Donnerstag, 7. Januar 2021

10 interessante Fakten über die Geier Nepals

In Nepal hat der Geierschutz bereits seit einigen Jahren eine große Lobby und es konnten bereits viele gute Projekte erfolgreich umgesetzt werden. Dabei bediente sich Nepal nicht nur an den Naturschutzmaßnahmen anderer Länder, sondern entwickelte auch engagiert seine eigenen.

Hier eine schöne Zusammenfassung von 10 Fakten, die viele Menschen nicht über die Geier Nepals wissen (gesehen auf Nepalisite, Verfasser: Anand Chaudhary und Krishna Prasad Bhusal):

1) Viele Geierarten:

Von den 23 Geierarten, die es weltweit gibt, können 9 in Nepal angetroffen werden. 6 davon zählen zu den permanenten Anwohnern Nepals, während 3 Arten eher saisonale Besucher sind.

2) Eine Katastrophe:

Vor den 90er-Jahren gab es in Nepal Millionen von Geiern und niemand machte sich die Mühe sie zu zählen. Dann begannen sie allerdings zu verschwinden und die Naturschutzer wurden alarmiert. Seit 2002 wird die Geierpopulation Nepals regelmäßig überwacht. Dabei wurde der dramatische Rückgang schwarz auf weiß dokumentiert: In weniger als einem Jahrzehnt verschwanden 91 % der Geier in Nepal. In Nachbarländern wie Indien und Pakistan ging die Population innerhalb von 15 Jahren sogar um 99 % zurück.

3) Daran starben die Geier:

In 2003 kamen Wissenschaftler dem dramatischen Geiermassensterben in Süd-Asien inkl. Nepal auf die Spur: Die Geier verstarben nach dem Verzehr von mit Diclofenac kontaminierten Nutztier-Kadavern. Diclofenac wurde weit verbreitet zur Linderung von Schmerzen und Fieber bei Nutztieren eingesetzt. Verstarben die Tiere dennoch, so blieben Rückstände von Diclofenac im Körper. Wenn sich nun die Geier an den Nutztier-Kadavern sättigten, wirkte das Diclofenac tödlich durch Leber- und Nierenversagen. Seit 2006 ist der Einsatz von Diclofenac in der Tiermedizin in Nepal, Indien und Pakistan verboten. Als Alternative wurde das geierfreundliche Meloxicam identifiziert. In 2013 wurden in Nepal schließlich sogar 30ml große Ampullen von Diclofenac für den Menschenbedarf verboten, da sie illegal weiterhin auch in der Tiermedizin eingesetzt wurden. Mittlerweile zeigen Langzeitstudien, dass der Geierrückgang in Nepal gestoppt werden konnte und die Population sich langsam wieder vermehrt.

4) Das weltweit erste Geierrestaurant:

2006 wurde das weltweit erste, durch eine Gemeinde geführte Geierrestaurant (Jatayu Restaurant) nahe Kawasoti entlang der Schutzzone zum Chitwan National Park eröffnet. In diesem damals einzigartigen Projekt wurden alte Nutztiere aus den umliegenden Gemeinden zusammengeführt und durften in einem Schutzgebiet ihren Ruhestand genießen. Wenn die Tiere schließlich auf natürliche Weise starben, ohne den Einsatz von Medizin, wurden die Kadaver den Geiern zum Verzehr an einer gesicherten Futterstelle, dem Geierrestaurant, ausgelegt. Dies hatte zur Folge, dass sich die Geier in diesem Gebiet wieder ansiedelten und die Anzahl der Nester und somit auch die gesamte Geierpopulation langsam wieder stieg. Der Erfolg des Projektes sprach sich rum und wurde in vielen Ländern weltweit übernommen. In Nepal gibt es mittlerweile 6 solcher Geierrestaurants. Im März 2013 hatte ich übrigens selber einmal das Glück ein Geierrestaurant in Nepal besuchen zu können.

5) Brutprogramm:

2008 wurde im Chitwan National Parl ein Geierschutzcenter mit Brutprogramm eröffnet. Die hier im Center geschlüpften Geier werden ausgewildert und können ihre wilden Artgenossen unterstützen.

6) Weltgeiertag:

Seit 2009 wird der International Vulture Awareness Day (IVAD), der Weltgeiertag, regelmäßig in Nepal gefeiert. Dieser findet immer am ersten Samstag im September statt und wird von vielen Gemeinden, Schulen, Jugendclubs und Organisationen zelebriert.

7) Sicherheitszone für Geier:

2009 haben nepalesische Wissenschaftler die so genannten „Vulture Safe Zones“ entwickelt, Sicherheitszonen für Geier. Das sind große Gebiete, in denen Diclofenac nicht länger eingesetzt wird, die lokale Bevölkerung den Geiern sehr positiv gegenübersteht und sich aktiv für den Geierschutz einsetzt. Der Dang District wurde in 2010 als erster Diclofenac-freier Distrikt ernannt. Seitdem konnten 74 der 77 Distrikte Nepals diesem Beispiel folgen und zu der weltweit ersten großen Vulture Safe Zone führen. Dieses Konzept wurde in anderen Ländern Süd-Asiens übernommen und wird derzeit auch in Teilen Afrikas eingeführt.

