Dienstag, 4. August 2015

Geier-Monitoring

Nach dem Vorgeschmackvon gestern Abend ging es heute früh bei LifeNeophron direkt weiter mit der Geierbeobachtung. Diesmal nicht weit vom Geiercenter entfernt an einem Picknickplatz, von dem aus man ein Geierrestaurant hoch oben auf einem Felsen beobachten kann. Gestern wurde ein frisches Schaf ausgelegt, vielleicht hat ja einer der Geier Appetit!?
Zunächst hatten die Besucher allerdings vier Beine und fraßen sich durch den Müll, den leider einige Leute hinterlassen hatten.
Es folgte eine Schafherde...
...und später ein paar Ziegen.
Recht zügig ließen sich einige Gänsegeier über den Bergwipfeln und in den Felswänden blicken. Bis zum ersten Schmutzgeier hingegen dauerte es über eine Stunde. Doch dann segelte er am Berghang entlang und landete kurz auf einem Felsvorsprung. In der Ferne leider schwer zu erkennen.
Über dem höchsten Berg der Umgebung kreisten gut 30 Gänsegeier. Das Aas in Sichtweite ließen sie aber links liegen.
Als nächstes tauchte mal wieder ein Schwarzstorch auf, kreiste kurz über dem Fluss und entfernte sich dann.
In der Felswand flatterten die Gänsegeier von Fels zu Fels. Es gibt viele Junggeier hier in der Gegend, die gerade das Fliegen lernen. Bei einigen Viechern sieht man sehr deutlich, dass sie noch sehr wackelig auf den Flügeln sind. So landen sie immer mal wieder nach kurzen Flugstrecken und brauchen mehrere Anläufe, um wieder zu starten.
Ein prachtvoller Gänsegeier schraubte sich gemeinsam mit dem Schwarzstorch in einer Thermik nach oben.
Netterweise ließ sich auch das Schmutzgeierpaar nochmal blicken.
Als weißer Punkt sind sie vor der Felswand recht gut zu erkennen. Wobei, einige Gänsegeier hier sind auch sehr hell, so dass ich je nach Sonnenstand bereits einige Male drauf reingefallen sind. Gänsegeier sind aber deutlich größer.
Weil es heute noch heißer war als gestern, ging es am frühen Nachmittag zum Abkühlen an den Fluss. Zum Schwimmen konnte ich mich nicht aufraffen, aber die leichte Briese am Wasser und der Blick in die Geierfelsen war Entspannung pur!
Selbst vom "Strand" aus konnte ich die Schmutzgeier und Gänsegeier beobachten.
Ein Schmutzgeier sitzt ganz oben auf dem Felsen, während sein Partner an ihm vorbeisegelt.
Kurzer Spaziergang am Fluss entlang.
Was für ein herrlicher Ort! Hier könnte ich mir auch gut vorstellen ein paar Stunden mit Teleskop im Schatten zu sitzen, Geier zu beobachten und hin und wieder im Wasser abkühlen.
Auf einmal zischt ein Schmutzgeier im Tiefflug über den Fluss und landet auf einer Kiesbank.
Nur Sekunden später stürzt sich der Geierpartner hinterher und landet direkt neben seinem Partner. Ein toller Anblick!
Die Schmutzgeier landen offenbar gerne am Fluss, um sich ein Schlückchen Wasser zu gönnen. Obwohl wir auf der anderen Flussseite und in weiter Entfernung waren, fühlten sich die Geier wohl nicht sicher genug und setzten schon bald wieder zum Start an.
Ob so ein fetter Gänsegeier wohl auch mal neben uns im Kies landet?
Gegen 18 Uhr ging es dann wieder zum gleichen Beobachtungsort wie gestern. Diesmal konnte ich allerdings keine Schmutzgeiereltern im Nest landen sehen und auch das Küken hielt sich weit hinten in der dunklen Höhle auf. Dafür konnte ich die Abendstimmung und ein paar Gänsegeier in der Ferne auf ihrem Heimflug genießen.

