Donnerstag, 9. Februar 2012

Von Geiern, Mäusen und Kobras...

Nach einer hellen Vollmondnacht mit relativ wenig Schlaf, wurde ich morgens wieder vom lieben Spotty begrüßt, der gemütlich neben meinen Schuhen vor der Tür stand.Kurz nach dem Frühstück dann die erste Aufregung: Schlange auf dem Gelände von VulPro gesichtet! Mit alle Mann raus auf die Pferdekoppel, die auch „Arena“ genannt wird. Zwischen Baum und Erdhügel versteckt, lag sie dann. Eine Kobra (fragt mich bitte nicht welche Art genau), etwa ein Jahr alt, über einen Meter lang und extrem giftig!!! Die Jungtiere können ihre Giftdosierung noch nicht so gut steuern wie die älteren Tiere, daher sind sie besonders gefährlich. Mit Hilfe einer Stange wurde das Viech dann allerdings fachmännisch gefangen, ans andere Ende des Centers gebracht und dort wieder ausgesetzt.Sah aber eigentlich ganz zutraulich aus ;-)
Danach der Frühsport, Ohrengeier einfangen und mit Augentropfen versorgen. Diesmal ließ er sich von mir ganz einfach von seiner Sitzstange aus einfangen, so langsam kriege ich Übung! Der Gute hat mir allerdings an den Oberarmen ein paar blaue Flecke verpasst, wahrscheinlich durch den kräftigen Druck seiner Riesenflügel. Blaue Flecke durch einen Geier hat aber wesentlich mehr Stil als wenn man nur gegen eine Tür rennt… Ich trage sie mir Stolz ;-) Weil der Ohrengeier aufgrund seiner Sehprobleme sowieso nicht mehr ausgewildert werden kann, werden wir versuchen ihn auf Menschen zu "dressieren". Die erste Aufgabe hat er sofort mit Bravour gemeistert, denn ganz lieb und brav hat er mir aus der Hand gefressen!!!Zwischendurch dann kurz mit Kapgeier Cody gespielt, der immer ganz lieb neben einem herläuft, wenn man sich der Voliere nähert, und mit ganz stolz seine Federsammlung zeigen wollte. Dankend hat er kleine Stöckchen durch das Gitter in Empfang genommen und hin und wieder listig auf den baumelnden Kamera-Deckel geschaut.Auf dem nächsten Bild übrigens der direkte Vergleich von Kapgeier und Weißrückengeier. Der Kapgeier (hinten) ist um die Augen herum eher bläulich, der Weißrückengeier (vorne) hat ein fast schwarzes Gesicht. Je nach Lichteinfall fällt es mir aber selber noch sehr schwer die beiden Arten zu unterscheiden.
Relativ ungewöhnlich war dann der nächste Job, ein aufgeblähtes Schaf zum Geierrestaurant bringen und zerlegen. Todesmutig habe ich ihm ein Messer in den Blähbauch gerammt… und dreimal dürft ihr raten, was mir entgegen kam! Naja, zum Glück keine Eingeweide, aber die „Duftwolke“ war atemberaubend. Danach Schaf für die Geier der Länge nach aufgeschnitten, bis die Gedärme rausquillen – und da sage mal einer Geier wären fies. Dazu dann noch ein paar Ferkel, die mittlerweile schon grün angelaufen sind und auch nicht besser rochen, und die Reste der Kuh aus der Brut-Voliere. Alles rein in die kleine „Einfang-Voliere“ neben dem Geierrestaurant, wo wir heute eigentlich wilde Geier einfangen und markieren wollten. (Die Bilder vom Schaf erspare ich euch lieber.)Leider war das Wetter dafür heute alles andere als optimal. Zwar warm, aber sehr bewölkt und daher kaum Thermik. Viel zu anstrengend für die Geier zu fliegen. Ein paar Stunden später kreisten sie zwar über uns am Himmel, nach und nach landeten bis knapp 40 Kapgeier im Restaurant, aber das Schaf war offenbar nicht nach ihrem Geschmack.Lange Zeit blieben wir im Beobachtungsposten, um im Idealfall durch einen Seilruck möglichst viele Geier in der Voliere einzufangen, aber kein Geier ging rein. Ihnen genügten die Kuhreste draußen und ein paar Ferkel, die meisten flogen sogar ohne zu fressen wieder los. Komische Tiere. Ihre Kröpfe waren alle leer, sie müssen mächtigen Hunger haben. Aber offenbar waren die leichten Winde zwischendurch und die gute Thermik viel zu verlockend, so dass sie den Drang verspürten weiterfliegen zu müssen. Hoffen wir also, dass sie morgen alle wiederkommen und wir ein paar hübsche Exemplare einfangen können. Die Guten werden dann allerdings nur markiert, untersucht, vermessen und sofort wieder freigelassen. Zwischendurch arbeiteten wir an dem Austausch der Geier-Sitzstangen weiter, so dass nun nur noch die großen Volieren fehlen.
Achja, irgendwann im Laufe des Vormittages durfte ich dabei helfen die Käfige der Lebendnahrung sauber zu machen. Wir haben nämlich fünf Kisten mit Mäusen in der Garage, die hin und wieder an die Adler oder eventuelle Babygeier verfüttert werden. Aber wie fängt man eine Maus? Richtig, man greift sie am Schwanz! Hehe, ein Heidenspaß!!! Auf die Mäuse bin ich gerade nämlich eh sauer, denn heute Morgen hatte ich eine dabei ertappt, wie sie eines ihrer Babys gefressen hat. Killerviecher!
Gleich fahren wir ins Restaurant – ähm, diesmal in eines für uns Menschen!

