Freitag, 19. November 2010

Lucky ist tot :-(((

Ich kann es noch gar nicht fassen, Gänsegeier "Lucky" ist tot :-((( Das "kleine Gänsegeier-Küken", dass erst am 06.04.2010 im Tierpark Nordhorn geschlüpft war und das ich nach meiner Tierpatenschaft benennen durfte. Es ist so traurig, der zweite persönlich liebgewonnene Junggeier, der dieses Jahr gestorben ist :-(
Im Grunde war Lucky der erste Baby-Gänsegeier, den ich je gesehen habe, wenn auch nur kurz nach seiner Geburt über einen Live-Monitor. Nach Abschluss meiner Tierpatenschaft und vor allem nach dem schweren Unwetter, das im Juli die Geier-Voliere in Nordhorn zerstört hatte, stand ich mit dem Tierpark Nordhorn und seinem Geschäftsführer in engem Kontakt, um über Neuigkeiten zu Lucky und den anderen Geiern informiert zu werden. Auch der Allwetterzoo Münster, in dem die Nordhorner Gänsegeier nach dem Unwetter Asyl gefunden hatten, informierte mich über den Verbleib von Lucky und seiner Familie.
Erst vor wenigen Tagen habe ich dann erfahren, dass mittlerweile einige Gänsegeier wieder zurück nach Nordhorn gezogen sind, der Fertigbau der Voliere würde sich allerdings noch ins nächste Jahr verzögern. Die übrigen Geier blieben noch weiterhin in Münster.
Heute dann der traurige Schock via Newsletter: Gänsegeier Lucky ist leider aufgrund einer Infektion plötzlich verstorben :-((( Es ist grausam und traurig und einfach nicht fair. Der arme Kleine :-(
Ich werde natürlich versuchen an genauere Informationen zu kommen, auch wenn ich mich jetzt am liebsten erstmal verkiechen möchte. Zwei tote Kumpelgeier in so kurzer Zeit, das ist verdammt hart! Wie schlimm muss so ein Verlust wohl sein, wenn man einen Gänsegeier jeden Tag um sich hätte??? Da ist es ja fast schon gut, dass sich Gänsegeier nicht als Haustiere eignen. So kann man sie wenigstens nicht eines Tages verlieren :-(
Besonders traurig bin ich natürlich auch, dass ich Lucky gar nicht mehr sehen konnte, weil er ja seit Juli nur noch hinter den Kulissen in Münster gewohnt hatte. Ich hätte ihn so gerne einmal in voller Größe bewundert...
Aber letztendlich hat sich sowieso unter dem Namen "Lucky" immer nur folgendes Bild eingebrannt:
Das kleine weiße Fellknäuel, das damals plötzlich auf dem Monitor unter dem Gefieder seiner Eltern auftauchte, kurz in die Kamera schaute und sich dann schnell wieder ins wärmende Nest legte...
Lucky, rest in peace!!!


Wer mehr zu Lucky lesen möchte, kann übrigens unter diesem Artikel auf das Label "Tierpark Nordhorn" klicken, dann erscheinen alle Nordhorn-Artikel direkt hintereinander.

Mittwoch, 17. November 2010

"Geierlied" aus "Das Dschungelbuch"

Aktuell läuft auf Facebook eine lustige Aktion: Möglichst jeder soll sein Profil-Foto durch das Bild seines Kindkeits-Comic-Helden ersetzen. Aber wer war denn nun mein Comic-Held??? Zugegeben, so genau kann ich es gar nicht sagen... aber mir kamen schon sehr bald vier sympathische Kollegen in den Sinn, die ich auch in ganz jungen Jahren schon klasse fand: Die vier Dschungelbuch-Geier Buzzy, Dizzy, Ziggy und Flaps, die am Ende des Filmes "Das Dschungelbuch" Mogli mit einem rührenden Lied ihre Freundschaft versprechen und ihn anschließend vor Shir Khan retten.Freundschaften sind etwas Wunderbares und ich finde es immer wieder spannend neue Menschen kennen zu lernen, zu merken, wie sich manchmal sehr langsam, aber manchmal auch blitzschnell eine vertrauensvolle, schöne Freundschaft entwickelt... und freue mich über jede Freundschaft, die auch über viele Jahre trotz Höhen und Tiefen und Entfernungen weiterhin besteht. An alle meine Freunde: Ihr seid wunderbar und ich bin glücklich, dass sich unsere Wege gekreuzt haben!!! Welches Lied könnte nun besser passen, als euch dieses hier zu schicken!?