Montag, 3. August 2015

Geburtstag unter Geiern in Bulgarien

Am 01.08.2015 ging es los zu meinem neuesten Geierprojekt "The Return of the Neophron" in Madzharovo (Ostrhodopen), Bulgarien. Hier werde ich mich die nächsten zwei Wochen mit dem Beobachten von Schmutzgeiern beschäftigen. Gänsegeier und Mönchsgeier treiben sich hier aber auch herum.
Kurz zur Erklärung des Projektnamens, für alle, denen die Fachsprache nicht so geläufig ist: Es ist die Ableitung vom Lateinischen Namen für den Schmutzgeier: Neophron percnopterus. Der Schmutzgeier ist stark bedroht, daher gibt es im Balkan einen umfangreichen Action Plan, um den Erhalt der Tierart zu retten. In Bulgarien und Griechenland gibt es daher das Projekt "The Return of the Neophron", das von verschiedenen Organisationen unterschiedlicher Länder unterstützt wird.
Nach meiner Ankunft in Sofia wurde ich vom Projektmanager Dr. Stoyan Nikolov am Flughafen abgeholt. Erkennungszeichen: Ein Schild mit der Aufschrift "RSPB" (The Royal Society for the Protection of Birds) und Schmutzgeierbild. So kann der Geierurlaub doch gut starten. Die erste Nacht blieb ich in Sofia, da das Projekt weiter entfernt ist als erwartet. Wäre cleverer gewesen sich vorher zu informieren. Aber solange der Flughafentransfer geregelt ist, bin ich doch entspannt. Am Sonntagmorgen wurde ich vom Hostel abgeholt und zum Busbahnhof gebracht. Von dort ging es mit dem Bus zwei Stunden lang nach Plovdiv, eine überraschend schöne Stadt. Unterwegs fiel mir gleich auf, dass sich auf fast jeder Wiese Störche herumtrieben. Die haben wohl den Abflug in den Süden verpasst!? In Plovdiv wurde ich dann von Vladimir Dobrev abgeholt, mit dem ich vorher meine Aufenthalt koordiniert hatte. Wir trafen uns in der Innenstadt mit einigen Bekannten und weiteren Projektunterstützern auf einen Kaffee und ein Mittagessen, bevor noch einige Dinge erledigt werden mussten. Ich nutzte die Zeit für 2 Stunden Sightseeing mit den netten Leuten vom Mittagessen, bevor es gegen 16 Uhr dann endlich Richtung Geier losging. Mit vollgepacktem Auto, Schokotorte und süßem Gecko auf dem Schoß und noch einigen Zwischenstopps waren wir bis etwa halb neun unterwegs, bevor wir in Madzharovo ankamen. So spät sind Geier selten unterwegs, ab ein Gänsegeier kreiste netterweise über einer Felswand, um mich zu begrüßen.
Am nächsten Tag, pünktlich zu meinem Geburtstag, konnte das Projekt dann endlich beginnen!
Wir fuhren einige Schmutzgeiernester ab, um an den verschiedenen Beobachtungspunkten nach dem Rechten zu sehen bzw. andere Helfer irgendwo abzusetzen. Unterwegs konnte ich direkt einen Schwarzstorch beobachten, der in einem Fluss gefischt hat. Etwas später kreiste ein Schwarzstorchenpaar über unseren Köpfen und ließ sich im Laufe des Tages immer mal wieder blicken.
Da die Geier natürlich viel Ruhe brauchen und vor Nesträubern geschützt werden müssen, werde ich keine Detailbilder/-Infos zu den Brutplätzen veröffentlichen können. Daher zeige ich hauptsächlich Landschaftsaufnahmen, ohne zu sehr ins Detail zu gehen. Die Nester sind für Fotos sowieso viel zu weit weg.