8) Flugroute verfolgen:

2008 wurden die ersten Geier in Nepal mit GPS-Sendern ausgestattet, um ihre Flugroute besser verfolgen und analysieren zu können. Viele weitere Geier dreier unterschiedlicher Geierarten folgten.

9) Auswilderung:

Die ersten Auswilderungen von Geiern in Süd-Asien fanden 2017 statt, im ersten Geierrestaurant in der ersten Vulture Safe Zone in Nepal. Bisher wurden 31 Bengalgeier ausgewildert, die im Brutcenter des Chitwan National Parks geschlüpft sind. Alle ausgewilderten Geier haben sichtbare Markierungen zur Identifikation und Satelliten-Transmitter zur Verfolgung ihrer Flugroute.

10) Nationale und internationale Zusammenarbeit:

Der Geierschutz in Nepal wäre nicht so erfolgreich ohne die vorbildliche Zusammenarbeit zwischen lokalen Gemeinden, nationalen wie internationalen Organisationen, Regierungsvertretern, Privatpersonen, Schulen, Tierärzten, Apothekern, Wissenschaftlern, Politikern, Reportern und vielen weiteren. Auch weiterhin werden all diese Personen und Gruppierungen zusammenarbeiten, um das gemeinsam Ziel zu erreichen: Die Stabilisierung aller neun Geierarten Nepals durch einen gesicherten Lebensraum.

Mittwoch, 6. Januar 2021

Heilige 3 Könige

Auch dieses Jahr möchte ich die Heiligen 3 Königsgeier ehren!

Anstatt Gold, Weihrauch und Myrrhe von ihnen zu erwarten, würde ich ihnen am liebsten Fleisch, Sehnchen und Eingeweide überreichen!

Samstag, 2. Januar 2021

VulPro-Jahresrückblick

Nachdem es 2020 leider nicht mit einem weiteren Besuch bei VulPro in Südafrika geklappt hat, möchte ich gerne dennoch die tolle Arbeit trotz massiver Einschränkungen aufgrund von Corona vorstellen.

VulPro konnte 2020 insgesamt 101 Vögel retten, darunter 66 Kapgeier und 15 Weißrückengeier. 28 Kapgeier und 4 Weißrückengeier konnten nach erfolgreicher Genesung wieder freigelassen werden! Ein toller Erfolg, denn beide Geierarten sind vom Aussterben bedroht, so dass es wirklich auch jedes einzelne Individuum ankommt! Die Geier, die nicht mehr in freier Wildbahn allein überleben könnten, dürfen in den großen Volieren von VulPro bleiben und hoffentlich eines Tages am Brutprogramm teilnehmen. Bei VulPro verpaaren sich nämlich bereits seit vielen Jahren auch Krüppelgeier, die z. B. nach Kollisionen mit Stromleitungen einen oder beide Flügel nach schweren Knochenbrüchen amputiert bekommen mussten. Ihr Küken sind jedoch körperlich gesund und können später freigelassen werden. So kann auch durch das dauerhafte Versorgen verletzter, verkrüppelter Geier ein Beitrag zum Erhalt dieser tollen Tierart geleistet werden. Leider hatten einige Geier aber noch weniger Glück. Entweder verstarben sie oder mussten aufgrund ihrer schweren Verletzungen eingeschläfert werden.

Um verletzte Geier frühzeitig versorgen zu können, hat VulPro mittlerweile ein super Netzwerk von aufmerksamen Farmern und Helfern, die im Falle eines verletzten oder geschwächten Geiers sofort VulPro informieren. Viele trauen sich sogar die Geier an einen sicheren Ort zu bringen, bis das VulPro-Rettungsteam oder freiwillige Helfer den Geier einsammeln. Manchmal müssen die Geier allerdings auch in Siedlungen, im Busch oder an ungewöhnlichen Orten erstmal gesucht und gerettet werden. Mitte Dezember war zum Beispiel ein junger Kapgeier, vermutlich auf einem seiner ersten Flüge, im Hartbeespoort Dam nahe VulPro gelandet.

Teppich aus Wasserhyazinthen auf dem Hartbeespoort Dam

Der große Stausee ist seit Jahren so verschmutzt, dass große Teile des Sees von einer beinahe undurchdringlichen Schicht aus Wasserhyazinthen zugewuchert sind. Ich habe es selber gesehen, man könnte den Stausee an diesen Stellen für eine riesige Wiese halten. Auch dem jungen Geier war vermutlich klar, dass es kein sicherer Ort zum Landen ist und brauchte dringend Hilfe.

