Dienstag, 19. Oktober 2010

Wiedersehen unter Geiern – Geier überall

Was passiert, wenn sich ausgewilderte Gänsegeier einfach nicht vom Eko-Centar Caput Insulae Beli trennen können??? Sie sitzen überall!!!

Schon am Samstag kurz nach der Auswilderung war klar, dass sich so manch ein Geier noch nicht so richtig loslösen kann. Gut die Hälfte der Geier blieb auf und neben der Voliere oder auf den umliegenden Hausdächern.

In der Nacht von Samstag auf Sonntag fing es heftig an zu regnen und der Regen hörte auch den ganzen Sonntag über nur einmal ganz kurz auf. Ansonsten liefern Sturzbäche die Straße vor dem Center hinunter und wir kauerten uns gemütlich auf dem Sofa zusammen. Und der hübsche Geierkopf, der im Eingangsbereich des Eko-Centars den Boden ziert, ist praktisch ertrunken, schnief.

Der Geier, der es sich Samstagabend auf unserem Schornstein bequem gemacht hatte, saß morgens noch immer dort. Diesmal natürlich patschnass, das arme Ding! :-( Total hutzelig und triefend saß er dort, einsam und allein und ließ den Kopf hängen.

Die Geier in der Voliere sahen aber nicht anders aus. Anstatt sich unterzustellen, saßen sie alle auf der oberen Holzstufe und wurden nass und nässer. Komische Vögel!

Als es am Nachmittag kurz freundlicher wurde und sogar blauer Himmel samt warmer Sonnenstrahlen die schwarzen Regenwolken verdrängten, tauten die Geier langsam auf und breiteten ihre riesigen Schwingen aus – innerhalb wie außerhalb der Voliere. Ein herrlicher Anblick!!!

Der Wind war noch immer sehr stark, so dass die Geier hin und wieder kräftig mit den Flügeln schlugen.

Ob das wohl ein kräftiger Ruf nach Aas ist???

Der Hutzelgeier vom Schornstein erwachte immer mehr zu neuem Leben und war wunderschön zu beobachten!

Einige der freigelassenen Geier erhoben sich sogar in die Lüfte und drehten einige Runden über das Center.

Sie landeten mal hier, mal da, blieben aber immer in der Nähe. Am beliebtesten ist dabei natürlich ein Platz auf der Voliere bei den anderen Geiern…

Hier einige Impressionen der letzten Tage:

Ein Geier ist sogar mal kurz von der Voliere runter geflogen und hat zu Fuß bzw. zu Kralle das Esel-Gehege erkundet. Farblich sehr gut getarnt:

Vorsichtshalber sind wir ihm kurze Zeit später hinterher geklettert, dicht verfolgt von den beiden Eseln, aber der Geier hatte sich anscheinend schon über einen Schleichweg auf und davon gemacht.

Und immer wieder wurde unser Dach bevölkert!!!

Bei so vielen Geierbegegnungen fällt es mir einfach viel zu schwer eine Bild-Auswahl zu treffen. Egal, was die Viecher tun, sie sind immer wieder für eine Überraschung gut oder einfach nur wunderschön anzusehen! Daher werden mit Sicherheit noch die ein oder anderen Bilder aus Beli folgen ;-)

Wiedersehen unter Geiern – Geier überm Labyrinth

Wie zuvor kurz erwähnt hatte ich letzte Woche Dienstag auch bereits ein wunderbares Erlebnis in freier Natur. Als kleinen Morgenspaziergang machte ich mich auf den Weg zum großen Stein-Labyrinth des grünen Eco-Trails, der ein Stückchen hinterm Eko-Centar mit einem sehr steilen Anstieg beginnt.

Bereits nach wenigen Minuten sah ich zwei Gänsegeier in weiter Entfernung kreisen, allerdings genau in Labyrinth-Richtung. Natürlich waren die beiden schon lange weg, als ich das Labyrinth erreichte. Vom Wanderweg auf schlägt man sich an einer gekennzeichneten Stelle in die Büsche und klettert eine Böschung runter.