Mittwoch, 8. Februar 2012

Wie fange ich einen Geier?

Heute Morgen haben wir zuerst hoch motiviert unser Regal-Kunstwerk zusammen geschustert, damit die vielen Geiercenter-Broschüren von VulPro eine würdige Unterkunft finden. Nunja, vielleicht nicht ganz so stabil wie IKEA, aber wir haben das Beste draus gemacht. Außerdem haben wir den Konferenz- und Schulungssaal so gut es geht für die nächste Konferenz Anfang März hergerichtet. Bis dahin müssen aber noch einige Feinheiten erledigt werden.
Danach musste der halbblinde Ohrengeier als Übungsobjekt meiner Geierfangkünste dienen. Ist für den Einstieg etwas leichter, weil er ja auf einem Auge blind ist und ich mich dann dieser Seite her anschleichen kann. Rechte Hand schnell kurz unterm Kopf um den Hals, halb auf den Geier draufsetzen und die Flügel mit den Oberschenkeln fixieren, danach den linken Arm in sicherer Entfernung zu den Krallen rund um den Körper und vorsichtig aufstehen. Wenn alles richtig gemacht wird, befindet sich der Geier in einer kuscheligen Umarmung und sollte nicht nach hinten aushacken können ;-) Hat für den Einstieg sogar recht gut geklappt. Alle Finger noch dran! Das arme Kerlchen bekommt jeden Tag zweimal Augentropfen, so dass ich ihn nachmittags direkt noch einmal einfangen konnte. Kaum zu glauben, aber ohne sperrige Handschuhe ist das wesentlich einfacher.
Den Großteil des Tages verbrachten wir damit die Sitzbalken in den Volieren zu erneuern. Sowohl die Geier als auch die anderen Greifvögel müssen Gelegenheit bekommen ihre Krallen zu nutzen, abzuwetzen, das Greifen zu üben und das alles am besten auf rauen Baumstämmen mit viel Rinde. Haben die Baumstämme und Äste ihre Rinde verloren und sind somit zu blank geworden, dann können die Vögel auch nicht mehr vernünftig auf ihnen landen, ohne abzurutschen. Daher mussten neue Sitzmöglichkeiten her. Also quer durch einen großen Haufen Äste wühlen, die passenden Balken raussuchen und was nicht passt, das wird eben passend gemacht. Alte Drähte durchschneiden, Balken entfernen, neue Drähte rumwickeln und das alles unter den Argusaugen der Volieren-Insassen. Die kleineren Volieren haben wir heute geschafft, die großen Volieren mit den Kapgeiern und Weißrückengeiern sowie die Voliere mit dem aggressiven Andenkondor und den beiden Palmgeiern folgen bald.
Neben aller Arbeit dürfen natürlich die vielen Rundgänge um die Volieren nicht zu kurz kommen.Zwischendurch habe ich einen kleinen Abstecher Richtung Geierrestaurant gemacht, weil sich dort mehr als 30 wilde Geier auf der Wiese angesammelt hatten. Leider war ihre Suche nach Aas vergeblich, denn uns geht hier gerade leider das Fressen aus :-( Eine Weile später hauten die Geier zwar ab, kreisten aber in sehr weiter Höhe über uns am Himmel…
