle Federn, eine dunkle Halskrause und Augen und Schnabel sind schwarz. Bei den älteren Gänsegeiern wird das Gefieder heller, die Halskrause weiß und die Augen und der Schnabel gelb.

Ein Wegeleitsystem in Geierkrallen-Form leitet die Besucher weiter durch das Häuschen, vorbei an weiteren Gänsegeier-Zeichnungen,

bis hinein in den neuen Glastunnel, der den Besucher mitten in die Voliere führt.

Von diesem Glastunnel aus, der verspiegelte Scheiben hat, kann man die Geier aus allen Perspektiven beobachten ohne sie zu stören. Man sollte aber möglichst ruhig sein, nicht an die Scheibe klopfen und Fotos nur ohne Blitzlicht machen. Rechts vom Glastunnel befindet sich der Geier-Pool, in dem sich die Geier nach einem köstlichen Mahl gründlich säubern.

Geradeaus kann man die separierte Eck-Voliere sehen, über die unsere Gänsegeier nach einem Jahr wieder ausgewildert werden können.

Links sind dann die ganzen Holzplattformen und Nischen angeordnet, die im Idealfall (wenn die Finanzen es zulassen) in einer Felslandschaft umgebaut werden soll, damit sie den natürlichen Umgebungen der Geier besser ähnelt.

Folgt man dem Geier-Spuren aus dem Glastunnel hinaus, so gelangt man in einen zweiten kleinen Raum, wo später einmal via Live-Cam Besucher die Geier beim Fressen oder Baden über einen Monitor beobachten können. Bisher waren die Geier von dieser Idee allerdings nicht begeistert, denn sie hackten recht schnell die Kamera-Kabel durch.

Über einen Eintrag ins Gästebuch würden wir uns jedoch sehr freuen!!!

Die schönen Zeichnungen waren übrigens im Sommer noch nicht dort. Das ECCIB bemüht sich also auch weiterhin, seine Räumlichkeiten immer weiter zu verschönern!!!

Verlässt man die Geier-Voliere wieder, so geht es an einigen Holzhäusern vorbei, in denen die Angestellten und manchmal auch Volunteers wohnen. Zwischen letzten Holzhaus und Souveniershop geht dann rechts noch eine kleine Treppe hoch zu den Esel- und Schaf-Gehegen.

Die Schafe (Mirta und Silvan) waren im Sommer noch nicht da und befinden sich zur Zeit noch „hinter den Kulissen“. Falls wir morgen mit dem Zaun fertig werden, können die Schafe also bald umziehen und sind dann neben den beiden Eseln (Pepica und Sedmica) auch zu bewundern.

Es gibt also sehr viel zu entdecken und zu bestaunen im Eko-Centar Caput Insulae Beli!!!

Weitere Informationen gibt es natürlich auf der Homepage des ECCIB: www.supovi.hr (wer sich wie ich über diesen Namen wundert: „Supovi“ ist der kroatische Plural von „Geier“)

Anfangs dachte ich, die Leute würden alle hauptsächlich wegen der Gänsegeier hierher kommen. Schließlich bin ja auch ich nur auf das ECCIB aufmerksam geworden, als ich nach Geierauffangstationen gegoogelt hatte. Ich wurde allerdings schnell eines besseren belehrt, denn praktisch alle Helfer kommen wegen des Umweltschutzes und wegen der guten Sache im Allgemeinen her. Man muss also kein Geier-Fan sein, um sich im ECCIB wohlzufühlen. Die Besucher kommen größtenteils deshalb hierher, weil sie „gerade in der Gegend“ sind oder weil sie neugierig geworden sind, Gänsegeier einmal aus der Nähe betrachten zu können. Aus welcher Motivation heraus ein jeder auch hierher gekommen sein mag, in einem sind sich (fast) alle einig: Die Gänsegeier werden einem umso sympathischer, je mehr Zeit man mit ihren verbringt. Und wer einmal hierher gekommen ist, der kommt mindestens noch einmal wieder zurück!!!

Dienstag, 19. Oktober 2010

Wiedersehen unter Geiern – Geier überall

Was passiert, wenn sich ausgewilderte Gänsegeier einfach nicht vom Eko-Centar Caput Insulae Beli trennen können??? Sie sitzen überall!!!

Schon am Samstag kurz nach der Auswilderung war klar, dass sich so manch ein Geier noch nicht so richtig loslösen kann. Gut die Hälfte der Geier blieb auf und neben der Voliere oder auf den umliegenden Hausdächern.

In der Nacht von Samstag auf Sonntag fing es heftig an zu regnen und der Regen hörte auch den ganzen Sonntag über nur einmal ganz kurz auf. Ansonsten liefern Sturzbäche die Straße vor dem Center hinunter und wir kauerten uns gemütlich auf dem Sofa zusammen. Und der hübsche Geierkopf, der im Eingangsbereich des Eko-Centars den Boden ziert, ist praktisch ertrunken, schnief.

Der Geier, der es sich Samstagabend auf unserem Schornstein bequem gemacht hatte, saß morgens noch immer dort. Diesmal natürlich patschnass, das arme Ding! :-( Total hutzelig und triefend saß er dort, einsam und allein und ließ den Kopf hängen.

Die Geier in der Voliere sahen aber nicht anders aus. Anstatt sich unterzustellen, saßen sie alle auf der oberen Holzstufe und wurden nass und nässer. Komische Vögel!

Als es am Nachmittag kurz freundlicher wurde und sogar blauer Himmel samt warmer Sonnenstrahlen die schwarzen Regenwolken verdrängten, tauten die Geier langsam auf und breiteten ihre riesigen Schwingen aus – innerhalb wie außerhalb der Voliere. Ein herrlicher Anblick!!!

Der Wind war noch immer sehr stark, so dass die Geier hin und wieder kräftig mit den Flügeln schlugen.

Ob das wohl ein kräftiger Ruf nach Aas ist???

Der Hutzelgeier vom Schornstein erwachte immer mehr zu neuem Leben und war wunderschön zu beobachten!

Einige der freigelassenen Geier erhoben sich sogar in die Lüfte und drehten einige Runden über das Center.

Sie landeten mal hier, mal da, blieben aber immer in der Nähe. Am beliebtesten ist dabei natürlich ein Platz auf der Voliere bei den anderen Geiern…

Hier einige Impressionen der letzten Tage:

Ein Geier ist sogar mal kurz von der Voliere runter geflogen und hat zu Fuß bzw. zu Kralle das Esel-Gehege erkundet. Farblich sehr gut getarnt:

Vorsichtshalber sind wir ihm kurze Zeit später hinterher geklettert, dicht verfolgt von den beiden Eseln, aber der Geier hatte sich anscheinend schon über einen Schleichweg auf und davon gemacht.

Und immer wieder wurde unser Dach bevölkert!!!

Bei so vielen Geierbegegnungen fällt es mir einfach viel zu schwer eine Bild-Auswahl zu treffen. Egal, was die Viecher tun, sie sind immer wieder für eine Überraschung gut oder einfach nur wunderschön anzusehen! Daher werden mit Sicherheit noch die ein oder anderen Bilder aus Beli folgen ;-)