Wenige Meter später öffnet sich dann eine große Lichtung auf einer Art Plateau, auf dem sich zwei kleine und ein großes Stein-Labyrinth befinden. Das große Labyrinth ist rechteckig und von Anfang bis zur Mitte und wieder hinaus ist man gut 1,5 Kilometer unterwegs!

Aus meditativen Gründen, um die Natur mit ganzem Körper zu spüren, sollte man barfuß durch das Labyrinth laufen und alle weltlichen Dinge wie Kameras und Armbanduhren außerhalb des Labyrinthes lassen. Aufgrund der noch recht frischen Temperaturen habe ich meine Schuhe und Socken besser angelassen und auch von der Kamera wollte ich mich nicht so recht trennen. Das war auch sehr gut so, wie sich schon bald herausstellte…

Ich lief gemütlich den Weg durch das Labyrinth, während bei jedem Schritt kleine Salamander und Eidechsen aufschreckten und neben mir herliefen. Es war menschenleer, so dass ich viele schöne Geräusche aus der Natur wahrnehmen konnte. Am besten klang das Plöppen der Eicheln, die sich im Wind lösten und dann Zweige und Stamm hinunter hoppelten, bis sie unten im Laub auf der Wiese auftrafen. Während ich also noch diesen Geräuschen lausche, taucht plötzlich ein riesiger Gänsegeier über den Baumwipfeln der Lichtung auf. Er flog relativ niedrig, so dass ich ihn in seiner ganzen Pracht bewundern konnte. Vor allem die unterschiedlichen Arten seiner Federhaltung waren schön anzusehen. Wenn er den Aufwind nutzen wollte, spreizte er die großen Schwungfedern voneinander ab.

Sobald er in der Luft aber wieder „absackte“, um Geschwindigkeit aufzunehmen, legte er seine Federn ordentlich an, um die Luft auf diese Weise zu „durchschneiden“.

Während er den Kopf nach rechts und links reckte, flog er in großen Kreisen über die Lichtung hinweg… Wie gut, dass ich meine Kamera NICHT außerhalb des Labyrinthes gelassen hatte!!! Die ganze Atmosphäre der Lichtung, des Labyrinthes, der Ruhe und dazu die Erscheinung dieses tollen Geschöpfes, ein wirklich wunderbarer Moment!!!

Als der Geier wieder verschwunden war, blieben weitere Überraschungen aber nicht aus: Nur wenig später kam eine riesige, grüne Libelle angeflogen und setzte sich nur zwei Meter von mir entfernt in die große Eiche.

Die Sonne stieg immer weiter auf und die morgendliche Kälte war bald verflogen. Also genoss ich weiterhin die Ruhe und hätte mich in der Mitte des Labyrinthes beinahe in einen kleinen Ameisenhügel gesetzt. Der war im Sommer aber noch nicht da gewesen!?

Als zwei große Vögel am Himmel auftauchten, hatte ich mir für einen Moment zu früh gefreut… es waren „nur“ Bussarde, keine Geier.

Einige Zeit später schaute ich mir das kleine Labyrinth an, das auf einer versteckten Neben-Lichtung verborgen war.

Dort wurde ich direkt von einer kleinen Schafherde erschreckt, die wie aus dem Nichts plötzlich auftauchte und sich in Bewegung setzte – unter lautstarkem Gemäääähe, das irgendwie an üble Magenschmerzen erinnerte.

Knapp zwei Stunden konnte ich mich von diesem schönen Labyrinth-Plateau nicht losreißen, immer in der stillen Hoffnung, dass der Gänsegeier vielleicht noch einmal zurückkommen würde. Schweren Herzens machte ich mich dann aber doch auf den Heimweg, nicht ohne weiterhin auf Fotomotiv-Suche zu gehen.