Seid zur Freundschaft bereit

Wir sind Freunde für alle Zeit
Für alle Zeit

Bist du allein
Bist du allein
Wer kommt sofort?
Wer kommt sofort
Wer macht dir Mut?
Wer macht dir Mut
Wer hält sein Wort?
Wer hält sein Wort

Und wenn du hilflos draußen liegst
Wer öffnet dir dann die Tür?
Deine Freunde hier.

Und gehst du traurig durch das Land
Wer reicht dir die Hand?
Deine Freunde hier

Und scheint verlor´n
Dein Seelenheil,
Wer eilt herbei schnell wie ein Pfeil?
Wir woll´n mit aller Welt gut Freund sein
Ehrenwort in Erster Hilfe halten wir sogar den Weltrekord

WELTREKORD

Du siehst in uns
Freunde bei Gefahr
Und bei Gefahr
Sind Freunde rar
Hilft einer im Dschungel
So gern wie wir

Dieser Freund ist hier

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Schön, dass es euch gibt!!!

Sonntag, 24. Oktober 2010

Trauer im Geier-Paradies Beli :-(

Während ich noch den letzten Bericht geschrieben habe, bekam ich die traurige Nachricht aus Beli: Gänsegeier Andrej ist heute Morgen um 8:10 Uhr gestorben :-(((
Die Flaggen sind auf Halbmast und das ganze Eko-Centar, inklusive mir! Das ist einfach nur traurig und nicht fair!!! Gestern und die ganze Nacht wurde der arme Geier regelmäßig mit Vitaminen versorgt, aber der Kleine war einfach zu schwach :-( Heute Morgen hat er dann wohl aufgegeben :-(
Mein großes Beleid gilt Neuseeländerin Kim, die den kleinen Andrej direkt nach seiner Rettung adoptiert hatte. Schnief!
Hier ein paar kleine Erinnerungen...
Andrej bei seiner letzten (festen) Hundefutter-Nahrung:
Aufwärmen und Kuscheleinheiten, bevor es an die Vitamin-Infusionen ging:
Bereits ein trauriges Häufchen Elend :-(
Andrej, rest in peace!!!

Wieder daheim... aber wo sind die Geier?

Gestern Abend gegen 23 Uhr bin ich am Duisburger Hbf angekommen und irgendwann gegen 1 Uhr morgens ging es dann müde ab ins Bett. Heute Morgen dann das traurige Erwachen: Keine Gänsegeier am Himmel, keine Gänsegeier auf den Dächern, keine Geier-Voliere direkt hinterm Haus... "nur" eine Kolonie Stoffgeier im Zimmer und tausende neuer Fotos! Der wunderschöne Urlaub im Eko-Centar ist wieder vorbei und nun wird es viele, viele Monate dauern, bis ich meine geliebten Krummschnäbel vielleicht wiedersehen werden...
Der Abreisetag, bereits traurig genug, wurde von einer weiteren schlimmen Nachricht überschattet: Als wir Gänsegeier Andrej am frühen Vormittag seine Infusionen geben wollte, bewegte er sich nicht mehr. Er lag in einer Ecke der Quarantäne-Station und erst nach langem, sanften Schütteln bewegte er mühsam die Augen. Insgesamt aber mehr tot als lebendig!!! :-((( Vorsichtig gaben wir ihm die Vitamin-Infusionen, aber weil das arme Tier nur noch aus Haut, Knochen und Federn besteht, war es fast unmöglich überhaupt eine vernünftige Einstichstelle zu finden. Sein Herz war zwischendurch nicht mehr zu spüren und er reagierte auf gar nichts mehr. Als wir schon dachten er wäre wirklich tot, zuckten seine Augenlider ganz schwach. Wir waren uns aber nicht sicher, ob es nur letzte Körper-Reflexe auf die Spritzen waren, oder er doch noch lebt. Nachdem der arme Flattermann sechs Infusionen intus hatte und wir ihn wieder auf den Boden setzten, schaffte er zu unserer freudigen Überraschung sogar einige wenige unsichere Schritte. Ob er überleben wird steht noch in den Sternen :-(
Detail-Infos habe ich nicht, aber wie es aussieht haben die "Retter" ihn bereits am Mittwochmorgen gefunden. Doch statt sofort Hilfe zu rufen, wurden erstmal Kamerateams und Reporter angerufen, um sich als Retter feiern zu lassen. Erst nach der Fotosession wurde dann nachmittags Hilfe gerufen und erst abends kam er dann zu uns. Wahrscheinlich wird ihn diese stundenlange Hilfe-Verweigerung das Leben kosten.. aber hauptsache in der Zeitung erschien ein Artikel über den "Retter". Da ich nicht genug Infos weiß, möchte ich niemanden verurteilen. Immerhin wurde der Geier überhaupt "gerettet", statt ihn einfach liegen zu lassen. Aber was nützt Hilfe, wenn sie erst viel später als nötig wirklich zum Einsatz kommt? Ich weiß nicht, ob diese Sache ein Nachspiel haben wird. Natürlich sollte man auf die Folgen dieser Sache aufmerksam machen. Aber wenn es zu viel Kritik hagelt, vielleicht traut sich dann niemand mehr den Geiern zu helfen? Jedenfalls war es ein verdammt trauriger Abschied ab Ende von zwei wunderbaren Wochen!
Geknickt ging es dann zur Fähre, wo ich eine sehr nette Familie aus Bremen wiedertraf, die ich bereits auf dem Hinflug schon kennengelernt hatte. Wenn ihr meinen Blog durchstöbert, viele Grüße nach Bremen!!! Zusammen überstanden wir dann auch die lange, ungeplante Warterei am "riesigen" Flughafen Rijeka, nachdem eine Stunde vor Abflug verkündet wurde, dass der Flug vier Stunden Verspätung haben wird...