Viele Geier, die in dieses Center kommen, werden getagged, also mit jeweils einer gelben Markierung an jedem Flügel versehen, damit man sie aus weiter Ferne anhand der Nummer identifizieren kann. Im Moment besteht die Markierung aus einem „B“ und 3 Zahlen. Auf die Rückseite wird die Telefonnummer des Centers geschrieben, falls mal ein Geier irgendwo gefunden wird. Unser Patient aus der Krankenvoliere, ein fünf Monate junger Kapgeier, der halb verhungert gerettet wurde, wurde heute Nachmittag nun auch markiert. Dazu wurde er eingefangen und ich durfte ihn halten. Zunächst wurden einige Untersuchungen mit ihm angestellt und er bekam einen Ring um die Kralle. Danach wurde er mit vereinten Kräften auf den Boden gedrückt, wobei ich seinen Kopf festhalten musste, damit er nicht um sich hackt. Die Prozedur der Markierung ist nämlich leider ziemlich schmerzhaft für ihn :-( Zunächst wird der Flügel ausgebreitet, die Stelle mit der tiefsten „Einschnürung“ gesucht und dann etwa 5 cm unterhalb der Flügeloberkante die Markierung gestochen. Dabei muss man natürlich aufpassen möglichst wenig Nerven zu treffen. Dem Armen gefiel das alles gar nicht, vor allem als der zweite Flügel dann auch noch durchstochen wurde. Als kleine Entschädigung durfte ich ihn anschließend jedoch in die große Voliere tragen und bei seinen Artgenossen aussetzen. So ist er wenigstens nicht mehr allein. Beim Absetzen hockt man sich vorsichtig auf den Boden und versucht den Geier so zu halten, dass er mit seinen Krallen den Boden berühren kann. Danach schnell Arme lösen und einen Satz nach hinten machen – normalerweise sollte er sich dann nicht umdrehen und zuhacken, sondern nach vorne flüchten ;-) Hat der Gute auch gemacht!!! Im Gegensatz dazu kam unser Vorzeigegeier „Cody“ (?) brav angehoppelt. Er ist wirklich lieb und wird bei Besuchen von Schulklassen immer gerne vorgezeigt. Wirklich ein Geier zum Anfassen… dachte ich jedenfalls, bis er bei meinem Streichelversuch zugehackt hat! Wieder rechte Hand, diesmal der Zeigefinger, leichter Kratzer ;-) Noch mehr Stoff für spannende Geschichten… Aber ich muss die Geier echt in Schutz nehmen, wenn eine Katze richtig zulangt, dann würde das wesentlich mehr wehtun!!! Vielleicht ist das ja nur ihre Art zu spielen!? So sehr ich über diese Hackattacken auch schmunzeln musste, auf einen richtig kräftigen Biss kann ich gut verzichten. Daher sollte man beim Einfangen der wilden Geier auch in jedem Fall Augenschutz tragen, zumindest eine Sonnenbrille. Handschuhe halten zwar den gröbsten Biss ab, sind aber unpraktisch beim Festhalten der Geier – da bestünde viel mehr die Gefahr, dass man ihn nicht richtig halten kann und der Geier ungemütlich wird. Da steckt schon ordentlich Kraft hinter, wenn man den Geier im Arm hat und er auf einmal versucht seine Flügel zu entfalten, während er gleichzeitig seinen Hals ruckartig bewegt, um den Kopf nach hinten zu drehen. Hm, aber wenn ich sehe, wie lieb Cody sich von seinen Besitzern streicheln lässt und wie anschmiegsam er ist, dann würde ich einen treuen Hausgeier tausendmal mehr einem Hund vorziehen!!!Das weitere Austauschen der Geier-Sitzbalken wurde zu späterer Stunde durch einen kurzen Regenschauer unterbrochen. Er dauerte nicht wirklich lang, aber nach zwei Regentropfen mit einem gefühlten Durchmesser von je 10 Zentimetern war man patschnass. Also wird der Rest morgen oder die Tage erledigt. Zeit, um die Bilder des Tages zu bewundern, vorzusortieren und vielleicht bald endlich nachzutragen.