Im Idealfall wird jedes Schmutzgeiernest Ende Juli / Anfang August beobachtet, wenn die Jung-Schmutzgeier fliegen lernen. Dabei kann nämlich leider viel schiefgehen und schnelle Hilfe wäre nötig. Zum Glück gibt es viele freiwillige Helfer, die regelmäßig das Projekt unterstützen, so dass viele Nester beobachtet werden können. Mit dem Teleskop geht es also querfeldein zu einem gemütlichen Beobachtungsplatz, bestenfalls im Schatten, da es hier bis zu 40 Grad heiß werden kann.
Da ich mich vorher kaum über die Gegend informiert hatte, war ich von der Landschaft doch angenehm überrascht! Hier lässt es sich aushalten!
Immer wieder konnte ich auf Dächern kleiner Häuser oder Strommasten Weißstörche in ihren Nestern stehen oder fliegen sehen. Über einer kleinen Siedlung kreisten sogar acht Störche gleichzeitig. Aber wo bleiben die Geier???
Am ersten Beobachtungsort war die Sicht viel zu diesig und auch am zweiten Platz konnte ich das Geiernest durchs Teleskop nicht erkennen. Ich werde mich wohl erstmal wieder dran gewöhnen müssen gut getarnte Geier in den Felsen zu entdecken.
Mitten im Flussbett... schon wieder ein Storch!
Mit dem Wagen ging es hoch auf einen Berg und das letzte Stück zu Fuß, unter der gleißenden Sonne. Ächtz! Ich bin nichts mehr gewohnt! Aber der Ausblick hat sich gelohnt und das Wichtigste: Dem Geierküken geht es gut! Letztes Jahr wurde an gleicher Stelle bei einem starken Unwetter leider das Nest inklusive Küken zerstört. Vor zwei Tagen gab es hier offenbar auch ein starkes Unwetter, so dass kontrolliert werden musste, ob das Nest noch da ist. Dieses Nest mit Küken konnte ich dann sogar selber erkennen!!! Süßes Geiervieh! Und schon recht groß!
Gänsegeier in einiger Entfernung.
Zwei Stationen weiter dann endlich ein Schmutzgeier am Himmel, direkt vor unserer Nase!!!
Ich fürchte allerdings, dass ich in diesem Projekt nicht viel näher an die Viecher rankommen werde, so dass es diesmal nicht so viele schöne Fotos geben wird. Aber Fotos sind ja nur zweitrangig, hauptsache den Viechern geht es gut!
In dieser Gegend hier gibt es auch viele in den Stein gehauene Höhlen, die tausende (?) Jahre alt sind, aber bisher weiß keiner wofür sie gut waren.
Das Projektauto, wie immer vorbildlich mit Geieraufklebern verziert.
Von 18 bis 20 Uhr hockte ich mich dann selber zwei Stunden mit Teleskop ins Gebüsch, um ein Schmutzgeiernest zu beobachten. Zweimal konnte ich beobachten, wie ein Elternteil im Nest landete und lecker Aas vorbeibrachte. In der dunklen Felsniesche und auf diese Entfernung war es sehr schwer zu erkennen, ob ein oder sogar zwei Küken im Nest sind. Ich glaube ja, dass ich bei einem Eltern-Abflug DREI Flügelchen im Nest gesehen habe...
Natürlich flatterte auch der Schwarzstorch nochmal neugierig vorbei.
Wehe ich habe am Ende des Urlaubes mehr Nahaufnahmen von diesem Vieh, als von Geiern!
Abends ging es dann noch mit alle Mann in ein kleines Restaurant hier im Ort. Das Essen ist - wie eigentlich alles - sehr günstig. Mein Problem ist nur, dass ich keine Ahnung habe, was mir die Speisekarte sagen will. Daher wird es noch eine tagelange Ausprobiererei, bis ich hoffentlich eine neue Leibspeise gefunden habe. Bei der Hitze hier hält sich der Appetit aber eh noch sehr in Grenzen.
Geburtstagliches Aas hack!