Freitag, 22. Oktober 2010

Wiedersehen und Abschied unter Geiern

Morgen ist es leider schon so weit und ich muss wieder Abschied von den wunderschönen Gänsegeiern und dem Eko-Centar Caput Insulae Beli nehmen :-(
Unglaublich, wie schnell die zwei Wochen hier vorbei gerast sind!!! Es war sehr interessant Beli auch zu einer anderen Jahreszeit als Sommer und Hochsaison kennen zu lernen. Natürlich ist das Wetter und die Besuchermenge nicht vergleichbar, aber die Gänsegeier sind noch genauso schön, wie immer! Ohrengeier Torgos natürlich auch.
In den zwei Wochen habe ich sehr viel erlebt: Das Einfangen der Geier, die Auswilderung, das Aufeinandertreffen mit einem Geier am Gipfelkreuz, das aufmunternde Krallenhalten, während der gerettete Neuling seine Injektionen bekommt und viele, viele andere wunderschöne Momente.... nicht zu vergessen natürlich die Erfüllung meines großen Traumes, einmal einen Gänsegeier auf den Arm nehmen zu duerfen!!! Und als ständiger Begleiter die vielen wilden Gänsegeier am Himmel. Eine unglaubliche Zeit mit vielen wunderbaren Erfahrungen!!!
Ich möchte mich noch einmal ganz herzlich bei allen Mitarbeitern und Helfern bedanken, die dieses wunderbare Eko-Centar und den Schutz der Gänsegeier ermöglichen und auch weiterhin verfolgen!!! Vor allem natürlich Ph. D. Sc. Goran Sušić, der das alles hier mit seiner Liebe zu den Geiern auf die Beine gestellt hat und von dem jeder Geier-Begeisterte noch eine Menge lernen kann!!! Vielen Dank für die tolle Zeit, die ich hier verbringen durfte und auf ein baldiges Wiedersehen!!!