Dienstag, 7. Februar 2012

Erste Begegnung mit einem Geierschnabel

Nach 10 Stunden tiefem Schlaf wurde ich heute durch herrlichste Sonnenstrahlen geweckt und vom süßen Dikkop an der Zimmertür begrüßt. Zwar blieb die Sonne den Rest des Tages dann hinter einer dünnen Wolkenschicht und es wurde ziemlich schwül, aber dennoch herrlichste Temperaturen!!! ;-) Ein Marabu stakste in einiger Entfernung über die Wiese und die Geier in ihren Volieren schauten sehr hübsch aus. Morgens direkt die erste Bewährungsprobe, riesig-langer VulPro Pick-up, Schaltwagen, Schotterpiste UND Linksverkehr… Das hatte ich ja bereits am Flughafen feststellen müssen, als ich zielstrebig auf der falschen Seite einsteigen wollte. Jedenfalls wurde eine tote Kuh gemeldet und die hungrigen Geier möchte ich ja auch nicht warten lassen. Zum Glück ging es nur die Schotterpiste vorm Center eine ganze Weile geradeaus bis zu einer Farm, aber überraschenderweise habe ich es sogar recht schnell geschafft den Wagen zu bezwingen – nachdem ich etwa dreimal mit der rechten Hand ins Leere gegriffen hatte beim Versuch zu Schalten ;-) Jedenfalls ging es ab zur Farm, dort mit vereinten Kräften die Kuh auf die Ladefläche gehieft und wieder zurück – immer den Blick auf zwei Hufe im Seitenspiegel. Ich bin mir sicher, so eine ungewöhnliche Ladung habe ich noch nie durch die Gegend gefahren. Habe nur die gierig über dem Wagen kreisenden Geier vermisst, die jedoch kaum am Center angekommen sofort auftauchten. Die Kuh wurde dann vor einer Voliere mit Kapgeiern nahe des Geierrestaurants abgeladen und in handlichere Teile zerlegt. Lecker! Wirklich interessant, welche Körperteile einem dabei so entgegen quillen ;-) Und das alles unter den Augen von gut 20 und mehr Geiern in den Volieren, die aufgeregt vor sich hin schnatterten.
Natürlich wurde die Kuh fair aufgeteilt, ein fetter Brocken in die Zuchtvoliere (Kapgeier), einer in die andere große Voliere voller Kapgeier und Weißrückengeier und der Haufen Eingeweide ins Geierrestaurant. Dazu dann noch ein paar Ferkel von gestern in die kleineren Volieren (u.a. mit Andenkondor und Palmgeiern) sowie ins Geierrestaurant und ein paar Küken für die Eulen und die anderen Greifvögel. Sogar kleingeschnippeltes Küken für den Dikkop, den ich ja für einen Körnerfresser gehalten hätte… Weiß gar nicht, ob ich mich morgen früh wieder so freuen werde, wenn ich meine Zimmertür aufmache und das Vieh gemütlich neben meinen Schuhen vor der Tür hockt…Das ist bestimmt ein Killerhuhn!!! Der Gute, der hier frei rumlaufen darf, heißt übrigens „Spotty“, sein Kollege im Käfig „Speedy“. Da hier praktisch alles verwertet wird, haben wir auch einem der Adler mit dem im Garten tot gefundenen Taubenküken eine große Freude machen. Er schnappt sich sein tägliches Küken sogar aus der Hand! Für den halbblinden Ohrengeier wurde frisches Fleisch in Schnabelgerechte Häppchen geschnitten, damit er gut zu Kräften kommt. Außerdem wurde er eingefangen und bekam Augentropfen. Das machen wir ab jetzt jeden Morgen und Abend, vielleicht geht es seinem Auge dann irgendwann etwas besser – auch wenn er es nicht mehr wird nutzen können.
Natürlich haben sich alle Geier sofort gierig auf ihren Festbraten gestürzt und von überall her erklang gieriges Geschnatter, Gezischen und Gefauche. Auch die wilden Geier und andere Greifvögel kreisten am Himmel und kamen nach und nach runter auf die Wiese gestürzt. Aas hack!!!
Ansonsten wird hier alle Arbeit erledigt, die so anfällt. Volieren Putzen, Aas einsammeln, Aas zerkleinern, handwerkliche Aufgaben, Gartenarbeit und und und. Aus irgendwelchen Sperrholzplatten wird ein Regal zusammen geschreinert, es gibt viel zu tun!
Und immer, wenn man denkt man hat kurz seine Ruhe, kommt Dikkop angerannt, kuschelt sich ein Hund ans Bein oder man wird von einem Pferd abgeschlabbert ;-) Herrlich!!!
Und für alle, die nur darauf warten, wie viele Gliedmaßen mir nach der Reise fehlen: Ja, ich wurde bereits angehackt! Mit der halben Kuh unterm Arm wollte ich die Tür zur Geiervoliere öffnen, während die Viecher schon alle ihre Schnäbel wetzten. Leider auch der Krummschnabel, der sich in der Ecke neben der Tür versteckt hatte. Ihn muss wohl das Blut am Gummihandschuh angelacht haben, denn kaum durchs Gitter gegriffen, hat er auch schon zugehackt. Frechschnabel!!! Habe aber nur einen kleinen Bluterguss am Fingerknöchel davongetragen, noch ist also alles heil ;-)
Ich bin schon sehr gespannt, was die nächsten Tage an Abenteuern und Überraschungen rund um das geliebte Federvieh mit sich bringen werden!!!