Während ich am Wegesrand gerade versuche halbwegs vernünftige Bilder von einigen Pilzen zu machen, fliegt plötzlich ein großer Schatten (durch das Blätterdach hindurch) über mich hinweg. Habe ich mich getäuscht oder war da wirklich was? Als ich mich gerade wieder den Pilzen widmen möchte, kommt der Schatten wieder zurück und diesmal sehe ich ihn genau! Keine Einbildung! Und durch das Blätterdach hindurch sehe ich sie wieder: Zwei große, am Himmel kreisende Gänsegeier…

Montag, 18. Oktober 2010

Wiedersehen unter Geiern - der große TV-Auftritt

Naja, es wurden nicht unbedingt die besten Saetze ausgesucht, aber egal. Immerhin habe ich gerade direkt den Beweis geliefert bekommen, dass alles richtig uebersetzt wurde...
Hier also mein großer Interview-Auftritt im kroatischen TV!!! ;-)

Wiedersehen unter Geiern - Geier auf dem Kreuzweg

Nachdem wir elf Gänsegeier freigelassen haben, können sich einige von ihnen noch immer nicht vom Eko-Centar Caput Insulae Beli trennen. Sie sitzen nach wie vor auf der Voliere, auf den Hausdächern, laufen durch das Esel-Gehege und drehen ihre Kreise im Tiefflug übers Center. Es gibt immer etwas zu gucken und es ist richtig spannend immer wieder auf Geiersuche zu gehen.
Nachdem meine Touristenführungs-Schicht um 14 Uhr endete (heute kamen sogar einige Besucher vorbei!!!) kletterte ich zum ersten Mal auf den Berg hinterm Haus zu dem großen weißen Gipfelkreuz. Im Sommer hatte ich mir schon überlegt hochzuklettern, aber da habe ich den Weg nicht gefunden und bei praller Sonne wäre der Aufstieg eher unangenehm gewesen. Nachdem es gestern fast durchgeregnet hatte, hatten wir heute wieder blauen Himmel und strahlende Sonne – allerdings bitterkalten Wind!
Der Weg zum Gipfelkreuz beginnt am Ende der Straße auf dem ersten Teilstück des blauen Wanderweges. Nach einigen Holzkreuzen entlang des Weges geht ein kleiner Trampelweg rechts den Berg hoch und man erblickt schnell weitere Holzkreuze. Der Weg zum Gipfel ist nämlich gleichzeitig auch ein Pilgerweg. Als ich das weiße Kreuz schon sehen kann, flattert plötzlich etwas vor mir durchs Gestrüpp… und ein Gänsegeier kommt zum Vorschein!!! WAHNSINN, UNGLAUBLICH!!! Er läuft etwa 30 m von mir entfernt über den Boden und setzt sich auf einen Felsen auf dem Berggipfel! Ich bin also hoch über Beli, sehe vor mir einen steinigen, schmalen Trampelpfad, drei weitere dunkle Holzkreuze, darüber das große weiße Kreuz vor blauem Himmel und einen Gänsegeier auf einem Felsen. Das war mit Sicherheit einer dieser wenigen magischen Momente im Leben, wo man nicht weiß, ob das alles wirklich passiert oder man nur träumt!!! Einfach Wahnsinn!!!
Vorsichtig habe ich mich immer weiter an ihn rangeschlichen, Schritt für Schritt.
Er blieb stolz auf seinem Felsen sitzen und bewegte nur hin und wieder den Kopf hin und her.
Einmal schreckte ich ihn wohl leicht auf, denn er lief ein paar Schritte auf das weiße Kreuz zu und wieder zurück.
Dabei konnte ich seine Krallenmarkierung lesen, es war einer der am Samstag ausgewilderten Gänsegeier, „CJP“.
Ich konnte mich bestimmt bis auf etwa 10 m heran pirschen, bis er zwei Sätze nach rechts ins Gebüsch machte. Dort saß er hinter Zweigen versteckt, sehr gut getarnt.
Hin und her gerissen, ob ich ihn in Ruhe lassen soll, bin ich doch noch ein paar Zentimeter auf ihn zu. Er wurde unruhig, also setzte ich mich gemütlich auf einen Felsen und bewunderte ihn eine Zeit lang. Irgendwann flatterte er in dem engen Gestrüpp mit den Flügeln und schwang sich in die Lüfte. Er drehte noch einige Kreise über meinen Kopf hinweg um den Berggipfel herum und segelte dann Richtung Beli und weiter nach Kruna, bevor er nach einigen weiteren großen Kreisen hinter dem nächsten Berg verschwand. Unglaublich!
Über eine Stunde blieb ich am Gipfelkreuz sitzen und konnte diese geierhafte Begegnung dennoch kaum fassen… Bei dem traumhaften Ausblick kann ich aber sehr gut verstehen, warum sich der Flattermann dort oben herumgetrieben hat!!!
Ob ich morgen direkt noch mal hochklettern soll??? Ober dann wieder dort sitzt? Aber dann würde ich ihn einfach dort sitzen lassen und aus der Ferne bewundern, statt ihm zu Nahe zu kommen. Konnte der Versuchung heute aber einfach nicht widerstehen. So nahe bin ich einem Gänsegeier in freier Natur noch nie gekommen!!!
Während ich oben auf dem Gipfel saß, kam zwei weitere Male ein Geier relativ nah herangesegelt, drehte erst seine Runden über dem Eko-Centar und dann über Beli, bevor er wieder verschwand.
Und einige weitere Geier segelten schnurgerade hoch oben am Himmel vorbei. Dazu diese herrliche Aussicht und die wunderbare Stille… wirklich ein magischer Ort, den ich dort entdeckt habe!!!