Ein junger Kapgeier ist versehentlich im zugewucherten Stausee gelandet

Mit Hilfe eines speziellen Bootes konnten zwei lokale VulPro-Volunteers zum Geier gebracht und das Tier gerettet werden. Nur zwei Wochen später, ausgerechnet Heiligabend, ereignete sich ein weiterer ähnlicher Vorfall und wieder konnte der Geier Dank des tollen, engagierten Handels vieler Helfer heil eingesammelt und nach VulPro gebracht werden.

Dieser junge Pechvogel hat nochmal Glück gehabt und konnte gerettet werden

Die deutschen Wintermonate sind in Südafrika mit der Rehab-Saison gleichzusetzen, denn die geschlüpften Küken werden nun flügge und verlassen das sichere Nest. Dabei überschätzen sie manchmal ihre Kräfte und müssen dehydriert und entkräftet notladen. Andere sehen sich erstmals mit den alltäglichen Gefahren in einem Geierleben konfrontiert und kollidieren mit Stromleitungen oder elektrischen Zäunen. Anfang Dezember wurde leider ein toter Junggeier der Skeerpoort Kolonie entdeckt, den sein vermutlich erster Flug direkt in eine Stromleitung nahe der Kolonie trieb. Dort starb er durch Stromschlag an einem Strommasten.

 

Besonders tragisch ist die Tatsache, dass die Strommasten nahe der Kolonie früher Geier-sicher gebaut waren. Vor 2 Jahren hat Strombetreiber Eskom allerdings aus unerklärlichen Gründen entschieden die einst sicheren Strommasten in gefährliche T-Strukturen zu ändern. VulPro steht in engem Kontakt mit Eskom, da es immer wieder zu Geierverlusten durch ungesicherte Stromleitungen und -masten gibt. Sobald eine geschützte Tierart nachweislich dort stirbt, muss Eskom umgehend handeln und die Konstruktionen sichern. Meistens wird dabei aber nur der betroffene unsichere Strommast umgebaut, an dem ein Geier gestorben ist, aber nicht die anderen unsicheren Strommasten in unmittelbarer Umgebung. Nachdem VulPro vor zwei Jahren bei Eskom nachfragte, warum ausgerechnet nahe der Kolonie diese gefährlichen Umbauten durchgeführt wurden, kam keine zufriedenstellende Antwort. Irgendwann wurden die Masten zwar isoliert, aber ganz offensichtlich nicht richtig, wie dieser arme Pechvogeln nun feststellen musste. Solche Verluste sind einfach nur unnötig und basieren absolut auf unverantwortlichem Handeln entgegen besseren Wissens!

Immer wieder kommt es zu Unglücken durch Stromleitungen. Mitte November erhielt VulPro die Info, dass eine umgestürzte Stromleitung einen Büffel durch Stromschlag getötet hatte. Leider starb in diesem Zusammenhang auch einer von VulPros Geiern mit GPS-Sendern, der vermutlich von dem Geier fressen wollte und dabei ebenfalls durch Stromschlag starb. Am gleichen Tag verstarb sogar noch ein weiterer Geier nach einer Kollision mit einer Stromleitung.

Bei der Arbeit mit Geiern kommt es leider fast jeden Tag zu traurigen Rückschlägen und Verlusten. Umso mehr ziehe ich meinen Hut vor dem tollen Team von VulPro, das sich dennoch immer wieder aufrafft für die letzten verbliebenen Geier in Südafrika zu kämpfen!!! Viele Mitglieder und freiwillige, lokale Helfer habe ich über die Jahre kennen und schätzen gelernt. Ihr glaubt gar nicht wie sehr ihr mir fehlt!

Es ist toll mit anzusehen, wie sich VulPro mit den Jahren weiterentwickelt und wie groß der Bekanntheitsgrad im Land mittlerweile ist. Dadurch werden immer häufiger Geierunglücke gemeldet und immer mehr Geier können gerettet werden. Zum Glück sehen viele Einheimische den Nutzen der Geier für die Umwelt und unterstützen gerne das Projekt, indem sie sich als Fahrer bereitstellen, um die Geier aus jedem Winkel des Landes einzusammeln. Eine Rundfahrt von 10 Stunden am Tag ist dabei keine Seltenheit und letztendlich weiß man nie, ob der Geier bei Ankunft überhaupt noch lebt. Dem großen Dank von VulPro an seine Unterstützer kann ich mich daher nur von ganzem Herzen anschließen!!!

Und einen riesen Dank an meine Geier-Schwester und VulPro-Gründerin Kerri, die mit ihrer Vision dies alles erst ermöglicht hat!!!

Alle Bilder (c) VulPro

Freitag, 1. Januar 2021

Letzter Gruß an 2020

Ich weiß, man sollte nicht nachtreten, aber dieses alte Bild ist einfach zu passend: Mein letzter Gruß an 2020! ;-)

Frohes Neues Jahr!!!