Abenteuerliche Anreise

Noch bevor das eigentliche Abenteuer unter Geiern begann, zeigte sich bereits die Anreise als sehr abenteuerlich! Nur eineinhalb Stunden Umsteigezeit in Paris hatte ich ja zähneknirschend in Kauf genommen, aber irgendwie hatte ich nicht damit gerechnet, dass der Transferflieger ab Düsseldorf eine fette Verspätung hat :-( Zunächst hieß es 20 Minuten, dann hätte ich „noch mehr als genug Zeit“, um in Paris umzusteigen. Also wurden alle munter dreimal von einem Gate zum nächsten geschickt, bis es hieß, dass er Flieger erst jetzt in Paris losgeflogen und auf dem Weg nach Düsseldorf sei. Prima, 45 Minuten Verspätung und mein Anschlussflug in weite Ferne gerückt. Es sitzen nur fünf Leute mit Endziel Johannesburg im Flieger, da kann der A380 leider nicht warten. Also wieder quer durch den Flughafen zum Air France Schalter und nach Alternativen gefragt. Die beiden Damen sind völlig entspannt und meinen noch immer, dass ich das locker schaffen würde. Aber notfalls zahlt Air France ja die Übernachtung in Paris. Dabei haben die beiden nur zwei Dinge nicht bedacht: Paris streikt ab morgen und außerdem gibt es dienstags gar keinen Flug nach Johannesburg. „Kein Problem, Sie können dann morgens nach Amsterdam fliegen, dann weiter nach Johannesburg und um 22 Uhr sind Sie dann dort!“ Klingt ja schön und gut, aber wie soll ich denn nach Amsterdam fliegen, wenn Paris am nächsten Tag streikt? Habe mich innerlich schon fürs Zugfahren entschieden, was nur den Haken der fehlenden Winterbekleidung bei diesen eisigkalten Temperaturen hat… Aber ich will zu den Geiern!!! Die kurze Umsteigezeit war mir ja vorher schon ein kleiner Dorn im Auge, aber der A380 hat mich dann doch zu sehr gereizt. Außerdem wäre die Alternative über London noch schlechter gewesen, denn London war wegen Schneechaos geschlossen. Also wieder durch die Handgepäckkontrolle, noch zweimal das Gate gewechselt, nur um letztendlich vom ursprünglichen Gate aus zu starten… als nervliches Wrack. Stewardess genervt, ob wir das noch schaffen… Sie sehr freundlich, den ganzen Flug über gut zugeredet und kurz vor der Landung kam die Durchsage, dass für die Passagiere nach Johannesburg Leute mit Schildern bereitstehen :-) Da sich der Flieger für ein anderes Terminal entschieden hatte, musste ich meinen Kram packen und einmal um halb CDG rennen, um dann Gott sei Dank meinen Flieger doch noch in letzter Sekunde zu erreichen ;-) Wie gut, dass das Boarding beim A380 mit gut 550 Leuten an Bord doch etwas länger dauert…
Gegen den Fettwanst kann man nichts aussetzen, vor allem nicht, wenn man am Notausgang sitzt und nur eine Person neben sich! Freundliche Crew, das Essen sah relativ gut aus, auch wenn ich es nicht genommen habe, eigene Fernseher an den meisten Plätzen und überraschend leise. Leider war der Flug insgesamt sehr unruhig, alle paar Minuten ging es munter von rechts nach links… Schlafen war also nicht so einfach. Umso schöner dann die Pünktliche Landung und die Durchsage des Kapitäns, dass uns um 11 Uhr morgens bereits 26 Grad erwarten… ist doch mal eine Alternative zu den gefühlten -26 Grad der letzten Tage… Da