Special Guest: Geierpinguin

Merkwürdige Geflügel treiben sich seit zwei Wochen hier in Beli auf der Insel Cres rum!
Die erste Sichtung erfolgte vor Kurzem in der Geier-Voliere des Eko-Centar, wo neben den Gänsegeiern und dem Ohrengeiern offenbar noch eine dritte Geier-Gattung zeitweise vertreten ist.
Bei dieser Gattung, schwer zu übersehen, handelt es sich um einen Geierpinguin!!!
Der Geierpinguin lebt normalerweise am weit entfernten Südpol, fühlt sich aber auch im deutschländischen Duisburg sowie in Essen sehr wohl. Offensichtlich nun auch im kroatischen Beli! Halb Geier halb Pinguin ernährt er sich hauptsächlich von Fisch-Aas, am liebsten frisch vom Aal.
Bei einem Ausflug in das Örtchen Beli wurde er sehnsüchtig aufs Meer blickend auf einer Mauer gesehen.
Kein Wunder also, dass seine nächste Sichtung auf den Klippen in Strandnähe erfolgte.
Dort ließ er sich auf Steinen oder Zweigen nieder, ließ sich die Sonne auf den Frack und die Halskrause scheinen und näherte sich auf diese Weise immer weiter dem Meer.
Er versteht er es übrigens prächtig zu fliegen und drehte einige Runden mit den einheimischen Gänsegeiern, bevor er dem Wanderweg folgend…
… schon bald am Strand ankam. Dort legte er sich gemütlich in die Sonne und gönnte sich einen Mittagsschlaf.

Ausgeruht und mit neu gesammelten Kräften stürzte er sich einige Zeit später schließlich ins Meer und suchte sich ein schuppiges Aas hack!

Wiedersehen unter Geiern - Geier gerettet!!!

Mittwochabend kam ein Anruf, dass ein schwacher Gänsegeier gefunden wurde. Eigentlich ist die Zeit, wo Jungtiere häufig ins Wasser fallen, schon vorbei. Was also ist dem armen Geier passiert? Ist er vielleicht vergiftet? Keiner wusste über Einzelheiten bescheid, also konnten wir nur abwarten. Der Geier erreichte schließlich mit der Fähre die Insel Cres und wurde dann mit dem Auto abgeholt.
Im Eko-Centar angekommen, wurde er zuerst gewogen. Der arme Flattermann brachte nur 5,5 kg auf die Waage, das ist für einen Gänsegeier sehr wenig. Er war nicht markiert, ist aber eindeutig noch ein Junggeier. Wir vermuten vielleicht vom letzten Jahr. Der Arme wollte weder trinken…
…noch essen :-(
Und obwohl das frische Fleisch in schnabelgerechte Stücke kleingeschnippelt war und ihm direkt vor den Schnabel gehalten wurde, hat er nichts anrühren wollen.
Also ging es ab in den Quarantäne-Raum. Der Neuling heißt übrigens auf Wunsch des Retters nun Andrej und er wurde sofort von Volunteer Kim aus Neuseeland adoptiert.
Vergiftet scheint er nicht zu sein, denn dann hätte er Schüttelattacken, Gleichgewichtsprobleme und andere auffällige Symptome.
Am nächsten Morgen gab es dann Hundefutter als Frühstück. Das Zeugs wurde dem Geier löffelweise auf einen Plastikteller gehäuft und zu unserer Erleichterung hackte er sofort zu.

Insgesamt aber leider nur wenige Schnabelfüllungen – trinken wollte er kaum.
Fünf Stunden später gab es dann die nächste Hundefutter-Ration. Hundefutter ist deshalb für einen geschwächten Geier so gut, weil es durch die Inhaltsstoffe dem Geier sehr schnell viel Energie zurückgeben kann.
Der Geier Andrej bekam die Markierung „CLX“ um die Kralle befestigt und ist nun der neunte gerettete Geier im Jahr 2010.
Um das schwache Tier möglichst bald wieder auf die Beine zu bringen, wurde ihm außerdem noch ein Vitamin-Cocktail in das Bein injiziert. Schnief, armes Ding!!!
Tapfer hat er hoffentlich geringen Schmerzen der Spritze über sich ergehen lassen und bekam ein paar kleine Streicheleinheiten als Trost.
Weitere fünf Stunden später, abends, gab es dann eine weitere Injektion und noch mehr Hundefutter – diesmal direkt aus der Dose. Gierig hackte er seinen Schnabel in den stinkenden Pamp und schlang sich glucksend und schmatzend fast die ganze Dose rein. Der treffende Kommentar folgte sogleich: „Crazy, the griffon is eating dog-food like a pig!“ Wenn das mal kein tierisches Abendessen war…
Hauptsache der Geier frisst und wird hoffentlich bald stark genug, um in die große Voliere entlassen zu werden. Die anderen Geier warten bestimmt schon auf ihren Kollegen!