Sonntag, 17. Oktober 2010

Wiedersehen unter Geiern - Abflug in die Freiheit

Gestern ist der große Tag gewesen, wegen dem ich hauptsächlich jetzt im Oktober wieder hierher gefahren bin: Die elf Gänsegeier von 2009 wurden freigelassen!!!
Aus diesem Grunde blieb das Eko-Centar Caput Insulae Beli (ECCIB) heute auch für Besucher geschlossen.
Morgens in der Voliere sahen die elf Geier im Gegensatz zu Freitag nach der Geier-Jagd recht entspannt aus. Vor allem als ein wilder Geier draußen an der Voliere vorbeisegelte, schauten sie alle sehnsüchtig in seine Richtung. Ob ihnen da schon klar war, dass sie bald genauso frei werden fliegen können? Ohne Gitter, ohne Holzwände, in freier Natur!?!?
Nur ein kleiner Draufgänger erinnerte mit seinen zerzausten Federn und seiner rebellischen Haltung eher an einen Fetzenfisch, als an einen Geier. Das Öffnen der Eck-Voliere sollte gegen 12 Uhr stattfinden und Zuschauen war nur vom Glastunnel aus erlaubt. Ab halb elf tauchten die ersten „geladenen Gäste“ auf, darunter auch ein Kamerateam eines Fernsehsenders. Überraschenderweise sollte ich ein kurzes Interview geben, vor laufenden Kameras. Ich wurde gefragt, ob und warum ich diese Geier toll finde, ob mir das Eko-Centar und die Arbeit hier gefallen, ob ich Beli schön finde und zwei, drei Fragen mehr. Hmmm… „Ich finde Beli toll, weil es hier das Eko-Centar gibt, dass ich deshalb so klasse finde, weil hier Gänsegeier gepflegt werden, die wiederum meine Lieblingsgeier sind!?!?“ Das etwa ist der grobe Kern, aber natürlich habe ich mich etwas ausführlicher ausgedrückt.
Gegen halb zwölf sicherten die ersten Zuschauer und ich uns Plätze in der ersten Reihe im Glastunnel, denn es liefen immer mehr Gäste im Eko-Centar herum. Aufgeregt sahen wir ständig zwischen Geiern und Uhr hin und her und zählten den Countdown. Auch die Geier schienen zu spüren, dass bald etwas Besonderes bevorstehen würde:
Einige Geier fielen sich wie zum Abschied noch einmal schnell um den langen Hals bzw. in die Flügel
oder kuschelten ein letztes Mal.
Wobei, warum sollte das eigentlich ein Abschied für immer sein? Diese Geier sind jetzt etwa eineinhalb Jahre alt, werden also erst in etwa vier Jahren geschlechtsreif. Wenn sie sich dann einen Partner suchen, werden sie den Rest ihres Lebens mit ihm gemeinsam verbringen. Kann es aber nicht genauso gut sein, dass sich zwei Geier in dem gemeinsamen Eko-Centar-Jahr so ineinander verguckt haben, dass sie schon jetzt zusammen bleiben und gemeinsam auf Reisen gehen? Das wäre doch romantisch!!!
Während zwei Zuschauerinnen und ich so vor uns hin philosophierten und auf das Öffnen der Volieren-Klappe warteten, kam uns ein weiterer Gedanke: Verlieben sich Geier vielleicht sogar beim Fressen? Während sie zufällig am gleichen Kadaver rumnagen könnte es doch genauso funken, wie bei Menschen bei einem guten Restaurantbesuch. Das könnte dann etwa so aussehen: „Liebes, möchtest du mein blutiges Filet-Stück haben? Dann kannst du mir gerne deine zähen Sehnen überlassen!“ Seufz, Geierliebe kann doch soooo romantisch sein!!!