ich im Flieger oben und ganz hinten gesessen habe, waren gut 530 Passagiere vor mir am Passport-Check, so dass mein Abholservice leider eine Stunde warten musste. Aber dafür hatte ich meinen Koffer recht schnell und ab ging es nach Hartbeespoort Richtung Geier!!! Endlich!!! Gefühlte 10 Jahre gealtert, aber die nächsten drei Wochen werden mich die stressige Anreise doch gut vergessen lassen ;-) Unterwegs erstmal Wolken und sogar ein paar Regentropfen, aber dadurch viel der Temperaturschock nicht ganz so stark aus. Und ich glaube keine halbe Stunde später sah ich schon den ersten Geier am Himmel kreisen… :-)
In Geier-Center von VulPro angekommen wurden mir noch VOR meinem Zimmer die Geier vorgestellt, da fühle ich mich doch direkt willkommen ;-) Hier werden die Prioritäten genau richtig gesetzt!!! Von der Vielzahl der Geier war ich sofort überwältigt! Ich hätte ja vielleicht mit 20 Tieren gerechnet, aber nicht mit zwei Volieren mit je locker 20 Tiere plus weitere Geier und Greifvögel in anderen Volieren. Im Grunde ist hier eine ganze Wiese voller großer Volieren, die man von allen Seiten bestaunen kann. Geier ohne Ende!!! Es gibt gut 40 Kapgeier und Weißrückengeier, deren genaue Anzahl ich nachreichen kann, wenn ich endlich die Unterschied zwischen ihnen verinnerlicht habe. Sehen jedenfalls beide aus wie Gänsegeier, nur etwas gräulich- bzw. weißlicher. Dazu kommen noch drei Ohrengeier, darunter einer, der leider auf einem Auge blind und sehr schwach ist und jetzt in der Rettungsstation ist – einer Extravoliere. Um ihn werde ich mich die nächsten Wochen ganz besonders kümmern dürfen. Außerdem eine Voliere mit zwei Palmgeiern und einem männlichen Andenkondor. Wusste gar nicht, dass der Gute solche Temperaturen aushalten kann, wo er sich doch eigentlich in den Südamerikanischen Anden aufhält… Und dann kommen natürlich noch die vielen wilden Geier hinzu, die hier auf Aassuche ihre Runden drehen und immer wieder gerne im Geierrestaurant hinter den Volieren vorbeischauen. Das Geierrestaurant befindet sich nämlich genialerweise auch hier auf dem Center, so dass ich hoffentlich viele Fressorgien werde beobachten können. Zum Teil kommen da auch schon mal 100 Geier zusammen… Kanns kaum erwarten!!!
Neben den süßen Krummschnäbeln wohnen hier noch fünf Hunde, fünf Pferde, Tauben, ein merkwürdiger Hahn und zwei süße Flattermänner mit langen dünnen beiden. Hier nennen sie sich „Dikkop“, wie auch immer ihr Deutscher Name lauten mag…
Das ganze Center macht einen richtig guten und gepflegten Eindruck, so dass ich mich hier sehr wohl fühlen werde. Natürlich gibt es auch jede Menge Dinge zu erledigen, aber dafür sind die anderen Helfer und ich ja auch hier. Und ein Blick in die Voliere genügt, dann weiß ich auch wofür es sich lohnt!!! ;-)
Nach der ersten Besichtigung und dem Kennenlernen ging es dann auch direkt schon los zu zwei Farmen, um Geierfutter einzusammeln. Das entpuppte sich dann als riesiger Haufen kleiner Ferkel… Schade um die kleinen, aber so hat ihr früher Tod wenigstens noch einen guten Sinn.
Internetverbindung klappt ganz gut, Bilder werde ich dann beizeiten nachreichen.