Mit knapp einer halben Stunde Verspätung tauchten Goran und seine Gäste im Glastunnel auf. Er erklärte kurz einiges über die Geier und den Ablauf der Auswilderung. Danach stellte er mit einigen Sätzen sowohl die Helfer als auch alle Gäste vor.
Gespannt hockten nun etwa 40 bis 50 Leute im Glastunnel, bis sich gegen 13 Uhr endlich die Klappe in die Freiheit hebte. Der erste Geier schien aber ein wenig die Richtung verwechselt zu haben und flatterte zur FALSCHEN Klappe, die natürlich geschlossen war.
Die Klappe öffnete sich weiter… und wieder sprang ein Geier in die falsche Richtung.
Zu ihrer Verteidigung muss ich sagen, dass sie Freitag nach dem Einfangen in alle möglichen Richtungen gegen die Gitter geflattert sind, aber so gut wie nie in Richtung Ausstiegsluke! Keine Ahnung, warum ihnen diese Richtung offensichtlich nicht gefällt.
Eine halbe Stunde mussten wir geduldig in zum Teil sehr unbequemen Positionen ausharren, die Kameras immer im Anschlag und mit Händen und Füßen gegen die lästigen Reflexionen abgeschirmt. Hin und wieder flatterte ein Geier auf die Holzstange in halber Höhe zum Ausgang. Im Glastunnel war gespanntes Seufzen zu hören… gefolgt von einem Aufstöhnen, wenn der Geier mal wieder in die falsche Richtung und gegen das Gitter flog. Dann aber war es so weit und der erste Geier flog durch die offene Klappe auf die Außenplattform. Die Menge jubelte und im nächsten Moment schwang sich der Geier endgültig in die Lüfte.
Herrlich war er anzusehen, vor den Bäumen und dem Meer im Hintergrund!!! FREIHEIT!!!
Das vermeintliche Pärchen schaute noch einmal wehmütig durch das Gitter nach draußen, in die Ferne übers Meer… „Werden wir jemals wieder auf den gleichen Aufwinden segeln? Werden sich unsere Flüge noch einmal kreuzen?“ Noch ein letztes Mal fielen sich die beiden Geier in die Flügel. Kein Wunder, dass so manch ein Geier kurz vor dem Abflug noch einmal seufzend die Flügel hängen ließ.
Es dauerte weitere 20 Minuten, bis sich der zweite Geier in die Lüfte und ab durch die Klappe nach draußen schwang! Und dann ging es plötzlich Schlag auf Schlag: Ein Geier nach dem nächsten flatterte zunächst auf die Holzstange und dann mit einem großen Satz nach draußen.
Dort blieben die meisten zunächst einige Zeit auf der Plattform sitzen, wo seit Freitagmorgen auch ein totes Schaf lag. Komischerweise fingen die Geier nicht an zu fressen sondern flatterten früher oder später in alle Richtungen davon.
Zwei Geier flogen am Zaun der Voliere entlang zum kleinen Hügelchen, auf den sich hin und wieder ein Geier zurückzieht.
Von seinen Kollegen angelockt flog einer der Volieren-Insassen auf den Hügel und begrüßte die beiden freien Geier durch den Zaun.
Ein anderer Geier flog sofort auf das Volieren-Dachgitter und setzte sich gemütlich auf einen Pfeiler, von dem er sich für wenigstens eine Stunde nicht mehr fortbewegte.
Immerhin konnte er von dort aus sowohl die Landschaft als auch seine Freunde in der Voliere in Ruhe begutachten und gegeneinander abwägen, wo er auf Dauer lieber bleiben möchte.
Eine ähnliche Idee hatte auch ein weiterer Geier, allerdings landete er direkt auf dem Dachgitter oberhalb der obersten „Treppenstufe“, wo sich alle Geier in der Voliere hin zurückgezogen hatten. Natürlich sahen sie ihren Freund, wunderten sich aber offensichtlich, warum ein Gitter zwischen ihnen lag. Es sah zum Totlachen aus, wenn er gemütlich übers Netz balancierte, während er seine Kumpel unter im fast plattgedrückt hat.
Die anderen Geier flatterten zum Teil direkt auf und davon, einige andere kamen im Laufe des Tages immer wieder zum Eko-Centar zurück und drehten dicht über Haus und Bäumen ihre Kreise.
Und auf einmal brach das Geier-Paradies auf Erden aus: Geier überall!!! Nicht nur die Flugeinlagen waren beeindruckend, sondern sie saßen auf einmal auf den Dächern der Häuser!!!
Einer meiner Lieblingsgeier, „CHC“, kam nach etwa zwei Stunden wieder zurück und landete nach einem Sturzflug mitten auf dem kleinen Dach über den Toiletten im Erdgeschoss des Eko-Centars. Schön dich wieder zu sehen, alter Freund!!!
Fast hätte er somit in unser Badezimmer in der ersten Etage reinflattern können. Er hätte sich natürlich liebend gern auch für die Nacht ein Nest in einem der freien Etagenbetten meines Schlafraumes herrichten können…
Dieser Moment war einfach so unglaublich, dass ich gar nicht mehr aufhören konnte den Geier abzulichten. Gerne hätte ich noch ein Foto aus dem Badezimmer geschossen, Auge um Auge mit dem Geier, aber da flatterte er plötzlich los und hechtete mit Schwung in den Wald, der etwas den Berg hinauf hinter der Pansion Tramontana gelegen ist. Unsere erste Vermutung: Er sammelt noch schnell Holz für die kalte Nacht. Deutlich plausibler aber die zweite Vermutung: Er sucht Pilze für sein Abendessen. Aas hack!?
Von der Straße her hörte ich einen Ruf, dass auf dem Dach eines Hauses in Center-Nähe noch ein Geier sitzt. Direkt neben dem Kamin, wie ein Weihnachtsgeier, der Geschenke bringt. Das schönste Geschenk war aber seine Anwesenheit!!! Der Geier war gut versteckt und ich musste auf einen wackligen Auto-Anhänger hochklettern, um ihn überhaupt halbwegs sehen zu können.
Ein ruhiges, sonniges Plätzchen hatte sich der Gute da ausgesucht, mit bestem Blick auf Beli!
Kurz darauf kam wieder ein Geier angeflattert und landete mitten auf dem Dach der Pansion Tramontana neben dem Eko-Centar.
Total begeistert lief ich die Straße wieder zurück und lichtete auch diesen Geier aus allen Perspektiven ab.