Samstag, 4. Februar 2012

Abenteuer unter Geiern in Südafrika

Nur noch ein Tag!!!
Morgen Abend werde ich dem bitterkalten Deutschland auf Wiedersehn sagen und mein "Abenteuer unter Geiern" in Südafrika starten :-) Drei Wochen lang werde ich VulPro in Hartbeespoort, Südafrika, irgendwo westlich von Pretoria, als freiwillige Helferin unterstützen.
Vor vielen, vielen Monaten war ich glücklicherweise auf die Webseite von Vulpro aufmerksam geworden, deren fantastische Arbeit mich wirklich beeindruckt hat. Nach einigen sehr freundlichen E-Mails entschied ich mich das Projekt als Volunteer zu unterstützen. Kann es kaum noch erwarten endlich dort zu sein!!! ;-)
Wer meine Leidenschaft für Geier kennt und diese mit dem Leitbild VulPros (siehe Geschäftsbericht 2011) vergleicht, der versteht sicherlich, warum ich mir keinen besseren Ort vorstellen kann, um mich wieder aktiv dem Geierschutz zu widmen:

"VulPro's mission statement is 'to be the leading vulture conservation programme for advancing knowledge, awareness and innovation in the conservation of African vulture populations for the benefit and well-being of society'."

Je nach Zeit und Internetverbindung werde ich entweder versuchen von Zeit zu Zeit über meine Abenteuer unter Geiern in Südafrika zu berichten oder meine Erlebnisse später nachreichen!

In diesem Sinne: Aas hack!!!