Ob es auf den verschiedenen Dächern immer nur dieselben zwei, drei Geier waren, die sich vom Center nicht trennen konnten, oder immer unterschiedliche, das kann ich nicht sagen. Ist auch egal, hauptsache überall Geier Geier Geier ;-) Ein Geier konnte sich übrigens lange Zeit nicht von der Eck-Voliere trennen. Auch als ein anderer Geier nach etwa eineinhalb Stunden wieder zu der Voliere zurückkam und seinem Freund durch Auf- und Abflattern vor der Voliere helfen wollte, sprang der Geier immer wieder von der Holzstange herunter statt hinaus. Der freie Geier flatterte schließlich sogar auf die Plattform und direkt bis vor die Klappe, aber es nützte alles nichts, schnief. Erst weitere eineinhalb Stunden später, als alle Zuschauer aufgegeben hatten, schaffte auch der Letzte den Abflug.
Während der Geier-Fotosafari quer über die Dächer Belis musste ich an einen Reiseführer denken, den ich bereits Anfang des Jahres gelesen hatte. Dort stand, dass man in Beli die Gänsegeier sogar auf den Hausdächern sitzen sehen kann. Im Sommer hatte ich dieses Schauspiel leider nicht betrachten können und die Angestellten sagten mir, dass das auch sehr unwahrscheinlich ist. Bis heute!!! ;-) Geier, wohin man guckt!
Selbst als ich in der ersten Etage ins Bad gehen wollte und aus dem Fenster schaute, was sehe ich da!?!? Einen Geier!!! Im Tiefflug direkt über dem Garten und der Voliere.
Etwa eine Stunde vor dem Abendessen saßen mindestens vier zurückgekehrte Geier in Volieren-Nähe. Zwei obendrauf und zwei daneben. Ich war schon richtig aufgeregt, wo die Geier heute überall sitzen werden, denn erfahrungsgemäß werden sie die nächsten Tage in der Nähe bleiben. Nicht, dass alle elf auf einmal wieder in der Eck-Voliere sitzen, weil sie es hier doch viel schöner finden…
Nach dem Abendessen saßen wir noch im Gemeinschaftsraum zusammen und verabschiedeten zwei Helfer, die heute abreisen. Auf einmal der Hinweis, dass wir Nachrichten einschalten sollen. Um 19:30 Uhr ging es los, im Vorspann wurde an vierter Stelle ein Geier gezeigt. Gespannt warteten wir bis kurz vor 20 Uhr und da war er: Der Fernsehbericht von unserem Kamerateam über die Auswilderung – und ein paar Sätze aus meinem Interview! Ich war im Fernsehen!!! Und schwärmte ganz Kroatien vor, wie wunderschön und majestätisch ich Gänsegeier finde und wie sehr mich das Engagement des Eko-Centars zum Schutz dieser tollen Tiere begeistert…
Der gestrige Tag war also alles in allem mal wieder das Geier-Paradies auf Erden!!!
Bleibt vielleicht noch zu erwähnen, dass ich zu Beginn des Abendessens kurz nach draußen gerufen wurde und auf folgende mystische Szene hingewiesen wurde: Direkt über dem Eingang zum Gemeinschaftsraum, hoch oben auf dem Dach auf dem höchsten Schornstein, in fast völliger Dunkelheit, nur minimal beleuchtet durch den Lichtschein, der von vorne von der Straße kommt… saß ein Gänsegeier!!!